World Games 2025Warum Deutschland im Medaillenspiegel so weit vorn liegt

Lesezeit: 3 Min.

Optimale Ausbeute im  Jianyang Sports Centre: Die beiden deutschen Kanupolo-Teams gewinnen Gold bei den World Games.
Optimale Ausbeute im  Jianyang Sports Centre: Die beiden deutschen Kanupolo-Teams gewinnen Gold bei den World Games.
Edgar Su/Reuters
  • Deutschland erreicht bei den World Games 2025 in China den zweiten Platz im Medaillenspiegel mit 17 Gold-, 14 Silber- und 14 Bronzemedaillen.
  • Im Gegensatz zu olympischen Sportarten ist Deutschland bei nicht-olympischen Disziplinen sehr erfolgreich, was auf eine gut entwickelte Vereinsbasis und gezielte finanzielle Förderung zurückgeführt wird.
  • Viele große Sportnationen schneiden bei den World Games deutlich schlechter ab als bei Olympia, während kleinere Nationen wie die Ukraine oder Ungarn in den Top Ten landen.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Bei den World Games in China gewinnt Team Deutschland 45 Medaillen. Eine hübsche Ironie in Zeiten, in denen dem deutschen Sport nachgesagt wird, von der Weltspitze abgehängt zu sein.

Von Jakob Lüers

SZ bei Google bevorzugen

Der Schlussmoment blieb Lennart Unterfeld vorbehalten: Ihm glückte das letzte Tor, das letzte Hurra des Endspiels, und somit auch die letzte Aktion der World Games 2025 für das Team Deutschland. Die Entscheidungen im Kanupolo im Jianyang Sports Centre hielten am Samstag einen Doppelerfolg bereit. Die deutschen Frauen katapultierten in ihrem Finale Neuseeland mit 4:0 aus dem Becken, ehe die Männer nachzogen und sich gegen Italien mit 3:1 die Goldmedaille sicherten. Für viele Athleten ist ein Sieg bei den World Games der Höhepunkt ihrer Karriere.

Das deutsche Team verabschiedete sich aus Chengdu mit einer beeindruckenden Bilanz: 17-mal Gold, 14-mal Silber und 14-mal Bronze bedeuten Platz zwei im Medaillenspiegel hinter Gastgeber China (36-mal Gold). Das ist aus deutscher Sicht erstaunlich: Denn während in den olympischen Sportarten die Medaillenausbeute seit Jahren rückläufig ist und die Diskussion um mangelnde internationale Konkurrenzfähigkeit nach dem Abschneiden in Paris 2024 lauter wurde, zeigt sich bei den World Games – den Weltspielen für nichtolympische Sportarten – der entgegengesetzte Trend: Bei den Endplatzierungen der vergangenen drei Ausgaben landete Deutschland auf Platz zwei, eins und zwei. Mit anderen Worten: Im nichtolympischen Sport gehört Deutschland zur Weltspitze.

Internationaler Sportgerichtshof Cas
:Das Ende der Ära einer allmächtigen Instanz

Der Internationale Sportgerichtshof Cas operiert seit Jahrzehnten als Schutzschirm der Großverbände von IOC bis Fifa. Jetzt setzen ihm ordentliche Gerichte immer mehr zu. Die Folgen sind spektakulär.

SZ PlusVon Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Warum ist Deutschland in den nichtolympischen Sportarten so erfolgreich? Wie erklärt sich dieses Paradoxon? Ein Blick in den finalen Medaillenspiegel der diesjährigen World Games zeigt, dass etliche große Sportnationen, nein, Olympia-Nationen, in den Topplatzierungen fehlen: Australien, das bei den Olympischen Sommerspielen in Paris auf Rang vier lag, sammelte in Chengdu gerade einmal sieben Medaillen und landete zwischen Finnland und Ägypten auf Platz 43. Japan, bei Olympia Dritter, lag in Chengdu auf Platz neun. Die Niederlande, Sechste in Paris, kamen auf Rang 18. Auch die USA, in Paris 2024 mit weitem Abstand auf Platz eins, lagen bei den World Games mit 28 Edelmetallen nur auf Platz sechs. Stattdessen erreichten kleinere Nationen die Top Ten: die Ukraine (3.), Ungarn (7.) oder Kolumbien (10.).

Das legt die Vermutung nahe, Deutschland sei nur so gut, weil die anderen Großen so schlecht sind. Tatsächlich kann man festhalten, dass Deutschland vielen Nationen eine Sache voraus hat: Hierzulande gibt es einen historisch gewachsenen Breitensport mit vergleichsweise gut entwickelter Vereinsbasis. Dazu kommt eine gezielte finanzielle Förderung der World-Games-Sportarten durch das Bundesinnenministerium, die seit Jahren ansteigt. Waren es 2019 nur etwa vier Millionen Euro, so flossen 2024 knapp 13,5 Millionen Euro in die nichtolympischen Disziplinen (Sommer- und Wintersport); viele dieser Sommersportdisziplinen nominierten jüngst Sportler für die World Games in China. Die Lücke zu den olympischen Disziplinen, die 97,4 Millionen Euro für Sommer- und Wintersportarten erhielten, ist nach wie vor groß.

Hierzulande gibt es einen historisch gewachsenen Breitensport

„Eine vergleichbare Unterstützung findet sich in zahlreichen Konkurrenznationen nicht“, teilt Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), auf Anfrage mit. „Dies führt in der Folge zu einer geringeren Leistungsdichte in der Weltspitze, als dies in der olympischen Welt aktuell der Fall ist.“ Die großen olympischen Nationen haben jeweils andere Förderstrukturen und Mittel, in manchen Ländern werden nichtolympische Sportarten weniger beachtet als in Deutschland. Nach Worten von Tabor gelingt es dem Geld aus der Bundesförderung sowie mit Eigenmitteln der nicht olympischen Verbände, wiederholt erstklassige Ergebnisse bei den World Games zu erzielen.

Die World Games, die größtmögliche Bühne für kleinere und oft weniger bekannte Sportarten, die es nicht oder nicht mehr ins Programm des Internationalen Olympischen Komitee schaffen, waren für „Team D“ in China ein voller Erfolg: Die Rettungsschwimmer eroberten gleich an den ersten Tagen der Spiele reihenweise Podestplätze, Nina Holt gewann fünf Goldmedaillen. Die 22-Jährige stieg damit in Chengdu zur erfolgreichsten Athletin in der Geschichte der World Games auf. Im Karate kämpften sich Mia Bitsch und Johanna Kneer zu Gold. Marius Balan und Khrystyna Moshenska standen sowohl beim Latein-Tanz als auch beim Cha-Cha-Cha ganz oben standen. Flossenschwimmer Max Poschart gewann dreimal Gold und einmal Silber. Einen ganzen Medaillensatz lieferten die deutschen Cable-Wakeboarder. Das Männerteam zog sich am Tau zu Bronze.

Im DOSB ist man mit dem Abschneiden zufrieden. Ob das ein Vorbild für Olympia sein kann? „Aufgrund der beschriebenen Situation lassen sich aus der Erfolgsbilanz der World Games keine direkten Ableitungen für Olympische Spiele ziehen“, sagt Olaf Tabor. Aber sie lassen sich bei nächster Gelegenheit genau beobachten: Die nächste Auflage der World Games findet 2029 in Karlsruhe statt.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Para- und Inklusionssport
:Trainer im Behindertensport: „Es will keiner mehr machen“

Überall in Deutschland fehlen Übungsleiter, besonders betroffen ist der Sport für Menschen mit Behinderung. Dabei ist der Bedarf hoch wie nie.

Von Jakob Lüers

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: