Kolumbien verliert gegen die SchweizGelbe Shirts, die Tränen trocknen müssen

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Traf beim Elfmeterschießen, schied aber mit Kolumbien aus: FC-Bayern-Profi Luis Díaz.
Traf beim Elfmeterschießen, schied aber mit Kolumbien aus: FC-Bayern-Profi Luis Díaz. Ethan Cairns/The Canadian Press

Nach 120 ausgeglichenen Minuten bezwingt die Schweiz Kolumbien im Elfmeterschießen – und steht zum ersten Mal seit 1954 in einem WM-Viertelfinale. Die Südamerikaner trauern ihren Chancen nach.

Von Felix Haselsteiner, Vancouver

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#FEDD00 lautet der Farbcode, den der Trikothersteller Adidas in diesem Jahr für das WM-Trikot von Kolumbiens Nationalmannschaft hernimmt, als „Impact Yellow“ wird die Farbe offiziell bezeichnet. Das ist eine leichte Abweichung vom Farbton „Pollen“ oder auch „Candlelight“ (#FCD116), dem traditionellen Gelb, das auch in der kolumbianischen Nationalflagge zu sehen ist. Für das ungeübte Auge ist der Unterschied kaum wahrnehmbar: Gelb funktioniert als Signalfarbe, schafft Identifikation. Für Kolumbianerinnen und Kolumbianer bei dieser WM sogar in drei Ländern.

Nach den Stationen Guadalajara, Mexiko-Stadt, Miami und Kansas City trat Kolumbiens Nationalmannschaft am Dienstag zum Achtelfinale in Vancouver an. Als erste und einzige Mannschaft des Turniers hatten die Kolumbianer damit das Kunststück vollbracht, einmal in alle drei Co-Gastgeber zu reisen. Und überall hatten sie Heimspiele: Das gelbe Gewand, es war überall zu sehen, auch in Vancouver, wo sich Tausende begeisterte Menschen vor dem kolumbianischen Teamhotel versammelten. Und später auch das Stadion mit seinen roten Sitzen in ein gelbes Epizentrum verwandelten.

Allein: Es sollte die letzte Station einer ausufernden Reise werden, auch wenn sie in Vancouver noch einmal Überlänge bekam. 120 Minuten lang duellierten sich die Schweiz und Kolumbien. Danach stand es immer noch 0:0, bis zu einem Elfmeterschießen, in dem die Schweiz ins Viertelfinale gegen Argentinien einzog.

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Zum dritten Mal hintereinander spielte die Mannschaft von Trainer Murat Yakin an Kanadas Westküste, nacheinander hatte sie Kanada und Algerien trotz (teils deutlicher) Unterlegenheit auf den Rängen auf dem Platz geschlagen. Ob der Effekt der trotzig läutenden, vereinzelten Kuhglocken dabei eine Rolle gespielt hat, ist weiterhin unklar. Logistische Vorteile jedenfalls hatte die Schweiz genossen, insbesondere im Vergleich zu Kolumbien. Allerdings vor dem Achtelfinale einen Rückschlag erlitten.

Ohne Johan Manzambi traten die Schweizer an, ohne den Spieler also, der in den vergangenen Partien für die außergewöhnlichen Einzelaktionen verantwortlich gewesen war. Yakin ersetzte ihn zu Beginn mit Aaron Jashari vom AC Mailand, woraus eine sehr ballsichere Zentrale erwuchs, die sich mit Kolumbien ein Duell um die Hoheit über das Mittelfeld lieferte.

Der Siegtorschütze Ruben Vargas rennt jubelnd auf und davon.
Der Siegtorschütze Ruben Vargas rennt jubelnd auf und davon. Abbie Parr/AP/dpa

Die erste Stunde dieser Achtelfinal-Partie wurde daher so etwas wie die Definition eines ausgeglichenen Fußballspiels. Den Ballbesitz teilten sich beide Mannschaften genau 50:50 auf, die Schweizer spielten zehn Pässe mehr als die Kolumbianer (339:326), dafür gaben diese zwei Schüsse mehr ab. Sogar die Foul-Statistik war ausgeglichen, und bei all dieser Äquivalenz stand nur eine Frage im Raum: Wer genau sollte aus einem 0:0 ein Ergebnis machen, das nicht beide, sondern nur eine der beiden Mannschaften in ein WM-Viertelfinale führte?

