WM 2011: Einzelkritik Äquatorialguinea:Der Kampftanz der Magierinnen

Keeperin Miriam Silvia da Paixao guckt die Bälle aus dem Tor, Diala Blessing mimt den Carlos Valderama, Stürmerin Genoveva Añonma schießt aus sieben Metern ebenso weit daneben. Die Nationalspielerinnen aus Äquatorialguinea beim 0:1 gegen Norwegen in der Einzelkritik.

Jürgen Schmieder, Augsburg

WM 2011: Einzelkritik Äquatorialguinea

Miriam Silvia da Paixao

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(Foto: AP)

Keeperin Miriam Silvia da Paixao guckt die Bälle aus dem Tor, Diala Blessing mimt den Carlos Valderama, Stürmerin Genoveva Añonma schießt aus sieben Metern ebenso weit daneben. Die Nationalspielerinnen aus Äquatorialguinea beim 0:1 gegen Norwegen in der Einzelkritik. Miriam Silvia da Paixao Ist eine der zahlreichen Spielerinnen, die ursprünglich aus Brasilien stammen und vom Verband eingebürgert wurden. Durfte spielen, während Jade Boyo Saho (bereits für Spaniens U19 aktiv) von der Fifa suspendiert worden war. Gilt trotz ihrer Größe von 1,67 Metern als eine der besten Torfrauen weltweit und wird in ihrer Heimat als "Magierin" verehrt. Guckte mit diesen magischen Kräften nach zwei Minuten einen Schuss an den Pfosten, mit den Händen wäre sie nicht mehr herangekommen. Guckte danach noch zahlreiche weitere Bälle an den Pfosten oder knapp neben das Tor - weshalb sich die Norwegerinnen tatsächlich einem bösen Zauber ausgesetzt fühlten. Das Gegentor kurz vor dem Ende indes hätte wohl nicht einmal ein Voodoo-Priester verhindern können

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Dulcia Davi

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(Foto: AP)

Versuchte, die prägende Norwegerin Isabell Herlovsen zu beobachten - und musste schnell feststellen, dass gegen Herlovsen oftmals mehr als beobachten kaum möglich war. Gab deshalb die Bewachung auf und stürmte mutig nach vorne, was in der 19. Spielminute zu einer schönen Gelegenheit führte. Musste jedoch feststellen, dass norwegische Verteidigerinnen mehr tun als nur beobachten. Lernte dadurch, auch in der Defensive nicht nur beobachten zu dürfen und agierte robust und sicher. Vor dem Gegentreffer jedoch schaltete sie wieder in den Beobachter-Modus und sah Leni Larsen beim Flanken zu.

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Carolina Martins Pereira

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(Foto: AP)

Wer behauptet, dass im Fußball der Libero ausgestorben sei, dem sei diese Partie empfohlen. Carolina Martins Pereira (rechts im Bild) agierte meist zehn Meter hinter zwei Kolleginnen, wodurch auch bewiesen war, dass es die Position der Manndeckerin im Fußball noch gibt. Gilt als Frau fürs Grobe, was sie durch gut gemeinte, aber meist schlecht getimte Grätschen untermauerte. Warf sich kurz vor der Pause heldenhaft und gut getimt in einen Schuss. Wagte sich dann bei einem Eckball nach vorne, eilte nach der grotesken Hereingabe schnell nach hinten und verteidigte wieder. Beim Gegentor mit heldenhafter, aber schlecht getimter Grätsche.

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Bruna Amarante da Silva

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Sah beim Warmmachen verwundert hinüber zu den Norwegerinnen, die da in Reih und Glied über den Platz trabten, während sie und ihre Kolleginnen zu den Gesängen ihres Trainers herumwuselten. Lief kurz vor der Partie lachend über den Platz und forderte die Zuschauer zum Jubeln auf - die machten sofort mit. Agierte dann robust gegen jede Norwegerin, die es wagte, in ihre Nähe zu kommen. Von der 15. Spielminute an waren das nur noch die allermutigsten Norwegerinnen.

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Ana Cristina da Silva

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(Foto: AP)

War im Spielberichtsbogen als Innenverteidigerin vermerkt, obwohl sie offiziell als Mittelfeldspielerin geführt wird. Spielte dann im zentralen Mittelfeld. Verwirrspiele dieser Art gehörten vor dem ersten Länderspiel außerhalb Afrikas zur Taktik von Trainer Marcello Frigeiro: "Das müssen Sie verstehen. Es ist eine kleine Chance für unser kleines Land." Sollte im defensiven Mittelfeld für Ordnung sorgen, was ihr allerdings nicht gelang, weil die Äquatorialguineerinnen so spielten, wie sie sich warmgemacht hatten: wild durcheinander und mit lautem Gebrüll. Könnte aber auch ein taktischer Kniff des Trainers gewesen sein: Die Norwegerinnen jedenfalls wirkten lange Zeit höchst verwirrt.

