Es ist kein Geheimnis, dass Dennis Schröder zu außergewöhnlichen Leistungen in der Lage ist – besonders wenn er sich wohlfühlt. Dass dies in den vergangenen Tagen in seiner Funktion als Nationalspieler der Fall war, konnte man besonders in Bamberg beobachten. Die Familie des Basketball-Profis saß in der ersten Reihe, da war in der Pause sogar kurz Zeit, um kleine Zärtlichkeiten auszutauschen. Sein Beruf steht an solchen Abenden dennoch an erster Stelle, den erledigte der 32-Jährige einmal mehr vorbildlich. Schröder führte die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds (DBB) zu Siegen gegen Israel und Zypern. Die Partie gegen die Israelis wurde wegen der politischen Lage in der lettischen Hauptstadt Riga mit großen Sicherheitsvorkehrungen und vor ausgesuchter Kulisse mit 92:86 gewonnen. Am Montagabend war Außenseiter Zypern in Bamberg beim 111:79-Erfolg des Welt- und Europameister wie erwartet kein ernst zu nehmender Gegner.
Es sind immer wieder die gleichen Probleme, mit denen Bundestrainer Alex Mumbru zu kämpfen hat, in diesen ersten Zeitfenstern der Qualifikationsrunden für Großturniere. Die wichtigsten Spieler gehen in Übersee ihrer Arbeit nach, die NBA-Saison ist zwar gespielt, aber die Protagonisten haben eine brutal fordernde Saison in den Beinen. Das gilt auch für die Akteure, die mit ihren Vereinen in der nicht wesentlich weniger anspruchsvollen Euroleague spielen. Daher muss der Bundestrainer Jahr für Jahr improvisieren, hat Spiel für Spiel wechselnde Teams zur Verfügung. Was für die gesetzten Akteure eine wichtige Pause ist, um wieder zu Kräften zu kommen, ist für die zweite Garde eine willkommene Gelegenheit, sich zu empfehlen.
Eigentlich reichlich Arbeit für Mumbru, der offensichtlich dennoch nicht ganz ausgelastet war. Denn das DBB-Präsidium hat seinem Wunsch entsprochen, neben der Tätigkeit für das deutsche Nationalteam auch einen Verein zu trainieren: Mumbru wird kommende Saison den italienischen Euroleague-Klub Bologna verantworten, eine Doppelfunktion, die zwar bei den meisten Spitzenverbänden Usus ist, beim DBB aber bisher ein Ausschlusskriterium war. So musste Weltmeistertrainer Gordon Herbert 2024 beim Nationalteam seinen Hut nehmen, um beim FC Bayern München anzuheuern. Denn nach bisheriger Überzeugung habe allein die Streuung der Nationalspieler über ganz Europa und Übersee eine Vollzeitstelle erfordert. Der Paradigmenwechsel dürfte auch mit dem neuen Vizepräsidenten Mithat Demirel zu tun haben, der nach dem Verzicht von Armin Andres fortan für das Nationalteam zuständig ist.
Bundestrainer Mumbru wird kommende Saison neben dem Nationalteam auch den Euroleague-Klub Bologna trainieren
Für diesen neuen Weg spricht auch die Tatsache, dass Mumbru erst 47 Jahre alt ist, also 20 Jahre jünger als Vorgänger Herbert. Der Spanier dürfte auch angesichts der immer näher rückenden NBA Europe ein Interesse haben, sich diesbezüglich zu positionieren. Mumbrus Vertrag mit dem DBB läuft 2026 aus, beinhaltet aber eine Option für die WM 2027 und die Olympischen Spiele 2028, die der Spanier wohl erfüllen dürfte. Zumal der Startplan der NBA Europe, der für die Saison 2027/28 anberaumt ist, wohl kaum einzuhalten ist.
Vorerst gilt es indes, die Zulassung für die Welttitelkämpfe im kommenden Jahr zu erledigen. Und hier gab es in den beiden vergangenen Spielen einige bemerkenswerte Entwicklungen zu beobachten. Womit nicht einmal gemeint ist, dass der Anführer höchstselbst zu dieser frühen Qualifikationsphase für die Weltmeisterschaft 2027 in Katar zur Verfügung stand. Schröder gab seinen Worten, dass er zusammen mit dem DBB „etwas aufbauen will“, weiter Gewicht, denn er ist derjenige, der als Motivator und Vorbild für die Nachwuchsakteure unersetzlich ist. Was nicht nur damit zu tun hat, dass der gebürtige Braunschweiger in beiden Partien mit jeweils 20 Punkten Topscorer war. Schröder hat erkannt, dass sich in diesem Bereich einiges tut. In Sananda Fru, 22, Simonas Lukosius, 23, und Michael Rataj, 22, debütierten drei weitere Nachwuchsspieler im Nationalteam, Fru ist eines der vielen Talente, die sich einem College in den USA angeschlossen haben. Lukosias wechselte nach dem College zu Rytas Vilnius und wurde mit dem litauischen Topklub Champions-League-Sieger. Und Rataj war Teil des jungen Berliner Teams, das gerade die deutsche Meisterschaft gewonnen hat.

Blickt man auf die übrigen Hochtalentierten, die an US-amerikanischen Colleges spielen, wie etwa den ehemaligen FC-Bayern-Akteur Ivan Kharchenkov, sowie die gerade von der NBA gedrafteten Jung-Nationalspieler Hannes Steinbach, Christian Anderson (beide Charlotte Hornets) und Jack Kayil (Houston Rockets), die alle erst 20 Jahre alt sind, kann der DBB recht gelassen in die Zukunft blicken. Zumal diesen Talentierten einer wie Schröder mit seiner unerschütterlichen Treue zum Nationalteam ein leuchtendes Vorbild ist.
Was er vor allem bei der Partie gegen Israel, die phasenweise etwas holprig geriet, eindrucksvoll mit einer Pausenansprache bewies. Der Routinier hat nicht nur eine mittlerweile 13 Jahre währende Karriere in der NBA vorzuweisen, er hat sich vom Glitzerboy früherer Jahre zum von Spielern, Trainern wie Funktionären anerkannten und geschätzten Kapitän entwickelt. Schröder kommuniziert mit den Mitspielern, treibt sie an, motiviert sie und geht in schweren Momenten voran.
Entsprechend klangen die Lobeshymnen, die auf Schröder gesungen wurden. Er gebe immer 100 Prozent, sobald er das Parkett betrete, sagte Bundestrainer Mumbru, gerade für die jüngeren Spieler sei es besonders wichtig „zu sehen, wie er den ganzen Abend auftritt“. Kay Bruhnke, war einer derjenigen, der mit einer feinen Leistung seine Chance ergriff, der 24-Jährige wurde bei den Bamberg Baskets ausgebildet und gewann mit Debütant Lukosias mit Vilnius die Champions League. Er erhob Schröder gar in den „Legendenstatus“.
Ende August geht es in der nächsten Qualifikationsrunde weiter, dann kommen Polen, die Niederlande und Lettland zur DBB-Auswahl, Kroatien und Israel in eine Sechsergruppe, aus der die besten drei zur WM nach Katar fliegen. Spätestens dann werden neben Schröder weitere Weltmeister mitspielen.


