WM-Pokal:Diebe schmolzen den alten Weltmeisterpokal ein

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Doch davon ist in Paderno nichts zu spüren, dafür glitzern im Showroom von GDE Bertoni die Kopien von Pokalen: der Silberpott der Champions League mit seinen Riesenhenkeln; das langstielige, blumentopfartige Gefäß der Europa League; dazu Europas Supercup, der Pokal der Afrikameisterschaft und Trophäen aus diversen anderen Sportarten - die Vitrinen sind gut gefüllt.

Die Liste der in Paderno gefertigten Trophäen kann man, wie die Vitrinen zeigen, noch lange fortsetzen, darunter gehören neuerdings ebenso Trophäen für den arabischen Raum. "Ja, das haben wir alles hier gemacht", lacht Valentina Losa hinter ihrer großen dunklen Designerbrille. Bis auf wenige - wie den mächtigen Silbertopf der Champions League, den Schweizer Künstler entwickelt haben - wurden sie sogar hier gestaltet.

Der WM-Pokal spielt natürlich die Starrolle in der Firmengeschichte von GDE Bertoni, wie auch ein Foto von Franz Beckenbauer (mit Widmung) in Siegerpose von 1974 zeigt, das zwischen den Vitrinen hängt. Liebevoll wie ein Kind nimmt die Chefin die ausgestellte Kopie kurz in den Arm. Das Original dürfen gemäß Verbandsvorschriften nur echte Fußball-Weltmeister und Staatsoberhäupter anfassen. Wenn Fifa-Mitarbeiter das Stück mit gebotener Vorsicht transportieren, müssen sie dabei Handschuhe tragen.

Als ihr Vater noch lebte, musste das Original des Weltmeisterpokals im Jahr 2005 generalüberholt werden, nachdem Teile der Malachit-Ringe brüchig und der Goldglanz stumpf geworden waren. Seitdem leuchtet er wieder wie zu alten Zeiten. Aber seitdem hat der Fußball-Weltverband auch die ursprüngliche Regel geändert, dass das Original vier Jahre lang im Besitz des amtierenden Weltmeisters bleibt, der dann anschließend eine vergoldete Kopie erhält. Jetzt wird die Trophäe zwar zur Siegerehrung überreicht, mit nach Hause nehmen die Gewinner jedoch eine Kopie, die sie behalten dürfen.

Auch die wird natürlich in Paderno im Wachsausschmelzverfahren hergestellt und elektrochemisch vergoldet. Das Original kommt derweil nach Zürich in einen Tresor und wird nur bei besonderen Gelegenheiten gezeigt. Denn der Fifa steht noch immer vor Augen, wie der Jules-Rimet-Pokal dem stolzen brasilianischen Verband abhanden kam.

Nachdem er im Vorfeld der WM 1966 in England bereits gestohlen, aber von einem Hund namens Pickles beim Gassigehen in einem Londoner Vorgarten vergraben wieder aufgestöbert wurde, kam er 1983 endgültig abhanden. Diebe schmolzen die Trophäe ein, wie sie bei der Festnahme zugaben, nachdem sie sie aus der Verbandszentrale in Rio de Janeiro geklaut hatten. An dem Ort, an dem die deutsche Fußball-Nationalelf es am Sonntag auf das neue Goldstück abgesehen hat.

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