Josko Gvardiol:Der Spieler mit der Maske

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Josko Gvardiol: Furchteinflößend: Josko Gvardiol (rechts), hier beim 0:0 gegen Belgiens Romelu Lukaku.

Furchteinflößend: Josko Gvardiol (rechts), hier beim 0:0 gegen Belgiens Romelu Lukaku.

(Foto: Chandan Khanna/AFP)

Mit nur einem Gegentor ist Kroatien ins WM-Achtelfinale gegen Japan gekommen. Das liegt nicht zuletzt am 20-jährigen Abwehrchef Josko Gvardiol von RB Leipzig. Wer ist dieser Mann?

Von Felix Haselsteiner

Sicherlich hat auch Romelu Lukaku seinen Anteil an Kroatiens hervorragender Defensivbilanz. Dreimal vergab der belgische Stürmer im finalen Gruppenspiel beste Chancen, die für Belgien zum Weiterkommen gereicht hätten - es war also nicht allein den Kroaten geschuldet, dass das Spiel 0:0 endete. Im Rückblick allerdings steht als Fazit der Gruppenphase fest: Kroatien, fünf Punkte, ein Gegentor, Achtelfinale gegen Japan am Montag. Und dank dieser Bilanz kann sich Josko Gvardiol derzeit kaum vor Lobeshymnen retten.

"Der beste Verteidiger der Welt" sei er, sagte sein Nationaltrainer Zlatko Dalic. Der Superlativ war ein wenig der Euphorie nach dem Achtelfinaleinzug geschuldet, und da Dalic eigentlich kein Mensch für solche Superlative ist, schränkte er hernach noch ein: "Wenn er jetzt noch nicht die Nummer eins sein sollte, dann wird er sie werden." Gvardiol nämlich ist erst 20 Jahre alt, was man oft vergisst bei der Karriere des Innenverteidigers, dessen Name schon seit Jahren durch Europas Fußballwelt geistert.

52 Spiele für Dinamo Zagreb hatte Gvardiol bereits mit 19 Jahren absolviert, was ihm im vergangenen Jahr eine EM-Teilnahme einbrachte und einen Transfer zu RB Leipzig. Es war eher den durchwachsenen Leipziger Saisonverläufen der vergangenen eineinhalb Jahre geschuldet, dass der junge Kroate in der Bundesliga bislang noch nicht ganz den Stellenwert erreicht hat, den man ihm in Kroatien zutraut - und der Tatsache, dass er in Leipzig öfter mal auf die Rechtsverteidiger-Position ausweichen musste.

Gvardiol bringt auch seine Stärken in der Spieleröffnung ein - so kann Trainer Dalic das Mittelfeld höher postieren

Bei der Weltmeisterschaft nun ist er mit 20 Jahren Abwehrchef in der Zentrale neben dem erfahrenen Dejan Lovren, der aus einer anderen Generation kommt und im vergangenen Jahr bei der EM die jungen Spieler im Kader noch nicht als gleichwertig ansah - diesmal allerdings gab er die Chefposition gerne an Gvardiol ab. Das könnte damit zu tun haben, dass die schwarze Gesichtsmaske, die Gvardiol nach einem Nasenbeinbruch schon das ganze Turnier über trägt, ihn besonders furchteinflößend erscheinen lässt. Es hat aber wohl auch fußballerische Gründe: Gvardiol überzeugte gegen Belgien nicht nur mit einer herausragenden Abwehrleistung (neun Klärungen), sondern auch damit, dass er seine Stärken in der Spieleröffnung einbringt.

Das wiederum eröffnet Dalic die Möglichkeit, sein Dreiermittelfeld aus Marcelo Brozovic, Luka Modric und Mateo Kovacic etwas höher zu positionieren, weshalb alle drei nicht mehr so weite Wege gehen müssen, um sich die Bälle zu holen. Kovacic gefiel diese taktische Struktur mit Gvardiol in der Abwehr so gut, dass er im Sommer bereits bei den neuen Eigentümern seines Vereins, dem FC Chelsea, dafür warb, den Leipziger zu verpflichten. Die Forderungen von knapp 90 Millionen Euro Ablösesumme schreckten Chelsea damals noch ab, im kommenden Sommer allerdings könnte es zu einem interessanten Wettbieten kommen. Eine Ausstiegsklausel nämlich gibt es offenbar nicht.

Natürlich habe er sich auch mit Kovacic über Chelsea ausgetauscht, sagte Gvardiol zu The Athletic. Im Moment sei er "glücklich in Leipzig", aber vielleicht werde er trotzdem "eines Tages dort spielen". Ähnliches hatte er vor einiger Zeit aber auch schon über Real Madrid gesagt, wo in Modric der größte Spieler des Landes beheimatet ist. "Vielleicht kann ich da auch eines Tages spielen", sagte Gvardiol damals, es schließt sich auch nicht zwingend aus bei den vielen Karrierejahren, die ihm noch bevorstehen. Zuzutrauen ist ihm vieles - in ferner Zukunft und in Katar, wo die kroatische Mannschaft, wie schon beim Turnier 2018, gefährlich unscheinbar daherkommt, trotz ihres maskierten Abwehrchefs.

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