WM 2010: Zwanziger und Bierhoff Der Populist ist wieder da

Theo Zwanzigers abrupter Sinneswandel: Auf einmal lobt er auch das Team um Trainer Joachim Löw - vor allem den zuvor heftig gescholtenen Teammanager Oliver Bierhoff. Doch was steckt hinter der Volte des DFB-Präsidenten?

Ein Kommentar von Ludger Schulze

Der Letzte macht das Licht aus, und Herr Dr. Zwanziger, bitte die Türe sacht schließen. Soeben ist endlich auch dem DFB-Präsidenten aufgegangen, was längst als gesichertes Wissen selbst in Dschibuti und auf den Kapverdischen Inseln gilt. Nicht allein der Bundestrainer Joachim Löw, sondern auch Oliver Bierhoff, hat Zwanziger nun bemerkt und umgehend seinen engsten Medienvertrauten von Bild erzählt, sei ein hervorragender Mann. Der Teammanager habe nämlich seinen Anteil am glänzenden Verlauf der WM: "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Oliver Bierhoff Manager bleibt."

Duelle Deutschland vs Spanien

Als Hoeneß die Spanier umkurvte

Das ist, aus Zwanzigers Sicht, eine fulminante Erkenntnis-Umkehr. Bierhoff blieb bei seinen jede Peinlichkeitsgrenze locker überspringenden Lobgesängen auf Löw bislang implizit außen vor; der Versuch, Löws erfolgreiche Mannschaft hinter der Mannschaft auseinander zu dividieren, konnte nur einem ins künstliche Koma versetzten leidenschaftlichen Anhänger des DFB-Präsidenten verborgen bleiben. Jetzt aber: "In der Tat sollte man ein intaktes Team nicht ohne zwingende Gründe auseinander reißen."

Hört, hört! Hat derselbe Zwanziger nicht unmittelbar vor der WM dem Pressechef und Teammitglied Harald Stenger, ohne mit der Wimper zu zucken, den Stuhl vor die Tür gesetzt und dessen Vertrag - ohne zwingende Gründe - zum Jahresende aufgekündigt? Die bescheidene Frage sei gestattet: Wo haben Zwanziger und sein Generalsekretär Wolfgang Niersbach, die gemeinsam die geballte Fußballfachkompetenz der Republik verkörpern, in den vergangenen sechs Jahren eigentlich hingeguckt? Nach üblicher Zählweise müsste dies, grob gerechnet, das dritte Großturnier sein, das von Löws gesamtem Stab in herausragender Weise gestaltet wird.

Nun könnte man vielleicht meinen, dass der Präsident und sein General unter retardierter Auffassungsgabe leiden; wir freuen uns aber, mitteilen zu können, dass dies nicht der Fall ist. Sondern das Gegenteil. Kaum hatte sich nämlich Uli Hoeneß, die klügste Instanz des deutschen Fußballs, am Montag vehement für eine Vertragsverlängerung der ganzen Löw-Gruppe ausgesprochen, ergriff die DFB-Oberfunktionäre ein abrupter Sinneswandel.

Das ist gut so. Bevor jedoch einer auf die Idee kommt, in frenetischen Applaus auszubrechen, sei daran erinnert, dass der DFB ein halbes annus horribile hinter sich hat. Erst die Anfang des Jahres wegen Zwanzigers gekränkter Eitelkeit gescheiterte Verhandlung mit Löw, dann das erschütternde Missmanagement in der Schiedsrichter-Affäre um Michael Kempter und Manfred Amerell. Gingen dem Verband jetzt noch der brillante Fußball-Lehrer Löw und seine Erfolgsmannschaft von der Fahne, wäre der Imageschaden verheerend. Das hat der begnadete Populist Zwanziger im Sinn. Und, ach ja, im Oktober findet der Bundestag des DFB statt. Kann es sein, dass Zwanziger da unbedingt wiedergewählt werden möchte?

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Das B-Team