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Würzburger Kickers:Stolz und zufrieden

2. Bundesliga; FC Wuerzburger Kickers - SV Darmstadt 98; 20.04.2021 Ralf Santelli (Cheftrainer, FC Wuerzburger Kickers)

Gut gespielt und doch verloren: Würzburgs Trainer Ralf Santelli tröstet Arne Feick.

(Foto: Julien Christ/Beautiful Sports/imago)

Nach dem leblosen Auftritt beim FC St. Pauli gibt der Tabellenletzte Würzburg gegen Darmstadt ein deutlich verbessertes Bild ab - und verliert dennoch. Die Hoffnung auf den Klassenverbleib will Trainer Ralf Santelli aber noch nicht aufgeben.

Von Sebastian Leisgang

Ralf Santelli wusste es. Es war ihm vollkommen klar, dass es weder den Fernsehkameras noch den Augen der Zeitungsjournalisten verborgen bleiben würde, doch darauf kam es jetzt nicht an. Er sei einfach dermaßen "stolz und zufrieden" gewesen, sagte der Trainer der Würzburger Kickers am Dienstagabend, dass er nach dem 1:3 gegen den SV Darmstadt 98 etwas tat, was er nur "ganz, ganz selten" tut, "weil ich es nicht zur Schau stellen möchte": Santelli rief seine Spieler nach dem Abpfiff zu sich und versammelte sie in einem Kreis, um ein paar Worte der Aufmunterung loszuwerden.

Die Kickers hatten ja tatsächlich ein sehr gutes Spiel gemacht - und am Ende trotzdem verloren, durch individuelle Fehler wie von Tobias Kraulich vor dem 1:2 oder wie bei Rajiv van La Parra bei seiner Gelb-Roten Karte. Während Darmstadt, wie Trainer Markus Anfang sagte, "fast über die gesamte Spielzeit nicht ins Spiel gekommen" war. Würzburg hätte die Partie am Dienstagabend also durchaus gewinnen können, das war die eine Lesart der 90 Minuten. Die andere: Wenn es die Kickers schon nicht schaffen, eine Mannschaft zu schlagen, die fast die gesamte Zeit nicht im Spiel ist - wen um Santellis Willen wollen sie dann überhaupt noch schlagen?

Anfang April, nach seiner ersten Partie, wurde Santelli gefragt, was in den letzten Wochen dieser Saison noch auszurichten sei. Die Kickers hatten gerade 0:1 in Sandhausen verloren, der Abstieg schien schon zu diesem Zeitpunkt kaum noch abzuwenden, und Santelli ließ wissen, dass es ihm gar nicht um eine Aufholjagd gehe. Wichtiger sei doch, sagte Würzburgs Trainer, dass der Verein ein besseres Bild abgebe als in den vergangenen Monaten.

Santelli ignoriert den Abstiegskampf ganz bewusst - in der Hoffnung, dass sich auch seine Spieler davon freimachen

Es waren irgendwie irritierende Aussagen, sie ließen sich ja, zumindest auf der einen Seite, als frühzeitige Kapitulation auslegen. Auf der anderen Seite: Die Aussagen waren wohl, wie es in der Fußballsprache heißt, taktisch geprägt. Santelli ignorierte den Abstiegskampf ganz bewusst - in der Hoffnung, dass sich auch seine Spieler freimachen würden von alledem, was der Tabellenkeller so mit sich bringt: Anspannung, Unruhe, Druck.

Am vergangenen Wochenende ignorierten dann auch Santellis Spieler den Abstiegskampf - allerdings auf eine andere Art und Weise, als es ihrem Trainer lieb war. Die Kickers verloren beim FC St. Pauli 0:4 und machten einen derart mutlosen Eindruck, dass es auch ein paar Tage und eine weitere Niederlage später völlig absurd erscheint, dass sich diese Mannschaft noch immer Hoffnungen auf die Rettung machen dürfen.

Würzburg braucht nun mindestens drei Siege aus vier Spielen

"Solange es noch möglich ist, werden wir dran glauben", sagte Santelli auch am Dienstagabend. Es war eine Durchhalteparole, wie sie in den vergangenen Wochen immer wieder zu hören war - das Groteske ist aber: Obwohl es in dieser Saison derart turbulent zugegangen ist, dass die Zahl der Würzburger Trainer (vier) beinahe so hoch ist wie die Zahl der Würzburger Siege (fünf), haben die Kickers tatsächlich noch die Chance, auch nächstes Jahr gegen Mannschaften wie St. Pauli oder Darmstadt zu spielen.

Karlsruher SC, VfL Osnabrück, Eintracht Braunschweig und SC Paderborn: So heißen die letzten vier Gegner, gegen die sich das Schicksal der Kickers entscheidet. Würzburg braucht mindestens drei Siege, um den Relegationsplatz doch noch zu erreichen. Allzu rosig sind die Aussichten also nicht, eine letzte gute Nachricht wäre da aber noch: Bei der direkten Konkurrenz in Sandhausen und Osnabrück hat es in den vergangenen Wochen kaum Anlass gegeben, stolz und zufrieden zu sein.

© SZ/lein/and
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