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WM 2010: Schiedsrichter:Die unverständliche Schiedsrichter-Auswahl der Fifa

Nach einer Woche schwillt damit erstmals bei dieser WM der Unwille gegen Unparteiische merklich an. Zuvor hatte sich nur der südafrikanische Trainer Carlos Alberto Parreira über den Schweizer Massimo Bussacca beschwert, doch das musste nach dem 0:3 gegen Uruguay als Ablenkungsmanöver gewertet werden. Sonst bekamen die Schiedsrichter in den ersten Tagen stets anerkennende Wertungen, etwa vom der Leiter der neuen Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Herbert Fandel.

"Im Großen und Ganzen kann man da sehr, sehr zufrieden sein", sagte Fandel. Allerdings hatte er schon vor den Freitagsspielen bemerkt, dass die Kollegen "darauf eingestellt wurden, gerade am Anfang Maßstäbe zu setzen. Sie sind natürlich dann bemüht, sehr akkurat zu pfeifen. Das kann man zu Beginn eines solchen Turniers immer wieder beobachten."

Und so steht der Vorwurf im Raum, dass die deutsche Mannschaft ihre Spielweise dem kleinlichen Pfeifen von Alberto Undiano hätte anpassen müssen. Schließlich hatte der schon vor der Partie damit gedroht, er wolle sich "von der ersten Minute an Respekt verschaffen".

Für die Laune der Mitgliedsländer

Zumindest Miroslav Klose hätte nach seiner ersten gelben Karte, die bei sachgerechter Beurteilung überzogen war, wissen müssen, dass er nun ein Beinstellen von hinten an der Mittellinie zu unterlassen hat. Zumal er zwischenzeitlich auch noch die unnötige Aktion eingestreut hatte, trotz eines Pfiffs des Schiedsrichters weiterzuspielen und den Ball ins Tor zu schießen. Seine gelb-rote Karte war hart in der Sache, aber im Sinne Undianos konsequent. Selbst Deutschlands höchste Fußballinstanz, Franz Beckenbauer, räumte dies ein: "Allerdings ist der Schiri für sein kleinliches Pfeifen bekannt. Das muss man wissen, und dann darf man da nicht so hingehen."

Während Undiano immerhin als bester Schiedsrichter der Primera Division ein gewisses Renommee mitbringt, weist der Fall Coulibaly beim Spiel USA gegen Slowenien auf eine Debatte hin, die bei allen Weltturnieren so sicher wiederkehrt wie die englische Torwartdiskussion. "Es war sein erstes Spiel auf diesem Niveau, er war vielleicht ein bisschen überfordert", mutmaßte Landon Donovan nach dem 2:2.

Die Fifa nominiert grundsätzlich nur einen Schiedsrichter pro Land für eine Weltmeisterschaft. Das hat zur Folge, dass viele Champions-League-gestählte Schiedsrichter zu Hause bleiben müssen. Auf der anderen Seite ist es ein elegantes Mittel, möglichst viele Mitgliedsländer bei Laune zu halten und bei der nächsten Wahl auf das Kreuz an der richtigen Stelle zu hoffen. Dieses Vorgehen lässt Länder an der WM teilhaben, die es mit ihren Fußballern vermutlich nie dorthin schaffen werden. Kollege Coulibaly vertritt Mali, die letzten Gruppenspiele leiten unter anderem Schiedsrichter von den Seychellen oder aus Guatemala.

© sueddeutsche.de/aum
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