WM-TorschützenkönigeSie wussten, wo das Tor steht

Ein Tscheche mit Glasknochen, ein Brasilianer verärgerte die Mütter seines Landes, ein Deutscher wäre fast in der Bezirksliga gelandet.

1930 Uruguay, Guillermo Stábile (Argentinien), 8 Tore

Acht Tore in vier Spielen - so einen Schnitt von zwei Toren pro Spiel wird wohl nie mehr ein Torjäger bei einem WM-Turnier erreichen. Guillermo Stábile, Jahrgang 1906, hatte seinen Klub Huracán 1928 mit 28 Toren zur argentinischen Meisterschaft geschossen. Zur WM 1930 reiste der klein gewachsene, aber ungemein wendige Mittelstürmer ursprünglich nur als Ersatz für den Kollegen Roberto Cherro von Boca Juniors an; er war noch ohne jeglichen Länderspiel-Einsatz. Doch Stábile eroberte sich schon im zweiten Spiel seinen Stammplatz, beim 6:3 gegen Mexiko traf er dreimal. Mit seinen acht Treffern - sein letzter brachte die Argentinier im Finale gegen Uruguay sogar 2:1 in Führung - wurde er zum argentinischen Volkshelden, obwohl das Endspiel 2:4 verloren ging.

Nach dem Turnier zog es ihn nach Europa. Er stürmte in Italien für den FC Genua - schon im ersten Spiel gelangen ihm drei Tore - und den SSC Neapel, später auch für Red Star Paris. Zurück in der Heimat, schlug er die Trainerlaufbahn ein und gewann mit Racing Club Buenos Aires dreimal nacheinander die Meisterschaft. Die argentinische Nationalmannschaft trainierte er von 1939 bis 1960 - kein anderer Argentinier hielt sich so lange im Amt.

Sechsmal (1941, 1945, 1946, 1947, 1955, 1957) gewann er mit Argentinien die Südamerika-Meisterschaft (Copa América), doch sein Traum vom Gewinn des WM-Titels sollte sich nicht erfüllen. 1958 schied sein Team in der Vorrunden-Gruppe mit Deutschland aus. Sein Ruhm gründete sich nicht nur auf den Sport, sondern auch auf seine Liebe zum Tango; er war in einem Tango-Viertel von Buenos Aires geboren worden. Zudem hatte Stábile nicht nur im Fußball, sondern auch als Geschäftsmann große Erfolge. Ganz Argentinien trauerte, nachdem Stábile 1966 einem Herzinfarkt erlegen war.

Foto: afp

20. Mai 2010, 15:292010-05-20 15:29:00 © Aus SZ-WM-Bibliothek