Bei der allerbesten, allerprächtigsten, allergrößten Weltmeisterschaft wird schon jetzt der Fußball der Zukunft gespielt, sagen sie sinngemäß beim Weltverband Fifa. Grund genug für eine Flucht in den Eskapismus, vom Fußball der Zukunft zurück in die Fernsehwelt der Kindheit. Muss mal sein, sonst hält man’s ja nicht aus. Das „Center for Puppetry Arts“ ist dafür die richtige Adresse, Midtown Atlanta.
Dort gibt es eine Jim-Henson-Sammlung, mit vielen Figuren aus Muppetshow und Sesamstraße. Sie stehen in Vitrinen, und von Zeit zu Zeit kommt eine Frau vom Empfang rüber und sorgt mit einem Staubwedel dafür, dass man auch alle gut sehen kann. Ernie und Bert, Grobi, Elmo, das Huhn Camilla: Im Original wirken sie noch prächtiger und größer als früher im Fernsehen. Sehr zur Freude des XXL-Fanatikers Gianni Infantino, der Fifa-Chef wird sich allerdings kaum in diese heiligen Hallen der Kindheitserinnerungen verirren.
Dabei gibt es Parallelen zwischen Sesamstraße und Fußballweltverband: etwa die ausgeprägte Zahlenversessenheit. Allerdings sind die Zahlen, die in der Sesamstraße verhandelt wurden, nach Fifa-Maßstäben viel zu klein. Von eins bis zehn – mehr brauchen Kinder nicht. „Oh Baby, zähl mal bis 9 für mich“, sang einst Graf Zahl, oberster Zahlenmeister der Sesamstraße. Bei solchen Summen würde Infantino, oberster Zahlenmeister der Fifa, nur müde lächeln. In der Sesamstraße wurden Äpfel und Fledermäuse und Kühe addiert – und wenn die Summe X erreicht war, gab es Blitz und Donner, da lachte der Graf. Bei der Fifa addieren sie Millionen, Ticketeinnahmen, Sponsorensummen, Fernsehgelder, neuerdings auch die Streams des offiziellen Fifa-Musik-Albums. Und man muss kein Gewitter erwarten, um zu wissen, dass es irgendwann kracht.
Zurück in die Kinderzeit: Zu sehen ist in der Ausstellung auch ein unvergessliches Flauschwesen namens Herry Monster, das eine 9 im Arm hält. Interessant, dass man als Kind Ziffern nicht nach dem Wert beurteilte, den sie bezeichneten, sondern nach ihrer Form. Was rund war, sah vertrauenswürdig aus. Aufs Fußballerische runtergebrochen: Eine falsche 9 hatte der Puppenbauer Jim Henson gar nicht auf der Rechnung. Der war schließlich ein ausgewiesener Philanthrop und hat gesagt – das Zitat hängt im Museum an einer Wand: „Passt aufeinander auf. Liebt alle und vergebt allen. Das Leben ist schön. Genießt es.“
Nein, so viele Parallelen zwischen der Fifa und den Muppets gibt es dann doch nicht.

