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WM 2010: Nigeria:Afrikas vergebliche Suche nach dem Glück

Nach Kamerun und den Gastgebern scheitert auch Nigeria schon in der Vorrunde. Beim unglücklichen 2:2 gegen Südkorea fehlt ein Tor für das Achtelfinale.

Südafrika trägt Trauer seit diesem Dienstag, für Bafana Bafana ist das Heimturnier beendet. Der ganze Kontinent fühlt mit den Gastgebern, "Sorry Bafana" stand abends auf einem Plakat im Stadion von Durban, wo nun also die Auswahl Nigerias versuchen sollte, etwas zu tun für die Stimmung bei diesem Turnier und für Afrika. Kamerun ist schon draußen, die Elfenbeinküste wird es auch nicht mehr schaffen, Algerien ist vor dem Gruppenfinale ebenfalls nur noch ein Außenseiter, und Ghana, nun ja, spielt Ghana am Mittwochabend nicht gegen Deutschland? Wenigstens Nigerias Super Eagles hätten zuvor Afrikas Stolz weitertragen können durch dieses Turnier, das ja jetzt erst so richtig anfängt, ein knapper Sieg über Südkorea hätte dafür gereicht. Doch die spannende Partie endete 2:2 (1:1) - die Südkoreaner rissen nach dem Abpfiff die Arme hoch, denn der Punkt reichte für Rang zwei in der Gruppe hinter Argentinien. Sie treffen jetzt im Achtelfinale auf Uruguay.

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Ein Tor, das kurz Hoffnung aufflammen ließ: Nigerias Yakubu Aiyegbeni (rechts) überwindet per Elfmeter den südkoreanischen Torwart Jung Sung-Ryong.

(Foto: AFP)

Auch Nigeria ist draußen.

Die Partie begann, wie es sich Lars Lagerbäck, der gemütliche Trainer Nigerias aus Schweden, gewünscht hatte, mit dem schnellen 1:0. Zwar wagte Südkoreas Chung Yong gleich einen Schuss, der immerhin das Außennetz zappeln ließ wie ein prächtig gefülltes Fischernetz (2.). Doch danach erarbeitete sich Nigeria ein Übergewicht, weil sich die Asiaten mit asiatischer Zurückhaltung präsentierten und zurückzogen. Sie spekulierten ganz offenbar auf ein Unentschieden, das nach menschlichem Ermessen reichen müsste im Quervergleich mit den Griechen und auch Nigeria auf Distanz halten würde.

Zwar war Nigerias Spiel bei aller Athletik erneut von vielen Flüchtigkeitsfehlern und Ungenauigkeiten geprägt, doch die Männer in den grünen Hemden schafften also das 1:0: Odiah, der agile rechte Verteidiger, narrte an der Mittellinie mit einer simplen Drehung den ersten Südkoreaner und lief an der Seitenlinie auch dem zweiten davon; seine nicht einmal scharfe Hereingabe fand im Strafraum einen dankbaren Abnehmer, es war Uche, der schon den Führungstreffer gegen Griechenland (1:2) erzielt hatte. Bundesliga-Profi Du Ri Cha (SC Freiburg) sah schlecht aus, er hatte Uche ziehen lassen und kam einfach zu spät, als dieser einschob (12.).

Die Nigerianer spielten weiter nach vorne, allerdings nicht sehr zwingend, sie sind einfach nicht in der Lage, eine kompakte Elf wie Südkorea in Serie auszuhebeln. Chancen gab es trotzdem, der in Hoffenheim beschäftigte Stürmer Chinedu Obasi besaß zwei davon, doch auch seine Abschlüsse blieben zu unpräzise (23/30.). Näher kam dem 2:0 wieder Uche, der in Spanien bei Almeria spielt. aus 25 Metern zog er in der 36. Minute ab. Der Ball prallte jedoch an den Pfosten.

Südkorea mit dem Schienbein

Es ist dann so gekommen, wie es zu befürchten war. Die vor allem gut organisierten Südkoreaner schafften mit zwei Standardsituationen gegen die recht schlecht organisierte Abwehr Nigerias die Wende. Noch vor der Pause, nur zwei Minuten nach Uches Pfostenschuss, legte sich Ki in halblinker Position den Ball zum Freistoß zurecht, die Kugel segelte in den Strafraum; Torwart Enyeama hätte sich vielleicht von der Linie fortbewegen müssen. So kam ganz hinten Abwehrchef Jung Soo an den Ball, Afolabi hatte ihn aus den Augen gelassen, mit dem Schienbein erzielte der Südkoreaner den Ausgleich (38.). Auch beim 1:2 zögerte Enyeama, zumindest bewegte sich der von Kapitän Chu Young Park listig mit Effet an den entfernten Pfosten gezirkelten Freistoß in die Torwartecke. Als Enyeama hinterher sprang, war es schon zu spät. Ein direkt verwandelter Freistoß aus halblinker Position, das 1:2 (49.), die Nigerianer schlugen die Hände vors Gesicht. Sie begannen zu trauern.

Nigeria reagierte danach nicht mit einem Sturmlauf, es fehlte der Mannschaft an Durchschlagskraft und Kreativität. Kanu, der große, bald 34-jährige Stürmer, den Lagerbäck diesmal gebracht hatte, ging nach einer Stunde vom Feld, keinen richtigen Torschuss hatte der frühere Arsenal-Profi abgegeben. Für ihn kam Obafemi Martins aus Wolfsburg, der Nigeria in der Qualifikation zur WM geschossen hatte. Zehn Minuten nach Martins Einwechslung kam jedoch Yakubu zum Schuss, aus etwa drei Metern. Ayila hatte den Ball hereingegeben, Keeper Jung war ausgespielt, das Tor leer und Yakubu völlig frei stehend. Er hielt die Innenseite hin, eine einfache Übung, das musste das 2:2 sein. Doch der Ball ging vorbei. Eine unglaubliche Szene.

Der Ausgleich fiel dennoch durch Yakubu, er verwandelte einen Strafstoß (69.), Kim hatte Obasi zu Fall gebracht. Und nun entwickelte sich endlich ein offener Schlagabtausch, auch Südkorea hielt das Tempo hoch und kam zu Chancen, wie durch Lee, dessen Schlenzer Enyeama diesmal exzellent parierte. Nigeria lief ebenfalls an, zumal die Nachricht von den Griechen kam, die jetzt zurücklagen. Ein Tor fehlte Nigeria, und wieder lief Martins aufs Tor zu, aber sein Lupfer ging am Tor vorbei (79.). Südkorea konterte, ihre Spielanlage wirkte gerade in der Schlussphase reifer. Nigeria blieb zu harmlos im Angriff, mit ein paar Distanzschüssen versuchten sie ihr Glück. Sie fanden es nicht.

© SZ vom 23.06.2010
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