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WM 2010:Taschengeld von Onkel Sepp

Der Fußball-Weltverband hat mit seinem zur Schau getragenen Einsatz für die Gerechtigkeit in der Welt überzogen. Das soziale Engagement fällt gemessen an den gewaltigen Einnahmen mickrig aus.

Neulich, bei einer der unzähligen Pressekonferenzen in Südafrika, sollte das "Football for Hope"-Festival vorgestellt werden, die kleine WM neben der großen. 32 Kindermannschaften aus Armenvierteln oder grauen Vorstädten auf der ganzen Welt spielen Fußball gegeneinander, in der Township Alexandra ist ein kleines Stadion für diesen Wettbewerb hergerichtet worden. Jungs und Mädchen kicken gemeinsam, und wenn es strittige Entscheidungen gibt, diskutiert man das aus. Bei "Football for Hope" gibt es keine Schiedsrichter.

WM 2010 - Deutschland - Spanien

Wie jeder Monarch möchte Fifa-Chef Sepp Blatter nicht nur seinen Reichtum verwalten, sondern als gerecht und gut in die Geschichte eingehen will.

(Foto: dpa)

Unglücklich war allerdings, dass an jenem Tag gerade die Schiedsrichterdiskussion in der realen Fifa-Welt sich ihrem Siedepunkt näherte, also wurde bei der Pressekonferenz ewig über überforderte Schiedsrichter geredet und darüber, was die Fifa zu tun gedenke, um ihnen zu helfen. Der Pressesaal war entsprechend gefüllt mit Journalisten, die vom Fußball-Weltverband Fifa Antworten wollten, aber keine bekamen.

Als das Schiedsrichterthema abgearbeitet war, leitete der Fifa-Medienmensch zum Thema "Football for Hope" über, aber da war der Saal praktisch leer, die Journalisten wollten ihre Berichte über die Schiedsrichter absetzen, sie interessierten sich nicht weiter für die zwei kleinen Fußballer aus den Armenvierteln, die herbeigeschafft worden waren, um Fragen zu beantworten, die dann keiner ihnen stellte.

Den Journalisten ihre Ignoranz gegenüber sozialen Themen vorzuhalten, wäre zu einfach. Es sind in der Tat vor allem Sportreporter hier, viele von ihnen meiden Townships, weil sie vor der WM irgendwo gelesen haben, dass man dort umgehend erschossen wird. Es sind aber auch jede Menge Journalisten da, die sich für die Inszenierung dieser WM interessieren, und dass ihnen das Projekt "Football for Hope" keinen Leitartikel wert ist, hat nichts damit zu tun, dass sie die Arbeit der Sozialarbeiter dort geringschätzten. Die Fifa hat überzogen mit ihrem zur Schau getragenen Einsatz für die Gerechtigkeit in der Welt, ihre Slogans sind zu dick aufgetragen, die Auftritte des Präsidenten Sepp Blatter sind zu effektheischend.

Es ist kein Geheimnis, dass Blatter gern den Friedensnobelpreis hätte, für sich oder seine Organisation. So oft laufen hier Spots im Fernsehen, die ihn beim Kampf für eine bessere Welt zeigen, so viele soziale Projekte werden beworben, dass jeder den Verdacht nicht loswird, es gehe auch bei "Football for Hope" nur im Beiprogramm um die armen Kinder. In der Hauptsache aber um die Fifa und Blatter, der - wie jeder Monarch - nicht nur seinen Reichtum verwalten möchte, sondern als gerecht und gut in die Geschichte eingehen will. Südafrika und die Fifa funktioniert ein bisschen so wie BP und Aserbaidschan: Der Konzern verdient mit dem Öl dieses Landes, er zerschneidet ganze Städte mit seinen teils überirdisch verlaufenden Pipelines, aber er gibt auch Geld für neue Kindergärten und sorgt dafür, dass über die Kindergärten entsprechend berichtet wird.

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