MeinungWM-Kolumne „American Football“Nagelsmann hat leider das Pech herausgefordert

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Kolumne von Claudio Catuogno, Atlanta

Lesezeit: 2 Min.

Konnte ja gar nicht gut gehen: Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine Nummer 7, Kai Havertz.
Konnte ja gar nicht gut gehen: Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine Nummer 7, Kai Havertz. Jan Woitas/dpa

Glücksforscher haben ermittelt: Der Bundestrainer hat bei der WM auf die falschen Rückennummern gesetzt. Zum Glück gibt’s Glücksforscher.

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Es ist auch deshalb zu bedauern, dass sich der DFB überstürzt von Julian Nagelsmann getrennt hat, weil man jetzt niemals von seiner Analyse des WM-Scheiterns erfahren wird. Dabei war das Warten auf die Analyse des Bundestrainers immer das Schönste an der Weltmeisterschaft.

Legendär, wie etwa Jogi „Joachim“ Löw nach suboptimal verlaufenen Turnieren im schönen Schwarzwald verschwand, mit seinem alten Mercedes-Cabrio das malerische Höllental hoch und runter cruiste – manchmal schob er noch einen Abstecher zum Titisee ein –, wie er dann im Café Melange in Freiburg ein paar Espressi schlürfte, nie ans Telefon ging, egal, wer anrief, während sie beim DFB in Frankfurt bereits beratschlagten, ob sie eine Vermisstenmeldung bei der Polizei aufgeben sollen. Aber wenn im Herbst dann das nächste Länderspiel im Kalender stand, tauchte Löw doch wieder auf, und dann wurde es spannend. Also? Die Analyse? Gut, klar, sagte Löw dann: S’war scho au irgendwie Pech dabei …

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Und damit hatte er natürlich scho au irgendwie recht. So ist das nämlich ständig im Fußball. Berühmteste Beweisführung, zurückgehend auf Jürgen „Kobra“ Wegmann, Fachmann für Fügung und Fortune: „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“

Deshalb lässt jetzt eine Untersuchung aufhorchen, die uns hier im Strom wertvoller Hinweise in unser Mailpostfach gespült wurde, „über eine Rückmeldung, ob das Thema interessant für Sie ist, würde ich mich sehr freuen“. Der Titel der Studie: „Die Glücksnummer der WM: Mit diesen Trikotnummern läuft es rund – und diese werden vom Pech verfolgt.“

Wie könnte das Thema nicht interessant für uns sein?

Im modernen Fußball wird – zum Glück! – alles ausgeleuchtet, berechnet und in Häppchen geschnitten. In diesem Fall sind die Experten, passenderweise im Auftrag eines Onlinecasinos, in besonders faszinierende Tiefen der Datenanalyse hinabsteigen, dermaßen tief, das muss man vermuten, wie es Julian Nagelsmann viel zu anstrengend gewesen wäre. „Über 4907 Spielaktionen aller Fußball-Weltmeisterschaften seit 1970“ wurden von ihnen „im Hinblick auf die Trikotnummern ausgewertet und in Glück oder Pech unterteilt“.

Spieler mit der Nummer 9 sind die Glückspilze des Fußballs

Die Frage, ob es sich bei „über 4907 Spielaktionen“ nun um 4908 handelt oder doch um eine Million, wird nicht ganz klar, die Erkenntnisse sind aber bahnbrechend: Spieler mit der Nummer 9 sind die Glückspilze des Fußballs! Ihnen gelingen deutlich mehr sogenannte „Glücks-Aktionen“, etwa Tore, als allen anderen. Vom Pech verfolgt sind hingegen Torhüter mit der Nummer 1. Bei ihnen wurden deutlich häufiger „Pech-Aktionen“ detektiert, etwa Gegentore, als bei Torhütern mit der Nummer 21.

Die Rückschlüsse liegen auf der Hand. Es war extrem fahrlässig von Nagelsmann, mit dem Toreschießen Kai Havertz (Nummer 7) oder gar Deniz Undav (Nummer 26) zu beauftragen, anstatt hier konsequent auf Jamie Leweling (Nummer 9) zu setzen. Und die Rückholaktion von Manuel Neuer erscheint ebenfalls in neuem Licht. Alexander Nübel (Nummer 21) wäre die deutlich vernünftigere Wahl gewesen.

Wer ins Tor schießt, hat Glück gehabt, wer daneben schießt, ist vom Pech verfolgt. Vielleicht ist das gemeint, wenn es jetzt häufig heißt, man müsse den Fußball wieder auf seinen Kern zurückführen. Jürgen Klopp wird klug genug sein, das zu berücksichtigen. Wenn nicht, hat der deutsche Fußball leider mal wieder Pech gehabt.

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