WM 2011: Einzelkritik Äquatorialguinea

Christelle Ngo Nyepel

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(Foto: AFP)

Wurde nach der erfolgreichen Qualifikation zur WM häufig abgelichtet, obwohl das Fotografieren in Äquatorialguinea verpönt ist. Musste nach dem letzten Training in der Heimat zwei Stunden lang Autogramme schreiben, sagte danach: "So etwas gibt es im Frauenfußball sonst nirgendwo auf der Welt." Mühte sich im defensiven Mittelfeld, musste immer wieder offene Räume zulaufen, weil ihre Kolleginnen überall herumwuselten, nur nicht im zentralen Mittelfeld. Ging zur Pause erschöpft in die Kabine und blieb auch dort.

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Jumária Barbosa de Santana

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(Foto: AFP)

Leitete beim wilden Warmlaufen den Kampftanz ihrer Mannschaft mit Gebrüll und Gekreische, den die Norwegerinnen eher gleichgültig zur Kenntnis nahmen. Probierte nach 15 Minuten einen Schuss aus 40 Metern, den die Norwegerinnen geschockt zur Kenntnis nahmen. Immer wieder mit grotesken Fehlern, die die Norwegerinnen erfreut zur Kenntnis nahmen. Wurde nach 53 Minuten ausgewechselt, was die Norwegerinnen enttäuscht zur Kenntnis nahmen.

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Vania Christina Martins

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(Foto: AP)

Spielt eigentlich in Südkorea beim Klub Hyundai Steel. Äußerst aktiv auf der rechten Seite. Stellungssicher und kompromisslos in der Defensive, dazu mit einigen schönen Aktionen nach vorne. Wurde immer mutiger, je nervöser und genervter ihr Gegenspielerin Haavi wurde. Wurde in der zweiten Halbzeit immer müder, was Haavi ermutigte, weniger genervt zu sein und dafür aktiver zu werden. Beim Gegentreffer durch Haavi agierte Martins nervös - und war danach extrem genervt.

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Dorine Chuigoue

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(Foto: AFP)

Agierte auf der linken Seite, immer wieder mit kraftvollen Vorstößen, bei denen sie von Añonma und Blessing die Linie hinabgeschickt und für die sie vom Publikum mit Applaus bedacht wurde. Weil ihr Trainer in der Pause offensichtlich nicht applaudierte, konzentrierte sie sich zu Beginn der zweiten Hälfte wieder auf die Defensive. Bekam deshalb kaum Applaus vom Publikum.

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Genoveva Añonma

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(Foto: dpa)

Wird auf den offiziellen Spielberichtsbögen der Fifa konsequent als "Anonman" bezeichnet (selbst auf dem Trikot steht "Añonman"), was als durchaus böser Faux-pas gewertet werden darf. Ihr wird immer wieder unterstellt, ein Mann zu sein - obwohl durch "verletzende Geschlechtstests" (Añonma) festgestellt wurde, dass sie eine Frau ist. Lief mit neongrünen Rastazöpfen auf, die farblich perfekt auf die Schuhe abgestimmt waren. War zunächst überall auf dem Feld zu finden - schoss auch von überall, traf jedoch nie das Tor. Lief kurz vor der Pause allein auf Hjelmseth zu, traf tatsächlich das Tor - aber auch den Oberkörper von Torfrau Hjelmseth. Hatte kurz nach der Pause wieder eine große Gelegenheit, schoss jedoch aus sieben Metern ebenso weit neben das Tor. Hatte noch zahlreiche Chancen, musste jedoch einsehen, dass Miriam da Paixao nicht die einzige Magierin auf dem Platz war: Hjelmsteth parierte entweder bravourös - oder guckte die Schüsse weit vorbei.

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Diala Blessing

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Fiel zunächst dadurch auf, dass sie beim Versuch, den Ball unter Kontrolle zu bringen, einer Norwegerin beinahe ins Gesicht schoss. Fiel danach durch eine Aktion auf, die eigentlich nur der Kolumbianer Carlos Valderrama durchführen darf: Ließ sich nach einer Verletzung vom Platz tragen ließ und kam Sekunden später zurück. Lief allein in der ersten Halbzeit geschätzte sechs Kilometer. Wurde nach 60 Minuten erneut vom Platz getragen - blieb diesmal draußen.

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(Foto: dapd)

Einwechselspielerinnen: Laetitia Chapeh Yimga (Im Bild) Kam zur Pause für Christelle Ngo Nyepel, übernahm sogleich deren laufintensive Aufgaben im defensiven Mittelfeld. War nach dem Spiel ähnlich erschöpft wie Nyepel zur Pause. Chinasa Okoro Kam nach 53 Spielminuten, präsentierte sich ebenso agil wie ihre Kolleginnen, ohne jedoch besonders aufzufallen. Adriana Costa Kam für Diala Blessing, agierte im Sturmzentrum. Anders als Blessing eher der Typ "Torjäger und Wandstürmer". Bewegte sich kaum, war dennoch stets anspielbar und torgefährlich. Im Abschluss allerdings ähnlich überhastet und unglücklich wie ihre Kollegin Añonma.

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