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WM-Kader der Nationalelf:Wer soll eigentlich Tore schießen?

Das alles wird der Bundestrainer vor seiner Entscheidung bedacht haben, in den Gesprächen mit seinen Assistenten Marcus Sorg und Thomas Schneider, alle Daten hätten sie verglichen, erzählte er. Jede Position im Kader doppelt zu besetzen, die Verteidigung nicht zu vernachlässigen, variabel zu sein, das waren die Prioritäten. Doch Löw weiß auch, dass in Deutschland besonders gerne diskutiert wird, wer in einem defensivstarken, variablen und sicher wunderbar ausgewogen besetzten Team eigentlich die Tore schießen soll.

Bei der EM 2016 kassierte die DFB-Elf im ganzen Turnier nur drei Tore, aber schon in der Gruppenphase gegen Polen schoss sie keines. Im Viertelfinale gegen Italien und beim 0:2 gegen Frankreich im Halbfinale traf jeweils kein Stürmer. Beim Confed-Cup-Sieg ein Jahr später empfahl sich Timo Werner, der wohl auch in Russland von Anfang an spielen wird. Lars Stindl, Finaltorschütze 2017, ist verletzt. Auf Sandro Wagner, den vor allem Sandro Wagner als möglichen WM-Torschützen vorgeschlagen hatte, verzichtete der Bundestrainer, er traute ihm auf hohem Niveau erstaunlicherweise weniger zu als Nils Petersen, der als Knipser- und Joker-Option gedacht war. Petersen schied am Ende aus dem Kader aus, weil der Freiburger, der erst gegen Österreich in der A-Mannschaft debütiert hatte, den Rückstand auf den zweiten Stürmer Mario Gomez nicht aufholen konnte. Immerhin versammeln sich auf den offensiven Außenbahnen im Kader viele Fußballer, die auch Tore schießen können: Thomas Müller, Marco Reus, Julian Draxler und eben Brandt, den Löw vor der EM 2016 ausgemustert hatte.

Nur jener Spieler fehlt, bei dessen Einwechslung die Zuschauer am lautesten raunen, von dessen Aktionen sich die aufregendsten Highlight-Videos zusammenschneiden lassen. Ob Löw die richtige Entscheidung getroffen hat, wird sich erst im Turnier zeigen - falls es dazu kommt, dass in einem engen Spiel einer gesucht wird, der es mit drei Übersteigern versucht statt einem Querpass.

Die Ausgemusterten seien von September an wieder Nationalspieler, sagte Löw noch, natürlich auch Sané. Und dann werde er mit ihm arbeiten.

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