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Wolfsburg dominiert:Mit Hattrick und heiligem Ernst

VfL Wolfsburg - 1. FC Union Berlin

Bittschön, der Herr: Wolfsburgs Maxence Lacroix (rechts) überreicht den Spielball an den dreifachen Torschützen Josip Brekalo.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Durch einen ungefährdeten 3:0-Sieg über den 1. FC Union Berlin verteidigte Wolfsburg den dritten Tabellenplatz und wahrt seine Champions-League-Chance. Zur Feier seines 100. Bundesligaeinsatzes gelingen Josip Brekalo drei Treffer.

Von Javier Cáceres, Wolfsburg

Im Jahr 2016, es war Mitte April, unternahm der VfL Wolfsburg eine Reise nach Madrid. Dieter Hecking, heute in Nürnberg tätig, war damals Trainer der sogenannten Wölfe, in deren Reihen nicht nur Veteranen wie Benaglio, Luiz Gustavo oder Naldo standen, sondern auch ein gewisser Julian Draxler, er ging damals noch als vielversprechendes Talent durch. Was man in jenen Tagen nicht zwingend ahnen konnte: dass es für lange Zeit das letzte Champions-League-Spiel der Wolfsburger sein würde. In Madrid hätten sie nur den komfortablen 2:0-Vorsprung verteidigen müssen; stattdessen freuten sie sich auch nach dem 0:3 im Viertelfinal-Rückspiel noch ein Loch in den Bauch darüber, dass sie mal im Bernabéu-Stadion spielen durften: Wer könnte die freudigen Augen Heckings je vergessen?

Nun, 2021, ist noch immer nicht endgültig geklärt, ob die Zeit der Buße vorüber ist und Wolfsburg in die Königsklasse zurückkehrt. Aber durch einen ungefährdeten 3:0-Sieg gegen den 1. FC Union Berlin, zu dem Josip Brekalo einen Hattrick beitrug, verteidigte Wolfsburg immerhin den dritten Tabellenplatz.

Brekalo, 22, ebnete den Weg zum Wolfsburger Triumph durch ein veritables Traumtor, kaum mehr als 12 Minuten waren gespielt. Kevin Mbabu war auf der rechten Seite fast bis zur Grundlinie vorgestoßen und hatte den Ball zurückgelegt, als Brekalo den Ball mit dem rechten Innenrist in den rechten oberen Winkel schlenzte. Unions Torwart Andreas Luthe keine Chance. Zur Feier seines hundertsten Bundesligaeinsatzes für Wolfsburg legte Brekalo nach: Nach einem reißbrettartigen Angriff über Maxence Lacroix, Maximilian Philipp und Ridle Baku zog der Kroate im 16-Meter-Raum ab - und hatte das Glück, dass der Berliner Christian Gentner den Fuß in die Flugbahn des Balles hielt. Dadurch erhielt der Schuss einen Drall, der es Torwart Andreas Luthe neuerlich unmöglich machte einzugreifen (63.).

Am Ende benötigte Brekalo bei einer Strafraumaktion zwei Anläufe, um das dritte Tor zu vollenden (89.). Aber mit seiner Beharrlichkeit krönte er eine außerordentlich gute Leistung nicht nur seiner selbst, sondern auch seines Teams. "Das war ein toller Auftritt der Mannschaft", sagte Trainer Oliver Glasner, der sich vor allem deshalb freute, weil er die Berliner für einen der unangenehmsten Gegner der Liga hält. Der Tabellenvierte Dortmund hielt zwar den Abstand auf Wolfsburg. Aber "wenn ich heute unsere Leistung sehe, dann stimmt mich das zuversichtlich. Dann habe ich ein tolles Wochenende", sagte Glasner.

Es gab eigentlich keine Facette des Spiels, die Glasner bei dem Lob vergaß, das er über sein Team verteilte. Den Wolfsburgern war ein heiliger Ernst anzusehen, der über den bloßen Willen zum Punktgewinn hinauswies. Ob Pressing oder Gegenpressing, ob Pass- oder Positionsspiel: Dies war die vielleicht beste Leistung Wolfsburgs unter Glasner, auch unter mentalen Gesichtspunkten.

Womöglich hätten sie - bei zwei guten Chancen für Unions Finnen Joel Pohjanpalo (30./56.) - rascher auf 2:0 erhöhen können oder müssen, etwa durch Wout Weghorst (21.), Maximilian Philipp (26.), Ridle Baku oder Maximilian Arnold (60.). Aber im Grunde wuchs in der leeren Arena am Mittellandkanal mit jeder Minute die Gewissheit, dass Glasner ein besonders gutes Spiel begutachtete. Und vor allem: ein Spiel, in dem zutage trat, dass die Mannschaft ihn grundlegend verstanden hat, dass sie abruft, was er ihr seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren einbimst.

Und diese Mannschaft will Glasner ausgerechnet jetzt, also: im Sommer, wieder verlassen? Er ist oder war ja an einigen Bundesliga-Standorten im Gespräch, unter anderem in Frankfurt und in Leipzig. "Da habt ihr mich gerade so euphorisch erlebt, und dann so ein Stimmungsbrecher...", sagte Glasner, als er am Samstag erneut nach seiner beruflichen Zukunft gefragt wurde. "Ich denke, dass wir Ruhe wollen und uns auf das große sportliche Ziel konzentrieren. Das ist das, was wir kommuniziert haben, der Sportdirektor wie der Trainer. Das kann man auch mal akzeptieren. Alle Störfeuer könnten uns von unserem Weg abbringen, und das wollen wir nicht", hatte er beim Fernsehsender schon vor der Partie gesagt.

In der kommenden Woche reist Wolfsburg am vorletzten Spieltag nach Leipzig. Die Hoffnungen auf einen milde gestimmten Gegner beruhen darauf, dass Leipzig am Donnerstag noch einen Ausflug nach Berlin vor sich hat. Leipzig spielt dort im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. "Es wäre schon gut, wenn sie in Berlin gewinnen würden und danach ordentlich feiern. Dann würde ich auch etwas spendieren. Aber ich glaube, mit Getränken haben sie ja keine Probleme", sagte Wolfsburgs Maxi Arnold.

© SZ/bkl
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