Wolfsburg wirft Felix Magath raus:Winterkorn sitzt im Aussichtrat der Bayern

Ob der treuherzige Köstner, 60, der nach der Entlassung Vehs schon einmal als Nothelfer eingesprungen war, nun länger als notwendig mit der strategischen Neuausrichtung betraut wird, darf bezweifelt werden. Bezüglich des Manager-Postens verhandelt der Aufsichtsrat angeblich mit dem im Sommer entlassenen FC-Bayern-Sportchef Christian Nerlinger.

Spannend ist allerdings nicht nur die Frage, wie es jetzt weitergehen soll. Sondern auch, wie es so weit kommen konnte. In einem offiziellen Statement des VfL hieß es, Magath habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden Francisco Garcia Sanz am Donnerstag angeboten, "ihn von seinen Pflichten zu entbinden, da er nicht möchte, dass der Verein in Mitleidenschaft gezogen wird". Damit zeigte der Klub (respektive das, was von ihm noch übrig ist) immerhin, dass er genau so ironisch sein kann wie seine Fans.

In Wahrheit dürfte alles mit einem Stimmungswandel von Firmenboss Martin Winterkorn zusammenhängen. Er gilt als jemand, der lange zu seinen Vertrauten steht, zur Not auch bei Gegenwind. Magath hat ihm 2009 die Meisterschale gebracht und 2011 im letzten Moment den Abstieg verhindert. Es war gar nicht so einfach, diesen Kredit zu verspielen. Magath hat es trotzdem geschafft.

An dem Punkt, an dem Winterkorn den Glauben an seine Leute verliert, kann es dann sehr schnell gehen. Das hat die überraschende Trennung von Manager Dieter Hoeneß Anfang 2011 bewiesen. Und das zeigt sich jetzt auch wieder. Winterkorn war unter der Woche in Amerika unterwegs. Er schien Wichtigeres zu tun zu haben. Es ging um Autos. Nicht zuletzt deshalb war allgemein vermutet worden, dass sein Trainermanager zumindest noch bis zum Auswärtsspiel am Samstag in Düsseldorf eine Gnadenfrist bekommen würde.

Als Winterkorn aber nach Wolfsburg zurückkehrte, musste er feststellen: Es gab nun wirklich kein Argument mehr, das für den Angeklagten sprach. Die Fans haben sich von Magath abgewandt, die Mannschaft ohnehin. Torhüter Diego Benaglio galt als letzter treuer Vasall des Trainers. Im Grunde ist er auch der Einzige, der seit Magaths Rückkehr seine Leistung steigern konnte. Von den 26 Spielern, die der VfL in dieser Zeit kaufte, hat sich kein einziger bewährt.

Magaths System, die eigenen Fehler seinem Personal zuzuschieben, wurde von den Angestellten zunehmend als geistige Folter empfunden. Bayern-Präsident Uli Hoeneß lag deshalb inhaltlich nicht falsch, als er vor einigen Tagen über den VfL lästerte: "Wenn die Spieler so wenig laufen, sind sie entweder vom Training kaputt oder spielen gegen den Trainer."

Winterkorn sitzt im Aufsichtsrat der Bayern. Es ist bekannt, dass er das Wort von (Uli) Hoeneß für gewichtig hält. Nach dessen Urteil hätte Magath wohl nur noch von seiner Mannschaft gerettet werden können. Aber die hatte eher kein Interesse.

© SZ vom 26.10.2012/ebc
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