WM-Affäre Anklage gegen Niersbach und Zwanziger wegen Steuerhinterziehung

  • Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat Anklage wegen schwerer Steuerhinterziehung gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger erhoben. Auch der DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt muss sich verantworten.
  • Es geht um die Frage, ob die WM 2006 in Deutschland gekauft war.
  • Das Finanzamt Frankfurt/Main hatte bereits Ende Oktober 2017 entschieden, dass eine Zahlung von 6,7 Millionen vom DFB an den ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus steuerlich "unzutreffend" behandelt worden ist - und verhängte eine Strafzahlung in Höhe von 19,2 Millionen Euro.
  • Zwanziger bezeichnet die Anklage als "blinden Aktionismus".

In der Affäre um die Fußball-WM 2006 hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt die drei früheren DFB-Funktionäre Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Alle drei bestätigten am Mittwoch den Eingang einer entsprechenden Anklageschrift. Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung werfen dem Trio vor, den Fiskus bewusst getäuscht und eine falsche Steuererklärung für das WM-Jahr 2006 abgegeben zu haben. Der Deutsche Fußball-Bund musste aus diesem Grund bereits 19,2 Millionen Euro an Steuern nachzahlen. Alle drei weisen die Vorwürfe jedoch zurück.

"Diese Anklageerhebung ist blinder Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken und die "heiße Kartoffel Ermittlungsverfahren" möglichst schnell in die Verantwortung der Gerichte abzuschieben. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Veranlassung den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen", sagte der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger am Mittwoch in einer Erklärung seines Anwalts. Auch Niersbach, sein 2015 im Zuge der Affäre zurückgetretener Nachfolger an der Spitze des Verbandes, erklärte der Deutschen Presse-Agentur: "Es wird sich herausstellen, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind."

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2005 hatte der DFB unter der Führung von Zwanziger, Niersbach und Schmidt eine ominöse Summe von 6,7 Millionen Euro über ein Konto der Fifa an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurückgezahlt. Das Geld steht im Zentrum der gesamten WM-Affäre. Der 2009 gestorbene Franzose hatte diesen Betrag 2002 aus nach wie vor ungeklärtem Grund dem WM-Organisationschef Franz Beckenbauer geliehen. Zwanziger und der DFB argumentieren: Die 6,7 Millionen seien 2005 als Zuschuss zu einer WM-Gala gedacht und deshalb als Betriebsausgabe mit eindeutigem WM-Bezug auch steuerlich absetzbar gewesen. Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung sind sich jedoch sicher, dass die Zahlung bewusst verschleiert und zur Tilgung eines Privatdarlehens von Franz Beckenbauer verwendet worden sei.

Schmidt fühlt sich durch die Anklage verletzt

Erst Anfang des Monats hatte die SZ über den Abschlussbericht der Steuerfahndung berichtet, in dem die Ermittler eine Anklageerhebung gegen Zwanziger, Niersbach und Schmidt empfehlen. Zudem ist in den Unterlagen der Ermittler vermerkt, dass Beckenbauer damals für ein Darlehen gebürgt hat. Spekuliert wird über Geschäfte mit TV-Rechten. Weil er für seine Tätigkeit als Chef des WM-Organisationskomitees zumindest offiziell keine Vergütung erhalten habe, habe das OK 2005 einstimmig beschlossen, diesen Schuldbetrag auszugleichen. Beckenbauer selbst, gesundheitlich offenbar angeschlagen, schweigt seit Monaten zu den Vorgängen.

Schmidts Anwälte betonten, "es gab kein Privatdarlehen an Herrn Beckenbauer". Dies sei "eine Erfindung der Steuerfahndung, um den von Anfang an unzutreffenden Vorwurf der Steuerhinterziehung um jeden Preis aufrechterhalten zu können". Der 76-Jährige selbst fühlt sich durch die Anklage verletzt. "Die fast zweieinhalbjährigen Ermittlungen, die Durchsuchung meines Hauses und die ständige Berichterstattung über das Verfahren haben bei meiner Familie und mir Spuren hinterlassen", sagte er.

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