WM-Affäre:Franz Beckenbauer ist Zeuge - nicht Angeklagter

Warum es überhaupt 2002 zu der Millionentransaktion nach Katar kam, ist offen. Weder das Frankfurter noch das Schweizer Verfahren haben dies bisher klären können. Nach Aktenlage ist die wahrscheinlichste Variante, dass die Zahlung im Kontext eines TV-Rechtegeschäfts zu sehen ist. Die Kernperson Beckenbauer aber wird in der nächster Zeit nicht vor Gericht stehen. In der Schweiz, wo sich die Ermittlungen auch gegen ihn richteten, wurde sein Verfahren aus gesundheitlichen Gründen von dem gegen die anderen Funktionäre abgetrennt.

Im Frankfurter Verfahren ist er nur Zeuge und nicht Angeklagter, weil er mit der Abgabe der maßgeblichen Steuererklärung, die 2007 erfolgte, nichts zu tun hatte - und nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch nichts mit der unmittelbaren Umsetzung der Rückzahlung. Diese beruhe demnach auf einer Absprache von Schmidt, Zwanziger, Niersbach und Linsi.

Die Zulassung der Anklage durch das Oberlandesgericht ist eine durchaus bemerkenswerte neuerliche Volte in dieser Causa. Als die Staatsanwaltschaft im Vorjahr ihre Anklageschrift vorlegte, lehnte das Landgericht die Eröffnung des Hauptverfahrens noch ab. Das Argument: Aus Akte und Anklageschrift gehe hervor, dass die 6,7-Millionen-Zahlung im April 2005 eine Honorierung des offiziell ehrenamtlich tätigen OK-Chefs Beckenbauer gewesen sei. Das sei zwar ein anderer Grund als der im Überweisungsbetreff vermerkte, aber es sei, und nur darauf kommt es aus steuerrechtlicher Sicht an, auch eine absetzbare Betriebsausgabe. Die Staatsanwaltschaft verwahrte sich gegen diese Interpretation ihrer Anklageschrift und legte in der Berufung einen Schriftsatz mit veränderter Argumentation vor. Nun heißt es beim OLG: Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Entlohnung Beckenbauers der Zahlungsgrund gewesen sei.

Und die Zahlung sei nicht betrieblich veranlasst. Die ehemaligen Funktionäre (und auch der DFB) brachten in den vergangenen Monaten verschiedene Gründe vor, warum die Zahlung als Betriebsausgabe zu sehen sei. Zudem gibt es von ihnen noch ein kompliziertes formales Argument, das, grob zusammengefasst, so lautet: Falls eine Steuerhinterziehung vorlag, dann nicht 2006, sondern 2005, also dem Jahr der 6,7-Millionen-Überweisung. Doch eine etwaige Steuerhinterziehung 2005 wäre schon verjährt.

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