Süddeutsche Zeitung

Wrestling:Tim Wieses erstes Opfer: Wortwitz

"Eraser from the Weser"? "Gym Wiese"? Der Ex-Torwart ist nun Profi-Wrestler, doch bei der Auswahl des Kampfnamens verschenkt er so viel.

Ob ihn die Deutschen mögen werden, weiß Tim Wiese selbst noch nicht einzuschätzen. "Sie werden mich bestimmt lieben. Oder auch nicht. Keine Ahnung." Vielleicht auch egal. Jedenfalls ist der 34-Jährige von nun an der bekannteste Wrestler des Landes. Am Donnerstagabend kämpft er erstmals im Ring, in der großen Münchner Olympiahalle. Viele Landsleute haben dabei gerade ein Ritual dieser Schaukampf-Branche kennengelernt: Der Gladiator braucht einen Namen. Einen gefährlichen, furchteinflößenden Namen.

Seit der Ankündigung, Wiese wolle unter die Profiprügler gehen, kursieren listenweise Vorschläge im Internet. Der Ringname transportiert meistens ein Merkmal, das den jeweiligen Kämpfer auszeichnet, eine kreativ verpackte Anspielung. Vorbilder gibt es genug. Jack "Swagger" beispielsweise, der eigentlich Hager mit Nachnamen heißt. Definitiv ein Pseudonym mit ... Swag. Kann man nicht meckern. Oder "Sheamus". Besagter Wrestler ist Ire, und Iren heißen Sheamus/Seamus, das wissen alle seit Harry Potter. Schön ist auch "Sin Cara", "ohne Gesicht", zu dem Namen gehörte bis 2014 ein Mexikaner, der im Ring stets eine Maske trug. Alles charakteristisch, kreativ, mit Wiedererkennungswert.

Tim Wieses Kampfname lautet nun: "The Machine". Den hat ihm der Verband WWE zugeteilt. Er ist, mit Verlaub, enttäuschend. Gut, der Kerl ist inzwischen auf Waschmaschinenbreite gewachsen, hat diszipliniert wie ein Uhrwerk trainiert. Und für den Ring hat er sich vorgenommen: "Es gibt nur ein Ziel, und das ist Zerstörung." Da kann man schon auf irgendwas mit Maschine kommen. Charakteristisch ist der Ringname also, vermarkten lässt er sich vermutlich auch. Wiedererkennungswert hat er allerdings kein Stück. "The Machine" heißen auch ein Science-Fiction-Film und der Dartsspieler James Wade. Und kreativ? Naja.

Nicht mal ein klitzekleines Wortspiel. So viel verschenktes Potential! Einfallsreicher wäre es sogar gewesen, den Namen der Wrestling-Größe "The Undertaker" zu klauen und Wiese in Anlehnung an seine früheren Torwartaktivitäten "The Underkeeper" zu nennen. Weitere Anregungen waren im Internet zu finden: Eine der besten Ideen lautete "Eraser from the Weser" - to erase bedeutet auf Deutsch so viel wie "auslöschen". Auch aus seinem eigenen Namen hätte die WWE viel machen können. "Gym Wiese" drängt sich auf, ironisch auch "Slim Tim", bedenkt man seine 120 Kilogramm Körpergewicht (alles Muskeln). Ebenfalls schön: "Wiesard of War", "Goaliath" oder "Pink Panzer". Letzterer wäre eine nette Hommage an die schreiend rosafarbenen Trikots, die Wiese früher mit Pokerface zwischen den Torpfosten trug.

Immerhin war die WWE so einfallsreich, Wiese nicht unter seinem eigenen Namen in den Ring zu schicken - bei einigen Wrestlern ist das der Fall. Aber Tim Wiese? Hört sich nach Picknick an. Einige schöne Optionen sind dem Verband trotzdem entgangen, siehe oben. Schade um die gute Gelegenheit. Einen "Eraser from the Weser" hätte man schon mögen können - allein wegen des Namens.

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