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Fußball:Das sind die ersten Trends der WM

World Cup - Group B - Iran vs Spain

Schiedsrichter Andres Cunha (r.) zeigt den spanischen Spielern an, dass er den Videobeweis zu Rate zieht.

(Foto: REUTERS)

1:0-Siege

Diese WM ist im Binärcode angekommen. Von den ersten 26 Spielen endeten zehn 1:0, drei weitere 1:1. Ein Tor ist oft genug, Meister der Effizienz ist bislang Uruguay, das mit zwei 1:0-Siegen im Achtelfinale steht. Die einzige Mannschaft, die mehr tut, als sie müsste, ist Russland. Ist das ein neuer Trend? Nicht ganz, schon bei der Europameisterschaft 2016 dominierte das Einsnull den ersten Spieltag. Der Grund: Niemand will schlecht ins den Wettbewerb starten, Mannschaften dosieren das Risiko, und bei der Fifa ist im Gegensatz zu dem Uefa-Turnier das Torverhältnis und nicht der direkte Vergleich entscheidend. Teams wählen erst dann ambitioniertere Strategien, wenn die Tabelle sie dazu zwingt - wie Argentinien im zweiten Spiel nach dem 0:1-Rückstand gegen Kroatien. Dann müssen die Trainer mehr Stürmer einwechseln, die Teams werden hinten offener und fangen sich in der Schlussphase noch Gegentore.

Immerhin: Bis Freitag gab es keine einzige echte Nullnummer. Rechnet man die Elfmeter mit ein, fielen 24 der ersten 51 WM-Tore nach Standard-Situationen. Ein unglaublicher Wert von fast 50 Prozent. Zum Vergleich: In der vergangenen Bundesliga-Saison fielen nur knapp 32 Prozent aller Treffer nach Ecken, Freistößen oder Elfmetern. Schon bei der WM in Brasilien war der Erfolg nach ruhendem Ball auffällig, damals erklärten es Joachim Löw und sein Team mit den klimatischen Verhältnissen. Wer in der Hitze nicht so viel laufen kann, der muss eben anders zum Torerfolg kommen. Das klang schlüssig. Nun ist der russische Sommer auch nicht gerade kühl - aber doch weit entfernt von der Schwüle Brasiliens. Eine Erklärung für die Flut? Standard-Situationen sind einfach zu trainieren, und als Nationalmannschaft hat man nicht so viele Trainingseinheiten wie eine Vereinsmannschaft. Man bekommt also in wenig Zeit relativ viel Ertrag. Die Schwäche dieser Erklärung: Auch das Verteidigen von Standards, ist eigentlich nicht so schwer zu trainieren. Ebenfalls ein WM-Trend: Eigentore. Aber die sind noch weniger rational zu erklären.

Kaum Comebacks

Die aufregendsten Fußballspiele sind jene, die einmal vom Bauch auf den Rücken gedreht werden, aber bei dieser WM wendet sich erst am Freitag eine Partie. Das heißt aber auch: In 25 Spielen vorher tat sich in dieser Hinsicht fast nichts, fast jede Mannschaft, die bislang in Führung ging, gewann auch das Spiel. Im Gegensatz zu den Standard-Toren kann man diese Beobachtung aber mit einer Eigenart des modernen Fußballs erklären, die lautet: Verteidigen ist einfacher als angreifen. Mit dem Ball zu spielen, ist schwerer als ohne Ball; und sobald eine Mannschaft führt und sich auf das Verschieben ihrer Abwehrketten konzentrieren kann, fällt es Nationalteams, die per Definition weniger eingespielt sind als Vereinsmannschaften, schwer, da durchzuspielen. Selbst die Edeltechniker aus Spanien hatten Probleme, durch die iranische Mauer zu kommen.