Er ist schon jetzt ein Star dieser Olympischen Spiele, auch wenn er knapp an Gold vorbeigehechelt ist. Die Langlauf-Qualifikation in Tesero bestritt er noch, dann hatte er plötzlich keine Lust mehr – und machte sich auf ins Nachbardorf. Die Rede ist von jenem Hund, der beim Frauen-Teamsprint plötzlich auf der Loipe auftauchte, sich an die Fersen der Griechin Konstantina Charalampidou und der Kroatin Tena Hadžić heftete und sie bis ins Ziel jagte – Schnappschuss von der Fotofinish-Kamera inklusive. Skandal witternd titelte die Bild: „Plötzlich Angst beim Langlauf! Olympia-Athletin: ‚Ich dachte, es wäre ein Wolf …‘“.
Klar, es war ja auch ein in Tesero wohnhafter Tschechoslowakischer Wolfhund, der da auf der Loipe die Spur aufnahm. Aber ein lieber Wolfhund: Nazgul, wie er heißt, war einfach ausgebüxt, wollte allein Gassi gehen, zeigte dann, dass er selbst mit den Besten mithalten kann bei Olympia, und schnupperte ein wenig an den Athletinnen. Dann lief er weg, nach der Quali, vor dem Finale. Dabei sein ist alles!
Tierisch gute Geschichten gibt es immer wieder bei den Spielen. 2016 in Rio liefen auf dem olympischen Golfplatz Wasserschweine und Kaimane herum, jedoch ohne einen Athleten beim Putten zu stören. So ein Golfschläger ist ja auch respekteinflößend. 2024 sprang bei den Surfwettbewerben vor Tahiti ein Wal aus dem Wasser, allerdings ebenfalls in sicherem Abstand zur Brasilianerin Tatiana Weston-Webb – große Welle dann, als er wieder eintauchte.
Was, wenn sich ein Wolf oder gar ein Bär Johannes Høsflot Klæbo in den Weg stellt?
Die Adler, die zehn Kilometer nordöstlich von Tesero von den Schanzen in Predazzo fliegen, also die leibhaftigen Skispringer, bekamen von der Hundestory übrigens gar nichts mit. Sie haben in diesen Tagen im eigentlich so frühlingshaften Fleimstal ausgerechnet bei ihren Flugshows mit heftigem Schneefall zu kämpfen. Außerdem müssen sie, wie am Donnerstag bei der Nordischen Kombination, Laub- und Schneebläsern ausweichen. Einer berührte den US-Adler Ben Loomis in der Anlaufspur fast (der Mann, der das Gerät hielt, hatte Loomis nicht losfahren sehen), Loomis flog und landete trotzdem tadellos.
Womit wir wieder bei Lupus wären, dem Wolf. In der Umgebung leben angeblich 26 Rudel Wölfe. Und Braunbären gibt es im Trentino auch jede Menge, wobei Gaia, die Problembärin und Halbschwester von Bruno, dem Problembären, längst in den Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach im Schwarzwald umgesiedelt wurde.
Am Samstag und Sonntag schließen die 50-Kilometer-Langläufe die olympischen Wettbewerbe im Val di Fiemme ab. Was, wenn sich irgendwo ganz hinten auf der bergigen Strecke ein Wolf oder gar ein Bär Johannes Høsflot Klæbo in den Weg zu dessen elfter olympischer Goldmedaille stellt? Der Südtiroler Wildhüter Markus Plattner sagte mal: „Man weiß nicht, wo der Bär schläft.“ Und, ganz wichtig, man solle Hunde bitte an die Leine legen! „Weil, wenn der Hund in den Wald läuft und dort den Bären trifft, kommt er zurück und bringt den Bären mit, ganz sicher. Und dann ist das ein Problem.“ Selbst wenn es ein Tschechoslowakischer Wolfhund ist.
„Schnella Italia“ ist die Olympia-Kolumne der SZ-Sportredaktion. An dieser Stelle schreiben die Reporterinnen und Reporter der SZ über Kuriositäten und Beobachtungen am Rande der Winterspiele.

