Würzburger Kickers:„So Gott will, werden wir uns nächstes Jahr hier wiedersehen“

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„Ich hoffe, mein Abschiedsgeschenk für Würzburg wird der Aufstieg.“ - Ivan Franjic. (Foto: Heiko Becker/HMB-Media/Imago)

Der überragende Mittelfeldspieler Ivan Franjic wird die Kickers nach den Aufstiegsspielen verlassen. In der ersten Partie gegen Hannover II sichert er mit einem Freistoß den Sieg. Am Sonntag im Rückspiel soll die Drittliga-Rückkehr gelingen.

Von Christoph Leischwitz

Einer, der in der kommenden Saison ganz sicher in der dritten Liga spielen wird, schien davon überhaupt nicht geschockt zu sein. Am Dienstagabend verlor der SV Wehen Wiesbaden seinen Platz in der zweiten Bundesliga, der zukünftige Verein von Ivan Franjic musste sich Jahn Regensburg geschlagen geben. Am Mittwochabend wiederum wirkte der 26-jährige Mittelfeldspieler in den Aufstiegsspielen aus der Regionalliga in die dritte Liga trotzdem hoch konzentriert. Nach dem Hinspiel gegen Hannover 96 II, das er mit dem Tor zum 1:0-Endstand entschieden hatte, sagte er: „Ich hoffe, mein Abschiedsgeschenk für Würzburg wird der Aufstieg.“

Die Chancen, dass er die Kollegen der Würzburger Kickers in der kommenden Spielzeit in Liga drei wiedersieht, sind am Mittwoch durchaus gestiegen. Ein Grund dafür ist, dass Franjic rechtzeitig auch noch torgefährlich geworden ist. Die gesamte Saison über hatte er zwar 19 Treffer vorbereitet, aber nur ein einziges Tor selbst geschossen. Bis zum letzten Spieltag. Da standen die Kickers gegen die DJK Vilzing schon lange als Meister fest, es handelte sich de facto also um ein Vorbereitungsspiel. Da traf Franjic plötzlich zweimal, und sein zwischenzeitliches 2:0 (Endstand 4:0) ist im Nachhinein besonders beachtlich, denn da hatte er einen Freistoß über die Mauer ins torwartferne Eck gehoben.

Gegen Hannover II legte er sich in der 22. Spielminute den Ball fast an derselben Stelle zurecht, ein paar Meter weiter vorn, aber im selben Winkel zum Tor. Gut möglich, dass sich Hannovers Keeper Leo Weinkauf den Schuss gegen Vilzing angesehen hatte und nun auf einen ähnlichen Versuch spekulierte. Jedenfalls sah er düpiert aus, als der Ball dann im Torwarteck einschlug.

Es war kein sonderlich schönes Spiel der Regionalliga-Meister aus Bayern und der Nordstaffel, beide Trainer räumten hernach ein, dass ihre Teams erst einmal mit der Stimmung und der Kulisse klarkommen mussten. Es war kein Zufall, dass der Siegtreffer nach einer Standardsituation fiel, beide Mannschaften bearbeiteten sich beherzt im Mittelfeld. Würzburgs Trainer Marco Wildersinn sprach von „Stressen“ des Gegners. 96-Trainer Daniel Stendel erkannte zwar die Nervosität seiner jungen Spieler, sprach aber auch von einem „Heimspielfaktor“, wenn in Spiel zwei am Sonntag (13.30 Uhr) mehr als 20 000 Heimfans in Hannovers Zweitliga-Arena erwartet werden.

Ein Grund für Würzburger Zuversicht: Hannover strahlte über das gesamte Spiel hinweg nur wenig Torgefahr aus, und es spricht wenig dafür, dass sich das ändert. „Wenn wir die Rückrunde sehen, haben wir gefühlt alle Torschützen nicht dabei“, sagte Hannovers Trainer Stendel nach dem Hinspiel. Denn: Zwei Leihspieler hatten sofort nach der Saison den Verein verlassen (Antonio Foti, acht Saisontore, Muhammed Damar, neun Tore), vor allem aber kam Lars Gindorf (21 Tore) nicht zum Einsatz, obwohl er den Verein nicht verlassen hat. Das 22-jährige Talent wird schon jetzt für die neue Zweitliga-Saison geschont – was durchaus auch die Frage aufwirft, wie wichtig den Niedersachsen der Aufstieg der zweiten Mannschaft tatsächlich ist.

Sollten die Kickers aufsteigen, würden sie auch ihren früheren Trainer Bernd Hollerbach wiedersehen

Eigentlich wollten sich die Würzburger in diesen Tagen ja komplett auf das Hier und Jetzt konzentrieren, eine Ausnahme gab es aber doch: Kapitän Peter Kurzweg gab vor dem Hinspiel seine ligaunabhängige Vertragsverlängerung bis 2027 bekannt. Zweigleisige Planung ist freilich nichts Neues für die Kickers. Eine Fahrstuhlmannschaft erkennt man unter anderem daran, dass sie in jedem Stockwerk auf alte Bekannte trifft. Sollten die Kickers am Sonntag tatsächlich wieder aufsteigen, würden sie zum Beispiel auf Bernd Hollerbach treffen, der am Mittwoch als neuer Trainer des Zweitliga-Absteigers Hansa Rostock vorgestellt wurde. Hollerbach war Trainer und Sportdirektor am Dallenberg, als die Kickers 2015 aus der Regionalliga und 2016 aus der dritten Liga aufstiegen (und als sie 2017 wieder abstiegen, weshalb Hollerbach jetzt nicht mehr da ist).

Einer der Helden von 2015, als sich Würzburg im Elfmeterschießen gegen Saarbrücken durchsetzte, war Keeper Robert Wulnikowski, der heute Torwarttrainer beim FC Ingolstadt ist. Und wenn es denn klappt, dann würde man ja auch Ivan Franjic in die Arme nehmen können. „So Gott will, werden wir uns nächstes Jahr hier wiedersehen“, sagte er nach dem Hinspielerfolg bei Magentasport.

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