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WM-Qualifikation:"Niemand kann dieses Team aufhalten"

Michael O'Neill wirkte ehrlich erleichtert. Wie einer, der in einen Wirbelsturm geraten war und doch nur ein paar Kratzer abbekommen hatte. Also lächelte Nordirlands Trainer, als er nach der Dominanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gefragt wurde. Alles halb so wild, so sehr schmerze ihn die Niederlage gar nicht, erklärte O'Neill. Denn: "Ich bezweifle, dass es weltweit eine Mannschaft gibt, die dieses Team aufhalten kann."

O'Neill hat nach dem 0:2 der Nordiren am Dienstagabend in Hannover ein paar grundehrliche Sätze gesagt, die erahnen lassen, wie es sich anfühlt, gegen dieses DFB-Team anzutreten. "Wir wollten bloß nicht zu hoch verlieren", war einer davon. Oder: "In der zweiten Halbzeit haben wir nur noch Schadensbegrenzung betrieben." Derart knappen Kampfgeist nahm ihm keiner der anwesenden Nordiren übel. Jeder hatte gesehen, dass der Trainer recht hatte.

WM-Qualifikation

Gündoğan zaubert auch ohne Ball

Drei Spiele hat das deutsche Team in der Qualifikation für die WM-Endrunde 2018 in Russland absolviert, dabei drei Siege eingefahren, 8:0 Tore erspielt. Dreimal hatte der Gegner nicht den Hauch einer Chance. So auch die Nordiren, die in Hannover nur mit viel Glück nicht völlig untergingen. Julian Draxler (13.) und Sami Khedira (17.) erzielten früh die einzigen Tore des Abends. Die Nordiren hätten aber auch vier, fünf oder sechs kassieren können, wenn die Deutschen etwas besser gezielt hätten.

Wie schon vier Tage zuvor gegen die Tschechen hatte das DFB-Team vom Anpfiff weg sein erdrückendes Kombinationsspiel aufgezogen. Der Ball kreiselte rasant um die überforderten Gegenspieler herum, bis er gefährlich in die Spitze gespielt wurde. Über Draxler, den Torschützen, aber auch über die nimmermüden Sami Khedira und Jérôme Boateng, die in Ermangelung defensiver Aufgaben mitstürmten.

Und natürlich über Toni Kroos, über den O'Neill auch so einen Satz sagte, der tief blicken ließ: Der Plan der Nordiren sei gar nicht gewesen, Kroos aus dem Spiel zu nehmen, vielmehr ging es darum, ihm mit einem ultradefensiven 5-4-1-System wenigstens den Spaß zu rauben. "Wir wollten ihn irgendwie ruhig halten", sagte O'Neill und zuckte mit den Schultern. Hatte halt nicht geklappt.

Kollege Joachim Löw gab sich hingegen rundum zufrieden, wie auch sonst. Klar, seine Mannschaft hätte nach der frühen Zwei-Tore-Führung das ein oder andere Tor nachlegen müssen, doch der Bundestrainer respektierte, dass sie bis zum letzten Moment der Nachspielzeit auf den dritten Treffer gedrängt hatte. Für den Bundestrainer zählte vor allem die Art und Weise, wie seine Mannschaft aufgetreten war. Souverän nämlich, ballsicher und drückend überlegen. "Wir haben eine unglaubliche Dominanz erreicht", sagte Löw zum Abschluss der oktoberlichen Länderspielwoche mit zwei Spielen in vier Tagen. Mit diesem guten Gefühl kann er seine Spieler wieder zu ihren Klubs entlassen.

Diese sahen das ähnlich. "Jeder weiß, was zu tun ist. Das macht einfach Spaß", erklärte Mario Götze. "Die Ergebnisse in der Quali sprechen für uns, die Art und Weise auch, so können wir auf jeden Fall weitermachen", befand auch Thomas Müller. Dass das Ergebnis nicht höher ausfiel, dafür hatte er eine simple Erklärung: Die Nordiren hätten nicht nachgelassen, ihre Ordnung beibehalten, mit "Mann und Maus" verteidigt. Schließlich habe man sich mit dem Ergebnis "arrangiert".

So wirkt es nach drei Spielen und etlichen Punktverlusten bei den Konkurrenten, als stünde die DFB-Elf bereits als Gruppensieger fest. Die durchaus berechtigte Frage, ob die kommenden Spiele gegen San Marino (im November) sowie Aserbaidschan (März) noch echte Prüfsteine werden, beantwortete Löw allerdings energisch. In der vergangenen EM-Qualifikation habe es einige Spiele gegeben, in der die Mannschaft instabil wirkte, nicht voll bei der Sache war. Da gab es sogar zwei Niederlagen, gegen Polen und Irland, die dem Bundestrainer bis heute nachhängen.

"Wir wollen diese Quali gnadenlos durchziehen", sagte Löw deshalb. Um sicherzugehen, dass ihn jeder verstanden hatte, wiederholte er den Satz, ersetzte dabei nur das Wörtchen "gnadenlos" durch "rigoros". Bei solchen Aussichten dürfte Michael O'Neill einfach nur froh sein, dass seine Mannschaft in dieser Qualifikation lediglich zweimal gegen das DFB-Team antreten muss - und Teil eins des Martyriums überstanden ist.

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