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WM-Qualifikation:Spanien gegen Italien - zwei Teams spielen um ihre Zukunft

"Abgelöscht": Italiens 2:0 im EM-Achtelfinale von Paris (hier Pelles Treffer gegen David de Gea) legte Spaniens Renovierungsbedarf offen.

(Foto: AP)

Im Spitzenspiel der WM-Qualifikation geht es vielleicht um alles - weil sich auch in Gruppe G nur der Tabellenerste direkt für Russland 2018 qualifiziert.

Man sieht Giampiero Ventura die reißende Begierde, die offenbar in ihm wohnt, nicht auf Anhieb an. Der neue Coach der italienischen Nationalmannschaft gehört eher zur Kategorie der stillen Leider: Arme verschränkt, verkniffene Leidenschaft. Vor der Presse ist er ständig bemüht, mit tiefer, rauer Stimme alle Dramatik aus dem Spiel zu nehmen, alle Polemik zu relativieren. Der 68-jährige Norditaliener hat schon viel erlebt in seiner langen, nicht sehr glanzvollen Karriere in der Fußball-Provinz. Aber es gibt da diese Geschichte mit der Begierde.

Ventura sagte einmal, für ihn sei das Trainieren einer Mannschaft "pure Lust". Gemeint war jene Art Lust, die man sonst nur bei intensiver, intimer Zwischenmenschlichkeit spürt. Seither hängt ihm der Übername "Mister Libido" an - wie ein Kontrast. Denn als Ventura vor einigen Monaten zum Nachfolger des vulkanischen Antonio Conte berufen wurde, hielt sich die Erregung im Publikum in sehr engen Grenzen.

Wenn Italien nun an diesem Donnerstag in Turin gegen Spanien das Spitzenspiel in der WM-Qualifikation austrägt, eine Art Clasíco Südeuropas, geht es schon um viel. Vielleicht sogar um alles, weil sich auch in der Gruppe G nur der Tabellenerste direkt für Russland 2018 qualifiziert. Der Druck gilt für beide Teams, für beide Trainer. Auch Spanien versucht gerade, sich mit einem neuen Coach zurechtzufinden.

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"Spanien war, bei allem Respekt, ein abgelöschtes Team"

Wobei dem Basken Julen Lopetegui, der auf Vicente del Bosque folgte, die Aufgabe zufällt, die erfolgreichste Nationalmannschaft der letzten Dekade weiterzuentwickeln, einen Generationenwechsel einzuleiten, eine markante Spielidee ein bisschen zu revolutionieren - "Tiki-taka 2.0" heißt das Schlagwort, Ballbesitz mit mehr vertikalen Momenten. Die Gegner sollen Spanien nicht mehr durchschauen können, wie sie das zuletzt so leicht konnten.

Besonders eklatant war das ausgerechnet gegen Italien, Ende Juni in Paris, im Achtelfinale der EM. Die Azzurri standen hoch, verwandelten das Mittelfeld in einen Schwitzkasten, ließen den Spaniern weder Luft noch Raum und gewannen verdient 2:0. Als man Ventura an diesen Sieg erinnerte, der wohl nicht unwesentlich der Motivationskraft und der taktischen List seines Amtsvorgängers Conte geschuldet war, sagte er nun, der Vergleich sei nicht statthaft: "Spanien war, bei allem Respekt, ein abgelöschtes Team."

Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass der energische Lopetegui die Abgelöschten zu wecken vermag, dass er dem Spiel neuen Schwung beimischt. Der Personalwechsel ist bereits im Gang. Im Aufgebot stehen mittlerweile acht Profis, die 2013 U21-Europameister geworden waren - unter Lopetegui, der damals Nachwuchstrainer war. Dabei sind unter anderen: Koke, Isco, Alvaro Morata, Thiago Alcántara, Dani Carvajal. Nicht alle sind gesetzt, doch alle drängen mächtig nach.