MeinungWM-Kolumne „American Football“Warum spielt Ronaldo nicht für die Saudis?

Kolumne von Jürgen Schmieder

Lesezeit: 2 Min.

Torlos im letzten WM-Test: Cristiano Ronaldo traf beim 2:1 gegen Nigeria nicht selbst, spielte aber mit - es war sein 228. Einsatz für Portugal.
Torlos im letzten WM-Test: Cristiano Ronaldo traf beim 2:1 gegen Nigeria nicht selbst, spielte aber mit - es war sein 228. Einsatz für Portugal. Armando Franca/AP Photo

Die US-Amerikaner haben viele Fragen vor dieser WM: Wer spielt warum für wen? Warum sind die Tickets so billig? Und wie kann ihre Mannschaft eigentlich nicht Weltmeister werden?

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Irgendwann hört ja jeder Spaß auf, und bei dieser Fußball-WM ist es die Frage: „Warum spielt Ronaldo nicht für die Saudis?“

Gestellt von der Nachbarin hier in Los Angeles, Sportexpertin, sie kann das Meisterteam der LA Dodgers von 1988 auswendig aufsagen. Soccer? Nicht ihr Ding, aber sie weiß, dass der World Cup diesmal in den USA stattfindet, und da hat sie jetzt ein paar Fragen. Eine davon: die mit Ronaldo und den Saudis. „Die haben doch viel Geld für ihn bezahlt!?“

Eigentlich rührend, wie falsch sie konkret liegt – und wie richtig letztlich doch beim übergreifenden Thema. Fußball und Geld.

Nein, erklärt man also geduldig, Cristiano Ronaldo spielt zwar sonst für al-Nassr, bei der WM aber für sein Heimatland Portugal. So wie Lionel Messi für Argentinien spielt, auch wenn er den Großteil seines Geldes mittlerweile von Inter Miami kriegt, außerdem von den Fifa-Sponsoren Adidas, Mastercard und Anheuser-Busch sowie von Pepsi, dem Konkurrenten des Fifa-Sponsors Coca-Cola. Und nein, Thomas Müller ist bei den Deutschen gar nicht dabei, obwohl er, auch nicht ganz gratis, in Vancouver tätig ist. Der ist jetzt im TV zu sehen, als Guru.

Es hat die Nachbarin bislang einfach nicht interessiert, dass jetzt in ihrem Land ein Fußballturnier zu Gast ist. Wie soll sie da schon alle Details durchschauen?

Nachricht eines amerikanischen Freundes zwei Tage vor dem WM-Auftakt des US-Teams, mal relativ frei übersetzt fürs bessere Verständnis: „Hey, stolze Preise, aber gut, es ist nur ein Mal WM im eigenen Land, gell? NBA-Tickets sind auch nicht mehr zu bezahlen, und ab dem Schlussviertel schenken sie da kein Bier mehr aus.“

Aber Parken kostet 250 Dollar!

Uber kostet hin und her 100, bleiben 150. 21 Dollar pro Bier inklusive Steuern und Trinkgeld: Kann ich mir sieben zimmern.“

Es ist ein fast beneidenswerter Vorteil, wenn man das alles jetzt erst herausfindet: Die Debatten um „Dynamic Pricing“, um die Geldgier der Fifa oder um 98 Dollar für eine Zugfahrt zum Stadion sind an dem Freund ebenso vorbeigegangen wie die Kuschelei von Gianni Infantino mit Donald Trump. Und was soll man sich groß über den neuen Modus mit 48 Teams echauffieren, wenn man die WM mit 32 gar nicht wirklich kennt? Jetzt erst mal drei Spiele eingrooven, Stimmung machen und ja: die Regeln kapieren …

Und das alles, wie es hier üblich ist, von viel Optimismus getragen. Nach dem engen Testspiel in Chicago gegen die Deutschen sind sich jetzt viele sicher, dass sie gewinnen können. Nicht ein Spiel! Nicht die Gruppe mit … äh, wem noch mal? Paraguay, Australien, Türkei? Nein, wir gewinnen das ganze verdammte Ding!

Man mag diesen amerikanischen Optimismus, aber jetzt ist WM, und da ist man auch nach Jahren in LA dann doch sehr deutsch. Die Nachbarin fragt ein bisschen zu selbstbewusst, ob man diese Rakete zum 1:1 des US-Kickers Antonee Robinson gesehen und deshalb jetzt ordentlich Angst vor diesen Amerikanern habe? Der werde die USA zum Triumph ballern, gar keine Frage! Beim Verabschieden merkt man also souverän an, dass sie ruhig an den WM-Triumph ihrer Landsleute glauben soll. Dass ihr neuer Liebling Robinson allerdings in London geboren wurde und für den britischen Premier-League-Klub FC Fulham tätig ist.

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