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Fußball-WM:Traumata, die nie vergehen

England überwindet seinen Elfer-Fluch, doch es gibt viele weitere auf ewig verschreckte WM-Teilnehmer: Hadernde Holländer, von Italienern geplagte Deutsche und - in gleich doppelter Hinsicht - die Brasilianer.

8 Bilder

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Quelle: AP

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Brasilien

Die Mutter aller Fußball-Traumata ist vermutlich das sogenannte Maracanaço von 1950 - jene fatale Final-Niederlage der Brasilianer gegen Uruguay, die unter Landsleuten heute wahlweise als "brasilianisches Hiroshima" oder "größte Tragödie der Neuzeit" benannt wird. Torwart Barbosa sagte über die 1:2-Niederlage vor 200 000 Zuschauern im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro später: "Die Höchststrafe für Mord beträgt 20 Jahre, aber ich habe lebenslänglich." Der Legende nach lud er seine Mitspieler einige Wochen später zur Traumabewältigung auf ein Grillfest ein - als Holz für das Feuer dienten die Pfosten der Tore aus dem Maracana.

(fel)

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Quelle: AP

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Ungarn

Vier ganze Jahre lang blieben die Ungarn in den Fünfzigern unbesiegt, das entscheidende Spiel verloren sie aber im Regen von Bern. Von 1950 bis 1954 dominierte die "Goldene Elf" um den Alleskönner Ferenc Puskás den internationalen Fußball. Mit grandiosen Einzelspielern und einer revolutionären Taktik wurden alle anderen Nationalmannschaften weggespielt. Die Ungarn waren die erste Mannschaft vom Kontinent, die England zuhause besiegte, mit einem 6:3 im Wembleystadion. Nach dem Olympiasieg 1952 war die Krönung bei der WM 1954 eigentlich beschlossene Sache - besonders nach dem 8:3 gegen die Deutschen in der Vorrunde erwarteten viele den ungarischen WM-Titel. Fritz-Walter-Wetter und der Schuss von Helmut Rahn verhinderten das - für die einen ein Wunder, für die anderen ein nationales Trauma.

(fdi)

WM 2006 - Schweiz - Südkorea

Quelle: dpa

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Schweiz

Bei der WM 2006 schaffen die Schweizer gleich zwei Premieren der WM-Geschichte. Als erstes Team lassen sie bei all ihren Auftritten in Deutschland in der gesamten regulären Spielzeit kein Gegentor zu und scheiden trotzdem im Achtelfinale aus. Im Spiel gegen die Ukraine steht es nach der Verlängerung 0:0. Die Schweizer verlieren das Elfmeterschießen, weil die Feldspieler bei keinem einzigen Versuch treffen - auch das eine Novität. Bei der WM 2014 und bei der EM 2016 fliegen die Schweizer ebenfalls im Achtelfinale raus, bei der Europameisterschaft wieder im Elfmeterschießen gegen Polen. Der Fluch, es generell in K.o.-Spielen nie zu packen, er begleitet die Alpenländer auch bei der aktuellen WM: Im Achtelfinale gegen Schweden verlor man 0:1.

(fdi)

Uruguay's Luis Suarez saves the ball with his hands during a 2010 World Cup quarter-final soccer match at Soccer City stadium

Quelle: rtr

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Ghana

Es schien alles bereitet für den größten Moment der afrikanischen Fußball-Geschichte. In der Nachspielzeit der Verlängerung im Viertelfinale der WM 2010 zwischen Ghana und Uruguay war der Torwart der Südamerikaner geschlagen, Dominic Adiyiah musste nur noch aus kurzer Distanz den Abpraller einköpfen - doch dann kam Luis Suarez und patschte den Ball aus dem Tor. Den fälligen Elfmeter verschoss Asamoah Gyan und weil der Fußballgott ein gefühlsloser Zyniker ist, gewann Uruguay auch das Elfmeterschießen. Bis heute ist in der WM-Geschichte somit keine afrikanische Nation über das Viertelfinale hinausgekommen.

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Quelle: AFP

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Mexiko

Siebenmal in Serie das WM-Aus im Achtelfinale - die schmerzhafte Realität der fußballverrückten Mexikaner im Jahre 2018. Gegen Brasilien kann man natürlich mal verlieren, gegen Argentinien (2006 und 2010) und Deutschland (1998) auch, allerdings sollte es dann wenigstens gegen die USA (2002) und Bulgarien (1994) mit dem Viertelfinale klappen - für El Tri keine stimmige Gleichung. Mexiko macht jetzt immerhin das einzig Richtige gegen den Achtelfinalfluch, sie holen die WM 2026 ins eigene Land - wo man 1986 die zweite Runde überstand.

(dsz)

Italy coach Lippi, Italy's Buffon and Camoranesi celebrate near Germany's Ballack after their World Cup 2006 semi-final soccer match in Dortmund

Quelle: REUTERS

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Deutschland

Das Google-Wörterbuch definiert Trauma als eine "starke psychische Erschütterung, die noch lange wirksam ist". Insofern kann man den Deutschen durchaus ein Italien-Trauma attestieren, schließlich ist die Erschütterung aus dem Jahrhundertspiel von 1970 noch bis heute wirksam. Auf die legendäre 3:4-Niederlage im Halbfinale der WM in Mexiko folgen die Final-Niederlage 1982 und das bittere 0:2-Halbfinale bei der Heim-WM 2006 (im Bild Michael Ballack). Einziger Lichtblick: Die EM-Historie, die abgesehen vom oberkörperfreien Balotelli 2012 ganz gut aussieht. 1996 pariert Andreas Köpke die Männer in schwarz-weiß zu einem 0:0 und 2016 sind zwar ganze 18 Elfmeter von Nöten, aber dann steht der erste deutsche Sieg bei einem Großturnier. In der regulären Spielzeit können die Deutschen aber immer noch nicht gewinnen.

(dsz)

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Quelle: imago sportfotodienst

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Niederlande

Arjen Robben wird nach eigener Aussage noch immer heimgesucht von dieser einen Szene, mit der er das historische Trauma der niederländischen WM-Geschichte hätte beheben können. Alleine vor Iker Casillas, im WM-Finale von 2010, die größte Chance des gesamten Spiels - doch Robben vergab und die Niederlande scheiterten. Das dritte Kapitel der traurigen Finalgeschichte der Oranje, die ersten zwei hatte die Jahrhundertgeneration um Johan Cruyff in den knapp verlorenen Endspielen von 1974 (im Bild) und 1978 geschrieben.

(fel)

(FILE) A Look Back At The Biggest Sports Upsets

Quelle: Buda Mendes/Getty

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Brasilien

Und noch so ein Trauma. Aus Respekt vor Brasilien ohne Worte.

© SZ.de/jbe/dsz
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