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WM 2010: Taktik:Tendenz zur Handballisierung

Viererkette, Fünfermittelfeld, enge Räume: Die Betonmischer prägen bisher die WM. Nur Deutschland und zweieinhalb andere Mannschaften sind die rühmlichen Ausnahmen.

"Wo bleibt hier der Fußball?" fragte Carlos Alberto Parreira, als seine Mannschaft zwei Tage vor dem ersten Spiel im offenen Bus von mehr als 100.000 Menschen in Johannesburg gefeiert wurde. Es bot sich ein absurdes Bild: der Triumphzug einer Mannschaft, die noch gar nicht gespielt hatte. Jetzt hat Parreiras Mannschaft zweimal gespielt, die meisten anderen hatten bei dieser Fußball-WM einen Auftritt, doch die Frage ist immer noch die gleiche: Wo bleibt hier der Fußball?

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Wenig zu tun: Die Torhüter wie etwa Nigerias Vincent Enyeama werden nur wenig geprüft.

(Foto: afp)

Eine Weltmeisterschaft soll immer auch eine Messe sein, neue Tendenzen des Spiels zeigen, neue Wege zum Erfolg aufzeigen. Von den Millionen Zuschauern in aller Welt wird die WM vor Beginn aufgeladen mit den höchsten Erwartungen: Sie soll emotionsgeladene Partien und bewundernswerte Stars hervorbringen, das offensive Spiel zelebrieren. Kurz: einen Monat lang Spektakel bieten. Doch wie so häufig wird die Welt auch von dieser 19. WM enttäuscht.

Fast alle Mannschaften bieten in Südafrika einen Sicherheitsfußball, den böswillige Stimmen bislang nur Otto Rehhagels Griechen zugeteilt hatten. Vor lauter Angst, im ersten WM-Spiel schon vieles kaputt zu machen, erlebt der Fußball eine Handballisierung: Rund um den Strafraum formieren sich zumeist zwei Verteidigungsringe, die Viererabwehrkette und davor eine weitere, mit drei bis fünf Mittelfeldspielern besetzte Reihe. Die Nordkoreaner setzten gegen Brasilien sogar eine Fünferabwehrkette ein, und hatten damit so viel Erfolg, dass ein Nachahmungseffekt nicht auszuschließen ist.

Die 1:0-WM

Und so kommt es, dass diese erste WM-Woche hin zum perfekten Zerstörer-Fußball tendierte. In den ersten 16 Spielen fielen ganze 25 Tore, das macht einen Schnitt von rund 1,6 pro Partie - deutlich weniger als bei allen Turnieren in den vergangenen Jahren. Nur Griechenland konnte am Donnerstag einen Rückstand drehen, in sechs Partien reichte ein Tor zum Sieg. Manche sprechen bereits von der 1:0-WM.

Für alle Liebhaber des offensiven Fußballs löst dabei vor allem der Sieg der Schweiz gegen die Spanier Alarmstimmung aus. Denn so sehr man sich mit dem Außenseiter freut: Wenn schon der sonst perfekte Kombinationsfußball des Europameisters nur zu einem 0:1 führt, dann müssen sich die Betonmischer des Turniers bestätigt fühlen.

WM 2010: Zwischenbilanz

Genug Zeit für eine Plantage