WM 2022:Auch der FC Bayern steht in der Kritik

Diese Rechnung stelle die ungeklärten Todesfälle, zumal unter überwiegend jungen Männern, sowie die nicht zertifizierten Todesursachen in einen "wichtigen Kontext". Dazu heißt es im offiziellen HRW-Bericht: Katar sollte das auf die Sommerarbeitszeiten beschränkte Arbeitsverbot "ersetzen durch eine rechtsverbindliche Anforderung, die auf den tatsächlichen Wetterbedingungen basiert". Was HRW dem Emirat vorhält, ist auch als Botschaft an dessen Nutznießer im Fußballgeschäft gerichtet. "Die Fifa und die Verbände sollten verdeutlichen, dass sie Gesetz- und Praxisveränderungen erwarten, die ein Golf-weites Beispiel dafür sind, wie man Bauarbeiterleben rettet. Jetzt - und in Zukunft", teilt HRW-Direktorin Whitson nun mit.

Der Bericht kam womöglich nicht zufällig an dem Tag heraus, an dem zwei vom Emirat gesponserte Fußballklubs aufeinandertreffen: Paris St. Germain und der FC Bayern München. Erstere machten zuletzt Schlagzeilen durch den 222-Millionen-Euro-Transfer des Brasilianers Neymar, den Katar finanzierte. Und die Münchner verkündeten jüngst, dass der Flughafen von Katar, der bereits seit einiger Zeit als sogenannter Platin-Sponsor des deutschen Rekordmeisters firmiert, nun auch als sichtbarer Sponsor auf dem Trikotärmel wirbt. Geschätzt zehn Millionen Euro pro Saison, heißt es, fließen in die Kasse; konkrete Zahlen nennt der FC Bayern nicht.

Nicholas McGeehan, der am jüngsten Katar-Report mitgearbeitet hat, mittlerweile aber nicht mehr für HRW tätig ist, sagt: "Der FC Bayern wurde von HRW im Januar 2016 sehr deutlich gewarnt vor möglichen Auswirkungen seiner Beziehung zu Katar." Zudem führt er aus: "HRW offerierte Beratung zu den Schritten, die der Klub tun könnte, um seinen Ruf zu schützen. Seitdem hat sich die Beziehung zu Katar vertieft, aber Bayern schwieg weiter zur Frage des Missbrauchs von Arbeitern." McGeehan sagt, der Verein sei "in einer sehr sichtbaren Kommerzbeziehung" mit einer Regierung, die das Leben junger Männer missachte: "Es wäre angebracht für den FC Bayern, seinen Einfluss auf Katars Regierung zu nutzen und öffentlich sofortige Schritte zu fordern, um das Leben der Wanderarbeiter in Katar zu schützen."

Die Bayern wiesen stets Vorwürfe wegen ihrer Bindung zu und ihrem Umgang mit Katar zurück. Bei der letzten Reise des Klubs dorthin teilte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit, man stehe in einem "guten Austausch" mit Nicht-Regierungs-Organisationen sowie Vertretern der Politik und unterstütze die Bemühungen der Fifa, für Arbeiterrechte einzustehen. Sein Eindruck sei, sagte Rummenigge, dass sich in Katar etwas bewege.

© SZ vom 27.09.2017/chge
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