Ein Freistoß hätte Japan beinahe erstmals ins Viertelfinale einer Weltmeisterschaft gebracht - stattdessen führte der unmittelbar darauffolgende belgische Angriff am Montagabend zum Aus. Der eingewechselte Nacer Chadli brachte Belgien in der finalen Minute der Nachspielzeit zum zweiten Mal hintereinander in die Runde der letzten Acht der WM. 3:2 (0:0) siegten seine Belgier. Am Freitag fordern sie nun im Duell um den Einzug ins WM-Halbfinale Rekordweltmeister Brasilien. Es wäre die zweite Halbfinal-Teilnahme für Belgien nach Mexiko 1986.
"Im Fußball gibt es immer schwierige Momente. Ich habe auch nach dem 0:2 immer an unsere Chance geglaubt", sagte der frühere Wolfsburger Kevin De Bruyne. "Dass wir in der 94. Minute das 3:2 gemacht haben, zeigt, was die Mannschaft will. Wir wollen diese WM gewinnen."

Brasilien im Viertelfinale:Neymars Show und Gaunereien
In der Hitze von Samara ringt Brasilien Mexiko nieder und erreicht das Viertelfinale. Neymar ist an beiden Toren beteiligt - fällt aber auch mal wieder negativ auf. "Das ist eine Schande für den Fußball", schimpft Mexikos Trainer Juan Carlos Osorio.
Dabei sah es bisweilen so aus, als würde Japan ein Coup gelingen, überraschend gingen die Asiaten zu Beginn der zweiten Halbzeit 2:0 in Front. Bei einem Konter spielte Takashi Inui den Ball so präzise durch die gegnerische Verteidigungslinie in den Lauf seines Mitspielers Genki Haraguchi, als hätte er den Passweg zuvor berechnet. Das Zuspiel veredelte der jüngst zu Hannover gewechselte Haraguchi mit einem wuchtigen Schuss ins Tor, vorbei am belgischen Torhüter Thibaut Courtois, der sich trotz seiner fast zwei Meter an Körpergröße vergeblich nach dem Spielgerät streckte (48.). Inui erhöhte nur vier Minuten später auf 2:0.
Mit Sicherheit hätten Haraguchi und Inui, der für drei Jahre mal bei Eintracht Frankfurt angestellt war, ihre beiden Tore zu den bekanntesten Einwohnern der Pazifikinsel gemacht - wenn sie denn gereicht hätten für Japan. Stattdessen lagen die Japaner nach dem Abpfiff verstreut auf dem Platz, niedergerissen durch die Dramaturgie des Spiels. "Wir wollten gewinnen und hatten die Chance dazu. Wir wollten den Siegtreffer. Solch einen Konter hatten wir nicht erwartet", sagte Trainer Akira Nishino enttäuscht. Durch die Niederlage sind nun nach den afrikanischen Mannschaften auch alle Asiaten aus dem Turnier in Russland ausgeschieden.
Mit einem Gegenschlag, ebenfalls innerhalb von vier Minuten, verhinderte Belgien nämlich das bevorstehende Aus. Bei den Treffern durch Jan Vertonghen und dem eingewechselten Maroune Fellaini half den Favoriten ihre körperliche Überlegenheit. Dem Kopfballtor durch Vertonghen ging ein Eckball voraus (69.), Fellaini köpfte eine Flanke ins Tor (74.). Die Luftzweikämpfe kosteten den klein gewachsenen Japanern ihren Erfolg, den sie sich aufgrund ihrer cleveren Strategie eigentlich verdient gehabt hätten.

WM-Achtelfinale:Belgien besiegt Japan noch nach 0:2-Rückstand
Die Asiaten sehen im Achtelfinale der Fußball-WM schon wie der sichere Sieger aus - bis der Favorit ins Spiel findet und in der Nachspielzeit noch gewinnt - Nacer Chadli ist der Matchwinner.
Mit zehn Änderungen in der Startelf gegenüber dem fürs Weiterkommen bedeutungslos gewordenen finalen Vorrundenspiel tauschte Belgiens Trainer Roberto Martínez fast die gesamte Mannschaft aus. Erstmals bei diesem Turnier rückte der zuletzt angeschlagene Kapitän Vincent Kompany ins Zentrum der Abwehrkette, dessen Führungsstärke sich auf die Selbstsicherheit im Team übertragen sollte. In der ersten Minute war Kompany auch direkt gefordert, als er den unpräzisen Torschuss durch Japans renommierten Spielmacher Shinji Kagawa nicht verhindern konnte. Kurz darauf beförderte er gerade rechtzeitig eine Flanke aus der Gefahrenzone. Die Asiaten überraschten die spielstarken Belgier zu Beginn mit der mutigen Herangehensweise, ihre Gegenspieler schon im Spielaufbau in Empfang zu nehmen.
Statt einer sicheren Eröffnung reagierte Belgien mit einer Reihe an Fehlpässen. Auf Kevin De Bruyne hatten es die emsigen Japaner bevorzugt abgesehen, denn der Mittelfeldspieler liefert bei den Belgiern die Zuspiele zu Ausnahmedribbler Eden Hazard auf der linken Seite. Doch die Belgier spielten danach statt zu Hazard vermehrt zu Romelu Lukaku. Der 1,90 Meter große und 94 Kilogramm schwere Angreifer zog die Aufmerksamkeit gegen die kleineren Verteidiger auf sich. Nach zwei aufeinander folgenden Hereingaben gelang es Gegenspieler Maya Yoshida nur mit Mühe, vor Lukaku zur Stelle zu sein.
Der Siegtorschütze Chadli wird eingewechselt
Die Drangphase der Belgier zog das Risiko auf sich, dass die eigene Abwehr bis an die Mittellinie marschieren musste. Das machte sich Japan bei seinen vorwiegend über die Außenbahnen vorgetragenen Angriffen zunutze. Die beste Gelegenheit ergab sich unmittelbar vor der Halbzeitpause nach einem Flachschuss von Kagawa, der Torhüter Thibaut Courtois durch die Hände und Beine rutschte, ehe er den Ball mit einem Hechtsprung am Überqueren der Torlinie hindern konnte. Den Lohn für die couragierte Aufführung des Teams holten sich dann stellvertretend Haraguchi und Inui nach Wiederanpfiff mit ihren Toren ab.
Die Hoheit über das Geschehen auf dem Spielfeld gewann Belgien erst mit den Einwechslungen des pfeilschnellen Chadli - und eines weiteren Kopfballspezialisten: An den bei Manchester United aufgrund seiner Größe und seines Wuschelkopfes liebevoll "The Tree" genannten Fellaini konnte kein Japaner nur ansatzweise heranreichen, er überragte alle und zeigte dies auch in Rostow in mehreren Kopfballduellen. In der Schlussphase konnte der japanische Torhüter Eiji Kawashima mit zwei Rettungstaten nach Kopfbällen von Fellaini und Lukaku die Niederlage noch hinauszögern - gegen Chadlis Abschluss aus kurzer Distanz nach einem blitzgescheiten Konter war er aber dann chancenlos.
Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir berichtet, dass Belgien nunmehr gegen Brasilien um den erstmaligen Halbfinaleinzug spielt. Das ist falsch. Bereits 1986 in Mexiko stand Belgien im Halbfinale einer Fußballweltmeisterschaft.
