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WM-Qualifikation:"Ich hatte Gänsehaut, als die Zuschauer seinen Namen gerufen haben"

"Dass es für mich heute so ausging, habe ich nicht erwartet", sagte Werner anschließend leise. Er tritt noch etwas schüchtern auf, wenn er spricht. Und diesmal erlebte er Dinge "wie früher", als er mit 17 seine ersten Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart machte. So drückte er es zumindest aus, als er auf den Lärm und die "Timo-Werner-Rufe" zu sprechen kam, die schon in der 17. Minute begonnen hatten, nachdem er in der eigenen Hälfte mit einer astreinen Grätsche einen Ball erobert hatte. Immer lauter und länger hallte sein Name aus der Cannstatter Kurve, wo sonst die treuesten Fans des VfB stehen. "Das war herzlich", fand Werner. Wie die Zuschauer auf ihn reagieren könnten, das war ja eine große Frage gewesen vor dem Spiel. Er habe vorher nicht darüber nachgedacht, behauptete Werner.

Seine Aufstellung als einzige Spitze vor einer flexiblen Dreierkette mit Mesut Özil, Julian Draxler und Thomas Müller werteten einige als starkes Zeichen dafür, dass Joachim Löw Werner nach dem Confed Cup und den ersten Bundesliga-Wochen zum derzeit besten deutschen Stürmer erhoben hat, natürlich ohne, dass er es so gesagt hätte. Löw will öffentlich von Rangfolgen nichts wissen, obwohl Werner in acht Länderspielen schon sechsmal getroffen hat. Auch Werner selbst geht nicht davon aus, dass er nun als Nummer eins im Sturm gesetzt sei.

Für einen anderen Experten ist die Sachlage aber eindeutig. "Timo wird in den nächsten zehn Jahren den Sturm in Deutschland dominieren, vielleicht sogar in Europa." Der Experte heißt Mario Gomez und er muss es wissen, er erlebt ihn aus nächster Nähe. Der Wolfsburger Angreifer durfte gegen Norwegen für Werner noch ein paar Minuten ran. Er applaudierte vor dessen Auswechslung, lang und ausdauernd. Und das war nicht nur pure Höflichkeit, die Gomez zu dieser erstaunlichen Geste bewog, sondern ehrliche Anteilnahme. "Ich hatte Gänsehaut, als die Zuschauer seinen Namen gerufen haben", gab Gomez zu. Er hat sich damit arrangiert, dass Timo Werner ihn sportlich abgehängt hat. Um Weltmeister zu werden, "brauchen wir ihn", sagte Gomez.

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