Würzburger Bundesliga-Basketballer:Covid-Symptome auf dem Parkett

Lesezeit: 3 min

Würzburger Bundesliga-Basketballer: Auf dem Weg zum knappen Sieg: Bayreuths Philip Jalalpoor (l.) setzt sich auch in dieser Szene gegen Würzburgs Desi Rodriguez durch.

Auf dem Weg zum knappen Sieg: Bayreuths Philip Jalalpoor (l.) setzt sich auch in dieser Szene gegen Würzburgs Desi Rodriguez durch.

(Foto: Julien Becker/HMB-Media/imago)

Das Frankenderby in der BBL führt zu heftigen Debatten: Würzburgs Trainer und ein Profi weisen vor der Partie positive Tests auf, bei anderen gibt es Hinweise auf Corona - trotzdem müssen sie spielen.

Von Sebastian Winter

Das Oberfranken-Derby zwischen den Basketballern von s. Oliver Würzburg und Medi Bayreuth stand am Sonntagnachmittag ohnehin unter besonderen Vorzeichen: Vor leeren Rängen sollte es stattfinden in Würzburgs Arena, die seit Neujahr nicht einmal mehr den Namen des Hauptsponsors trägt, der sich im Dezember entschlossen hat, sich nach dieser Saison aus dem Würzburger Basketball zurückzuziehen. Aus der s.Oliver Arena ist nun also die tectake-Arena geworden - benannt nach einem E-Commerce-Unternehmen aus Baden-Württemberg.

Doch dann mussten die neuen Namensgeber mit ansehen, wie die Vorzeichen noch weitaus besonderer wurden als gewünscht: Stunden vor dem Spiel brach Hektik aus, es wurde hin- und her telefoniert, auch in der Halle.

Die Kurzfassung: In Würzburgs Mannschaft hatte es positive Corona-Tests und dazu mehrere weitere Spieler mit Krankheitssymptomen gegeben. Noch bis kurz vor dem Anpfiff war offenbar nicht klar, ob die Partie überhaupt angepfiffen werden kann - jedenfalls für die Mannschaften. Denn beide Klubs wollten nicht spielen, doch die Basketball-Bundesliga blieb hart und pochte auf die Durchführung. "Beide Vereine sind der Ansicht, dass es sehr zweifelhaft ist, das Spiel stattfinden zu lassen. Die Spieler und ich selbst sind nicht begeistert von dieser Entscheidung. Aber: The Show must go on, die Gladiatoren werden in den Ring geworfen", sagte Bayreuths Trainer Raoul Korner kurz vor dem um 15 Uhr anvisierten Spielbeginn angesäuert beim übertragenden Sender Magenta TV.

Eine Wahl hatten die Klubs nicht, bei einem Boykott des Spiels hätten ihnen empfindliche Strafen gedroht.

Bayreuth bezwang Würzburg, das nach seiner achten Niederlage in Serie immer tiefer in den Abstiegskampf gerät, letztlich mit Ach und Krach 88:80 (41:35). Die Gäste, die erst dank eines Dreiers ihres Flügelspielers Sacar Anim 25 Sekunden vor Schluss entscheidend auf 86:80 davonzogen, halten durch ihren Erfolg weiter Anschluss zu den Playoff-Plätzen. Doch die sportlichen Aspekte dieses Treffens gerieten wegen der Turbulenzen vor der Partie völlig in den Hintergrund.

"Ich finde es absurd und grob fahrlässig, dass man beide Mannschaften dazu zwingt, hier anzutreten", sagt Bastian Doreth

Wie Würzburgs Geschäftsführer Steffen Liebler während der Live-Übertragung vor dem Anpfiff erzählte, waren am Tag nach der Rückkehr Würzburgs aus Berlin, wo die Unterfranken am 31. Dezember gegen den deutschen Meister mit 61:96 unter die Räder gekommen waren, mehrere Spieler mit Krankheitssymptomen aufgefallen. Trainer Sasa Filipkovski, der erst kurz nach Weihnachten sein Debüt bei der Niederlage gegen Göttingen gegeben hatte, hatte demzufolge einen positiven Schnelltest, tags darauf sei auch ein Spieler positiv getestet worden. Die weiteren Tests waren Liebler zufolge negativ, Symptome in Teilen der Mannschaft, wie Fieber und Kopfschmerzen, blieben aber.

Die von der Liga wie üblich verlangten tagesaktuellen PCR-Tests waren dann alle negativ. Allerdings waren neben Filipkovski, den Co-Trainer Steven Key ersetzte, auch die Spieler Julius Böhmer, Alex King, Julian Albus und William Bufford nicht dabei - die ohnehin vom Verletzungspech gebeutelten Würzburger hatten kaum Wechseloptionen. Dazu gesellte sich die Unsicherheit, wer sich alles angesteckt haben könnte. "Für uns ist das unverständlich, dass die Liga das Spiel stattfinden lässt", sagte Liebler, "die Spieler sind durch den Wind, sie kommen quasi direkt von der Corona-Teststrecke in die Halle. Vorbereitung, Training, Videoanalyse: All das gab es nicht."

Auch die Bayreuther ließen sich nur sehr zögerlich von der Liga überreden. Ihr für den 30. Dezember terminiertes Heimspiel gegen die Baskets Oldenburg war ja noch verlegt worden, mehrere Stammspieler Oldenburgs hatten sich wegen positiver Corona-Tests in Quarantäne begeben müssen.

Am vergangenen Montag hatte sich auch noch Bayreuths Mannschaftskapitän Bastian Doreth während der deutlichen Niederlage gegen Alba Berlin am rechten Fuß verletzt, Diagnose: Kapselriss am Zeh. Doreth war nun ebenfalls nach Würzburg mitgereist, und verstand wie so viele die Welt nicht mehr. In der Halbzeit sagte der 32-Jährige bei Magenta TV: "Ich finde es absurd und grob fahrlässig, dass man beide Mannschaften dazu zwingt, hier anzutreten, obwohl sie sagen, sie sehen ein zu hohes gesundheitliches Risiko für die Spieler. Das ist wieder so ein klassischer Fall, wo sich die Liga über die Vereine stellt." Eine Fortsetzung dieser Debatten dürfte bald schon folgen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB