WM-Affäre:Täuschungsmanöver "am Hochreck"

Niersbach und Hans trafen sich kurz darauf vor dem Champions-League-Finale in Berlin. Niersbach soll Hans den Auftrag gegeben haben, der Sache mal nachzugehen. Hans solle aber keine weiteren Personen einbinden, der Kreis solle klein bleiben. Am 9. Juni 2015 fand dann ein Treffen der WM-Veteranen Niersbach, Radmann, Beckenbauer und Horst R. Schmidt in Egelsbach statt.

Zu diesem Zeitpunkt, so Niersbach bei Freshfields, seien ihm klar geworden, "da gibt's etwas im Zusammenhang" mit einem Fifa-Zuschuss zu WM. Auch habe Hans schon Unterlagen aus dem Archiv geholt und von einem Täuschungsmanöver "am Hochreck" gesprochen. Am 11. Juni sollen dann Hans und Sandrock nach einem Länderspiel in Köln Niersbach nahegelegt haben, den Vorgang dem DFB-Präsidium offenzulegen. Niersbach widersprach, wie er bei Freshfields erklärte. Er habe den Sachverhalt erst aufklären wollen.

Im Juli und August 2015 folgte ein weiteres Treffen von Niersbach mit Beckenbauer&Co. Beckenbauer soll den schönen Satz gesagt haben: "Wenn man von der Fifa was bekommt, muss man was geben." Aber das Präsidium des DFB wurde immer noch nicht eingeweiht.

Die Sommerferien und der Tod von Beckenbauers Sohn Stephan, der am 31. Juli 2015 starb, seien dazwischen gekommen, erzählte Niersbach bei seiner Freshfields-Vernehmung. Deshalb habe man die alten Vorgänge nicht abschließend klären und die DFB-Gremien auch nicht unterrichten können. Erst am 16. Oktober 2015, als der Spiegel die Millionen-Schieberei enthüllte, offenbarte sich Niersbach dem Präsidium.

Ihm gehören führende Vertreter der Bundesliga und der Landesverbände an, und auch Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft. Wäre das DFB-Präsidium schon im Juni 2015 ins Bild gesetzt worden, dann hätte es damals bereits keine Chance mehr gegeben, die Millionen-Schieberei weiter zu verheimlichen. Niersbach will sich nach Angaben seiner Anwältin zu alledem öffentlich nicht äußern. Er habe dem DFB und Freshfields im Hinblick auf die noch laufenden Untersuchungen Vertraulichkeit zugesagt und wolle sich daran halten.

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