Absteiger VfL WolfsburgUnd jetzt: die nächsten Millionen für den nächsten Kader

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Zahlreiche Standortvorteile ungenutzt gelassen: Die Wolfsburger Spieler nach der Niederlage im Relegantions-Rückspiel in Paderborn.
Zahlreiche Standortvorteile ungenutzt gelassen: Die Wolfsburger Spieler nach der Niederlage im Relegantions-Rückspiel in Paderborn. Swen Pförtner/dpa
  • Der VfL Wolfsburg steigt nach 29 Jahren erstmals aus der Bundesliga ab, nachdem das Team das Relegationsrückspiel gegen Paderborn mit 1:2 nach Verlängerung verlor.
  • Trainer Dieter Hecking wird den Verein wohl verlassen, nachdem er bereits zum zweiten Mal in Folge mit einem abstiegsbedrohten Team abgestiegen ist.
  • Trotz des Abstiegs ist die Finanzierung durch Volkswagen gesichert und Wolfsburg wird in der zweiten Liga den mit Abstand höchsten Etat haben.
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Nach dem Abstieg steht dem VfL Wolfsburg ein großer Umbruch bevor – wohl ohne Trainer Dieter Hecking und mit dem höchsten Etat der zweiten Liga.

Von Ulrich Hartmann und Thomas Hürner, Paderborn

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Der Fußball hatte zuletzt wenig Respekt vor den Meriten der Trainerlegende Dieter Hecking. Der 61-Jährige hatte sich vor einem Jahr bereit erklärt, dem abstiegsbedrohten VfL Bochum zu helfen – und ist aus der Bundesliga abgestiegen. In diesem Jahr erklärte er sich bereit, dem abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg zu helfen – und ist aus der Bundesliga abgestiegen. „Jeder Abstieg tut weh“, sagte Hecking Montagnacht in Paderborn, nachdem Wolfsburg das Relegationsrückspiel in der Verlängerung mit 1:2 verloren hatte. Hecking relativierte seinen Anteil an dem Wolfsburger Drama allerdings: „Ich war ja nur zehn Wochen dabei.“

Als alter Hase weiß Hecking, dass im Fußball kleine Dummheiten fatale Auswirkungen haben können. So wie jene in der 11. und 14. Minute, als der Wolfsburger Flügelspieler Joakim Maehle mit dem Wegschieben des Balls erst einen Tumult auslöste und kurz darauf ein grobes Foul beging. Für beide Aktionen sah er Gelb, wurde des Feldes verwiesen, ließ seine Mannschaft bei 1:0-Führung in Unterzahl zurück und musste mitansehen, wie Wolfsburg 105 Minuten lang kein Bein mehr auf den Rasen bekam. Paderborn gewann 2:1 nach Verlängerung und stieg in die Bundesliga auf. Wolfsburg verlor und stieg nach 29 Jahren erstmals aus der Bundesliga ab.

„Mit elf gegen elf wäre es für Paderborn deutlich schwieriger geworden, das Spiel zu gewinnen“, sagte Hecking und kritisierte den Schiedsrichter Felix Zwayer für die erste der beiden gelben Karten. Gleichwohl hätte Maehle drei Minuten später kein solches Foul begehen dürfen. „Joakim weiß, dass sein Platzverweis die entscheidende Szene war“, sagte Hecking, „aber ich möchte nicht, dass man ihn jetzt so hinstellt, als ob er der Verantwortliche für den Abstieg ist. Für den Abstieg gibt es ganz andere Gründe als diese gelb-rote Karte.“

Diese Ansicht hat Hecking in Wolfsburg nicht exklusiv. „Wenn nicht schon vorher Fehler gemacht worden wären, dann wären wir nie in diese Situation gekommen“, sagte der frühere Torwart Diego Benaglio. Der 42-Jährige ist Mitglied des VfL-Aufsichtsrats, war zuletzt aber „näher an die Mannschaft“ herangerückt, wie es im Branchenjargon gerne heißt. Nach der Entlassung des Sportchefs Peter Christiansen, der dem Klub diese Misere mit zahlreichen Fehltransfers, Fehleinschätzungen sowie fehlgeleiteter Kommunikation größtenteils eingebrockt hat, gab es in Wolfsburg eine Art Leerstelle im Organigramm zu füllen.

Es wurde beim wohlsituierten Werksklub nichts ausgelassen, um die zahlreichen Standortvorteile ungenutzt zu lassen

Benaglio tat sein Bestes, er stellte sich öffentlich, wenn es sonst keiner tat. Und den aktuellen Kadermitgliedern versuchte er zu vermitteln, dass der VfL Wolfsburg mehr als nur ein paar Fußnoten in der deutschen Fußballgeschichte hinterlassen hat: Benaglio stand bei der Meisterschaft 2009 und beim DFB-Pokalsieg 2015 im Wolfsburger Tor; zudem hatte er in einer früheren Abstiegsrelegation aus nächster Nähe miterlebt, was es heißt, wenn der VfL mit Europapokalambitionen in die Saison startet und sich auf einmal einem Abstieg entgegenstemmen muss. 2017 und 2018 war das in der Relegation zweimal gutgegangen. Diesmal nicht. Diesmal wurde beim wohlsituierten Werksklub nichts ausgelassen, um die zahlreichen Standortvorteile (Geld, ruhiges Umfeld, Beinfreiheit auf dem Wintermarkt) ungenutzt zu lassen.

Abgesehen vom Mittelfeldmann Christian Eriksen haben nur die wenigsten Transfers funktioniert. Die jungen Trainer Paul Simonis und Daniel Bauer waren überfordert, Hecking konnte sich nicht als Retter profilieren. Und der Wolfsburger Aufsichtsrat, dem unter anderem VW-Chef Oliver Blume und die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo angehören, schritt beim sorglos operierenden Sportchef Christiansen erst ein, als es schon zu spät war. Nach dem Sturz ins Unterhaus steht dem VfL nun ein Umbruch bevor: Eine Weiterbeschäftigung des Trainers Hecking dürfte ausgeschlossen sein; der während der Saison eingestellte Sportdirektor Pirmin Schwegler soll einen Sport-Geschäftsführer an die Seite gestellt bekommen; der Kader muss wohl runderneuert werden. Immerhin: Die Finanzierung vom Eigner VW ist gesichert, in der zweiten Liga dürfte der VfL den mit Abstand höchsten Etat vorweisen. Dass Geld keine Tore garantiert, wissen sie im Konzern aber spätestens seit Montag, seit dem ersten Bundesliga-Abstieg der Wolfsburger Vereinsgeschichte.

Hecking machte Montagnacht selbst nicht unbedingt den entschlossenen Eindruck, beim VfL zu bleiben. „Ich muss erst mal alles sacken lassen“, sagte er mit müdem Blick. „Wir kommen die Tage noch mal zusammen, um die vergangenen Wochen zu analysieren.“ Großen Reformierungsbedarf im Klub sieht Hecking nicht: „Die Strukturen sind vorhanden, da braucht man nichts Neues zu erfinden.“

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MeinungWolfsburgs Abstieg aus der Bundesliga
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SZ PlusKommentar von Thomas Hürner

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