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Würzburger Kickers:Tür zum Unterhaus

v.li.: Fabio Kaufmann (FC Würzburger Kickers), Luca Pfeiffer (FC Würzburger Kickers) mit Torjubel, celebrate the goal,

Gute Laune: Die Würzburger Fabio Kaufmann und Luca Pfeiffer (von links).

(Foto: imago images/foto2press)

Würzburgs Rückkehr in die zweite Bundesliga nimmt nach dem Sieg gegen Uerdingen Konturen an.

Von Sebastian Leisgang

Der Satz kam ziemlich unscheinbar daher, seine Botschaft war sehr gut getarnt. Im Grunde war es ja gar nicht mehr als eine Analyse, die Michael Schiele da vortrug, als er am späten Dienstagabend über das Spiel beim KFC Uerdingen sprach. Der Trainer der Würzburger Kickers sagte nur: "Man hat schon gemerkt, dass zwei, drei Spieler nicht so auf dem Platz waren, wie man es in der Vergangenheit kannte." Schiele war mit den ersten 45 Minuten nicht rundum einverstanden. Seine Elf sei "nicht so zwingend, nicht so locker" gewesen wie in den Spielen zuvor. Es war dezente Kritik, die Schiele da übte - und doch war es etwas mehr als das.

Die Würzburger hatten das Spiel ja 2:1 gewonnen und in der Tabelle Platz zwei erobert, deshalb war Schieles Kritik zum einen auch: Ausdruck des Anspruchs, den die Kickers inzwischen an sich selbst haben. Und zum anderen: Steilvorlage für eine Branchenformel, die sich nach diesem doch eher zähen Spiel regelrecht aufdrängte - schließlich sicherte Luca Pfeiffer den Sieg erst zwei Minuten vor Schluss. Die Formel ist mindestens genauso alt wie der Fußball selbst, sie lautet: Wer solche Spiele gewinnt, der...

Würde man Schiele bitten, den Satz zu vollenden, so würde er wahrscheinlich erst sein Schiele-Lächeln aufsetzen, das immer etwas Lausbubenhaftes an sich hat. Dann würde er wohl einen Schiele-Scherz machen, vermutlich einen solchen: "...der hat drei Punkte mehr als vorher." An dieser Stelle wäre ihm natürlich nicht zu widersprechen, das Entscheidende ist aber, und auch das weiß Schiele: Der Würzburger Dienstagabend war schon alleine durch den Sieg gegen Uerdingen ein sehr guter Dienstagabend; weil Hansa Rostock und der MSV Duisburg den Kickers aber auch noch den Gefallen taten, ihre Spiele nicht zu gewinnen, nimmt der Aufstieg immer schärfere Konturen an.

Vor dem Re-Start hatte Schiele davon gesprochen, dass es das Tabellenbild nicht erlaube, seriös vorherzusagen, ob seine Mannschaft in der nächsten Saison in der zweiten Liga womöglich gegen Werder Bremen spiele - oder in der Regionalliga gegen den TSV 1880 Wasserburg. Mittlerweile haben die Kickers drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, die Tür zum Unterhaus ist weit aufgestoßen. Bei nur noch drei ausstehenden Spielen kann man Schiele also zurufen: Von Würzburg aus ist der Weg nach Bremen kürzer als nach Wasserburg.

© SZ vom 25.06.2020

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