Ein grotesker Fehler von Granit Xhaka beschert Kolumbien die größte Chance des gesamten Spiels – in der 115. Minute

Nun, die Kandidaten dafür hatten sich schon in Ansätzen vorgestellt. Luis Díaz auf kolumbianischer Seite dürfte auch dem letzten Schweizer bekannt geworden sein, als der BC Place sich beim Verlesen seines Namens vor Anpfiff zu einem Tinnitus-Tempel verwandelte, weil die gelbe Arena so laut aufjaulte. Im Spiel allerdings blieb der Flügelspieler des FC Bayern über die gesamte Zeit ausgesprochen zurückhaltend. Dasselbe galt auf der anderen Seite für Breel Embolo, den übrig gebliebenen Teil des Duos „Manzambolo“, der kaum zu Abschlüssen fand. Wie auch der Rest der Mannschaft: Der Augsburger Fabian Rieder per Freistoß und der für den enttäuschenden Manzambi-Ersatz Ardon Jashari eingewechselte Djibril Sow in der 47. Minute hatten noch die besten Chancen.

Im Laufe der zweiten Halbzeit tat sich auch sonst nichts Wundersames: Aus der noch halbwegs interessanten statistischen Ausgeglichenheit entwickelte sich auf beiden Seiten wenig Mut, sondern eher die Sorge vor einem Gegentreffer. Yakin wechselte im Verlauf der Partie eine halbe Bundesliga-Mannschaft ein (Miro Muheim vom Hamburger SV, Silvan Widmer von Mainz 05, Cedric Itten, der bald bei Werder Bremen spielen wird), was das Spielniveau allerdings auch nicht in allzu schwindelerregende Höhen führte. Es ging, anders als in manch anderer Achtelfinalpartie dieses Turniers, eher darum, sportlich zu überleben. Was erst einmal beiden Teams gelang und zu einer Verlängerung führte.

99 Minuten dauerte es, dann meldete sich Kolumbien wieder einmal offensiv zu Wort: Einen Kopfball von Jhon Lucumí nach einer Ecke sowie einen Distanzschuss von Jaminton Campaz klärte Gregor Kobel im Schweizer Tor innerhalb von nur 120 Sekunden herausragend. Die eidgenössische Offensive antwortete kurz darauf mit einem Abschluss von Zeki Amdouni aus elf Metern. Dann zog sich die Partie erneut in eine Pausenphase zurück, die nur vom trotzigem „Sí, se puede!“-Schlachtruf der Kolumbianer begleitet wurde. Sie sollten Recht behalten, denn ihre Mannschaft hätte die Partie wirklich noch entscheiden können.

Ein grotesker Fehler von Granit Xhaka brachte Campaz in eine perfekte freie Abschlussposition, es war die größte Chance des gesamten Spiels in der 115. Minute. Campaz allerdings schlenzte den Ball aus etwa acht Metern über die Latte hinweg. Und wenige Minuten später begann ein Elfmeterschießen, an dessen Ende auf einmal die Kuhglocken läuteten.

Kolumbien nämlich scheiterte. Erst an der Latte, in Person von Davinson Sanchez. Und dann an Gregor Kobel, der den vierten Elfmeter von Cucho Hernandez parierte. Trotz eines Fehlschusses von Manuel Akanji bekam so Ruben Vargas die Chance, die Schweiz aus elf Metern erstmals seit 1954 in ein WM-Viertelfinale zu bringen: Er traf sicher links unten. Und sorgte dafür, dass die vielen gelben T-Shirts, die quer durch diese Drei-Länder-WM gereist waren, in Vancouver zum Trocknen von Tränen verwendet werden mussten.

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