BundesligaGlücksgefühle in Wolfsburg

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Wolfsburgs Außenverteidiger Jérôme Roussillon bejubelt seinen Siegtreffer gegen Leipzig.
Wolfsburgs Außenverteidiger Jérôme Roussillon bejubelt seinen Siegtreffer gegen Leipzig.
Swen Pförtner/dpa

Der VfL Wolfsburg steht nach drei Spielen an der Tabellenspitze der Bundesliga - trotz anfänglicher Zweifel am vergleichsweise unerfahrenen Trainer Mark van Bommel. Nun bekommt er auch noch einen neuen Stürmer.

Von Thomas Hürner, Wolfsburg

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Es war beinahe anrührend, wie Maximilian Arnold hinterher vor der Kamera stand und über den fabelhaften Saisonstart des VfL Wolfsburg sinnierte. "Dafür spielt man Fußball", sagte der Mittelfeldstratege beim Streamingdienst Dazn, dann hielt er kurz inne und schaute so träumerisch in den Himmel, als wollte er seiner Eloge den dramaturgischen Feinschliff verpassen. Nach einer kurzen und eindrucksvollen Kunstpause fügte Arnold hinzu, dass "solche Momente" schon etwas "ganz Besonderes" seien, ehe er in seiner Rede noch ausdrücklich die "Opferbereitschaft" seines eingewechselten Teamkollegen Josuha Guilavogui erwähnte, der vor nicht allzu langer Zeit VfL-Kapitän war und mittlerweile in der undankbaren Rolle des Ergänzungsspielers sein Tagwerk verrichtet.

Es fehlten lediglich die hochtrabende Pianomusik eines Ludovico Einaudi im Hintergrund und ein Abspann unter Erwähnung aller Wolfsburger Protagonisten, dann wäre Arnolds Moment der Glückseligkeit vermutlich perfekt gewesen.

Der vom örtlichen Autokonzern alimentierte Fußballklub steht für gewöhnlich selten im Verdacht, die ganz großen Emotionen zu wecken, aber in der Tat gab es nach dem 1:0-Heimerfolg gegen RB Leipzig am Sonntag genügend Anlass zur Freude: Nach drei Spielen und drei Siegen steht der VfL an der Tabellenspitze, worauf aufgrund einer Niederlagenserie in der Saisonvorbereitung wohl nur die wenigsten gewettet hätten. Die rumpelige Einspielphase war wiederum einer der Gründe, warum die Anfangswochen des neuen und auf diesem Niveau vergleichsweise unerfahrenen Wolfsburger Trainers Mark van Bommel von einer medialen Grundskepsis begleitet wurden. Nicht gerade besser wurde das Geraune, als der Niederländer im Pokalspiel gegen Münster einen Wechselfehler beging, der ihm nicht nur Spott und Häme einbrachte, sondern für den Verein auch das vorzeitige Ausscheiden aus dem Wettbewerb zur Folge hatte.

Der VfL hat auf dem Transfermarkt 50 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben

Die Rehabilitation van Bommels ist nach dem Pokal-Exodus zwar noch nicht vollständig abgeschlossen. Aber auch der frühere "Aggressive Leader" konnte am Sonntag für seine Verhältnisse recht ungezwungen von dem "Spaß" berichten, den seine Mannschaft ihm und dem Publikum bereitet habe. Die Wolfsburger Anhänger waren vor allem in der zweiten Hälfte sichtlich angetan vom Auftritt ihrer Spieler, die im Grunde genau dieselben waren wie in der erfolgreichen Vorsaison unter dem nach Frankfurt abgewanderten Trainer Oliver Glasner.

Denn bislang sind die hochdekorierten und insgesamt 50 Millionen Euro teuren Wolfsburger Zugänge unter van Bommel nur Teilzeitkräfte, sowohl die Stürmer Lukas Nmecha und Luca Waldschmidt als auch der Verteidiger Sebastiaan Bornauw standen gegen Leipzig nicht in der Startelf. Am Montag gab der VfL die Verpflichtung eines weiteren Offensivakteurs bekannt: Der sprintstarke Angreifer Dodi Lukebakio wurde vom Ligakonkurrenten Hertha BSC ausgeliehen, was wohl darauf hindeutet, dass der wechselwillige Josip Brekalo den Verein bis zum Transferschluss an diesem Dienstagabend noch in Richtung Italien verlassen wird. An den VfB Stuttgart verliehen hat der VfL zudem den Flügelangreifer Omar Marmoush.

Am Wolfsburger Grundgerüst hat van Bommel im Vergleich zu Vorgänger Glasner keine nennenswerten Veränderungen vorgenommen. Stilbildend bleibt beim Champions-League-Teilnehmer die robuste Achse mit Torwart Koen Casteels, Abwehrchef John Anthony Brooks, dem nimmermüden und klugen Mittelfeld-Duo Arnold und Xaver Schlager sowie Stürmer Wout Weghorst. Auf Schlager allerdings müssen die Wolfsburger nun längere Zeit verzichten, er zog sich gegen Leipzig eine schwere Knieverletzung zu und muss operiert werden. Um die Achse herum schwirren weiterhin tatkräftige und schwungvolle Fußballer wie der Angreifer Renato Steffen oder der deutsche Nationalspieler Ridle Baku, der unter van Bommel von seiner angestammten Rechtsverteidiger-Position eine Reihe nach vorne gerückt ist.

VfL Trainer van Bommel war nach dem Sieg gegen Leipzig "stolz" auf sein Team

Neu justiert hat der neue Coach dafür die Ausrichtung der Mannschaft, die ihre Gegner jetzt vornehmlich über Kurzpässe und fußballerische Dominanz an die Kandare nehmen soll. "Uns ist es gut gelungen, uns gegen das aggressive und gute Pressing von RB zu behaupten", resümierte Arnold, der selbst mal wieder zu den ballsichersten Wolfsburger Akteuren zählte und dessen Tempoverschärfungen regelmäßig Lücken in die Leipziger Hintermannschaft rissen.

Maßgeblich für den Siegtreffer des VfL war jedoch kein Vertikalpass von Arnold, sondern ein früher Ballgewinn seines kongenialen und später verletzt auswechselten Mittelfeldpartners Schlager, der so in der 52. Minute eine flotte Kombination in Gang setzte, an deren Ende Jérôme Roussillon im Strafraum zum 1:0 traf. "Ich weiß gar nicht, warum er da stand", sagte Trainer van Bommel über das Tor des eingelaufenen Außenverteidigers aus Frankreich, ehe er nach kurzer Überlegung die Erklärung folgen ließ: "Die Mannschaft will immer nach vorne spielen. Deswegen stand er da."

Dieser Schlussfolgerung lag zwar eine vereinfachte Sicht auf das Spiel zugrunde, weil die Gäste aus Sachsen nach dem Tor den Ball unter Kontrolle hatten und damit den Part einnahmen, den der Niederländer eigentlich über die gesamte Spieldauer von seiner Mannschaft sehen will. Doch sowohl die Atmosphäre in der Wolfsburger Arena als auch der Kampfgeist seiner Spieler hätten van Bommel "stolz" zurückgelassen, wie er hinterher sagte. Über den Coach wiederum war zuletzt aus Mannschaftskreisen zu hören, dass er so etwas wie das Gegenmodell zu seinem etwas unterkühlten Vorgänger Glasner sei. Van Bommel sei deutlich "nahbarer" als der Österreicher, hieß es von einigen Wolfsburger Spielern - an der wichtigsten Stelle des Klubs hat es offenbar weder Geraune noch Skepsis über die Qualitäten des Trainers gegeben.

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