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Würzburger Kickers:Magath zieht die Fäden

Magath vor Gomez-Abschied vom VfB

Arbeitet nun hinter den Kulissen: Felix Magath.

(Foto: dpa)

Bei Würzburg ist ein alter Bekannter der Bestimmer hinter den Kulissen. Lange sorgte sein nebulöses Schweigen zur Zukunft von Trainer Schiele für Verwirrung - doch nun steht fest, dass der Coach bleibt.

Von Sebastian Leisgang, Würzburg

Am Samstagnachmittag saß Felix Magath auf einer Hotelterrasse in Mils, einer idyllischen Gemeinde im Innsbrucker Umland, in der der FC Admira Wacker sein Mannschaftsquartier bezogen hatte. Es waren nur noch ein paar Stunden bis zum Endspiel bei der WSG Tirol, bis zu jenen 90 Minuten, in denen die Frage verhandelt wurde, ob Admira Wacker auch in der nächsten Saison in der österreichischen Bundesliga spielen darf - oder ob der Klub absteigen muss.

Magath saß also auf der Terrasse, eine Tasse Tee vor sich, und schaute auf das Telefon seines Pressesprechers. Er hatte sich einen Platz im Schatten gesucht, um auf dem kleinen Bildschirm das Spiel der Würzburger Kickers zu verfolgen. Magath war ganz bei sich, so erzählt es sein Pressesprecher, dabei wusste er, welch gehöriges Gewicht dieser Tag hatte, das Spiel der Admira - und das Spiel in Würzburg, bei dem es um den Aufstieg in die zweite Bundesliga ging, Würzburgs Rückkehr auf die große Bühne. Das ist das eine. Das andere: Es ging auch um ihn, Magath, der zuletzt vor mehr als zweieinhalb Jahren auf einer Trainerbank gesessen hatte und seitdem vor allem dann im Gespräch war, wenn er eine Krise des FC Schalke 04 kommentierte oder erklärte, wie schwierig es sei, diesen diffusen Klub ins Herz zu schließen.

Seit Ende Januar arbeitet Magath, 66, für eine Online-Druckerei, die sowohl Admira Wacker als auch die Würzburger Kickers als Investor unterstützt. Magath hat in beiden Klubs keine Funktion, hält aber die Fäden in der Hand. Er ist es, der bestimmt, was die Leute vorne auf der Bühne zu sehen bekommen, auch wenn man ihn nicht sieht, da hinten, in den Kulissen.

In den vergangenen Wochen war Magath besonders gefragt. Würzburgs Aufstieg zeichnete sich ab, das Team gewann ein Spiel nach dem anderen, Trainer Michael Schiele an Reputation. Weil aber sein Vertrag endete, wollten die Leute wissen, wie es weitergehe, wann Schieles Verbleib endlich bekannt gegeben werde und welchen Grund es denn gebe, so lange zu zögern.

Magath schwieg - und erzeugte damit ein Spannungsfeld, das Mannschaft und Trainer zu Höchstleistungen trieb. Am Samstag stiegen die Kickers schließlich auf, denkbar dramatisch, durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit, der Würzburg ein 2:2 gegen den Halleschen FC und damit den letzten Punkt einbrachte, der noch nötig war. Erst jetzt, da der Aufstieg besiegelt ist, steht nach SZ-Recherchen fest, dass Würzburgs Trainer auch in Zukunft Michael Schiele heißt - was an diesem Montag bei einer internen Mannschafts- und Sponsorenfeier verkündet werden soll.

Er hatte jetzt viel Freizeit, doch für den Ruhestand war er nicht bereit

Wer Magath nun auf Schiele anspricht, bekommt ein Loblied zu hören, allerdings eines, das pflichtgemäß daherkommt und den gesamten Klub einschließt. "Ich denke, dass wir der homogenste Verein waren", sagt Magath, "es gab kein Störfeld im Verein oder um den Verein herum. Alle haben an einem Strang gezogen - das habe ich in dieser Form selten erlebt."

Und welchen Beitrag hat er in diesem Verein geleistet? Er, der im Hintergrund bleibt, und doch eine Hauptrolle spielt?

Magath antwortet mit einem Scherz: "Das Beste an mir war, dass ich den Aufstieg nicht verhindert habe." Dann spricht er über die Würzburger Mannschaft, über Daniel Sauer, den Sportdirektor, über Schiele, den Trainer: "Man kann nicht in Prozentzahlen ausdrücken, wer welchen Anteil hat", sagt Magath, "in einem Team trägt jeder zum Erfolg bei." Also auch er, Magath.

Dass seine Gegner am Samstag WSG Tirol und Hallescher FC hießen, sagt eine Menge aus. Aber auch er ist jetzt zurück auf der großen Bühne, und man hat den Eindruck: Es bekommt ihm.

Vor gut einem Jahr hatte Magath eine Menge Freizeit, doch er spürte, dass er noch nicht bereit war für den Ruhestand. Eines Frühsommerabends stand er auf dem Rasen in Aschaffenburg, seiner Heimatstadt, aus der er vor gut vierzig Jahren ausgezogen war, um sich im Fußball einen Namen zu machen. Es war der Tag des Endspiels um den bayerischen Landespokal, ein großer Tag für den SV Viktoria Aschaffenburg, der es mit den Würzburgern zu tun hatte und 0:3 verlor. Nach dem Spiel sollte sich Magath auch zu den Kickers äußern. Also: Wann, Herr Magath, trauen Sie den Würzburgern die zweite Liga zu?

Magath verzog das Gesicht, als sei er gefragt worden, was er davon halte, dass Düdelingen schon wieder luxemburgischer Meister ist. Damals, im Mai 2019, war Magath weit weg von den Kickers, er sagte deshalb, er könne nichts sagen. Nur so viel: "Das hat heute gut ausgesehen." Professionell hätten die Kickers gespielt, sehr seriös, vollkommen souverän. Kurze Pause. "Als Trainer wäre ich zufrieden."

Magath war geduldig an diesem Frühsommerabend. Er sprach auch über Viktoria Aschaffenburg, über Bernd Hollerbach, seinen langjährigen Begleiter. Es war zu spüren, dass Magath noch nicht abgeschlossen hatte mit dem Fußball. Jetzt ist er also wieder da. Und das tut ihm gut.

Der Tag sei wunderbar gewesen, sagte Magath am Samstagabend, als er auf dem Rückweg aus Innsbruck war. Draußen, vor dem Fenster, flog die Berglandschaft an ihm vorbei, und Magath meinte: "Es kann gut sein, dass ich jetzt noch ein Gläschen Wein trinke."

© SZ vom 06.07.2020/schm
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