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WM 2010 in Südafrika:Nummer 33, oder: Hauptsache ohne Henry

Der irische Fußballverband bittet die Fifa, als 33. Team zur WM nach Südafrika zu reisen. Wie würde das aussehen? Vier Szenarien.

Fairness ist ein wichtiger Begriff auf der Grünen Insel - vor allem beim Sport. Eine Schwalbe beim Fußball gilt als beinahe so verabscheuenswürdig wie Totschlag, ein hinterhältiges Foulspiel würde man am liebsten mit einer Gefängnisstrafe sanktionieren. Kein Wunder also, dass in Irland die Aufregung groß ist, seit die Nationalelf im Qualifikationsspiel an Frankreich gescheitert ist - wegen eines Handspiels des französischen Schlawiners Thierry Henry in der Verlängerung.

WM 2010 in Südafrika

Der Auslöser für den Unmut der Iren: das Handspiel von Thierry Henry.

(Foto: Foto: dpa)

Nach zwei erfolglosen Versuchen, ein Wiederholungsspiel zu erzwingen, appellieren die Iren mit einem Brief an Joseph Blatter an den Gerechtigkeitssinn des Weltfußballverbands Fifa. "Sie haben sehr höflich gefragt, ob sie die 33. Mannschaft bei der WM sein könnten", sagt Fifa-Chef Blatter, der das Anliegen an das Exekutivkomitee seines Verbandes weiterleiten will.

Da auch bei sueddeutsche.de die Begriffe "Fairness" und "Gerechtigkeit" großgeschrieben werden, hat die Redaktion dem Vorschlag der Iren zugestimmt und sich sogleich Gedanken gemacht, wie es aussehen könnte, wenn auch die Fifa dem Antrag folgt. Nach intensiven Recherchen in der Fußball-Historie gibt es vier Szenarien, die eine Teilnahme der Iren ermöglichen könnte.

1.) 33 Mannschaften

Die unauffälligste Lösung: Die Iren werden der Gruppe zugeteilt, in der auch die Franzosen spielen - in dieser Gruppe gibt es dann einen zusätzlichen Spieltag. Es böte sich folgende Auslosung an: Frankreich, England, Irland, Südkorea und Nordkorea - das wäre jedenfalls die brisanteste Gruppe der WM 2010. Die Iren freilich treten nur an, wenn Thierry Henry nicht vom französischen Trainer Raimond Domenech nominiert wird.

2.) Das Vor-Eröffnungsspiel

Die lukrative Lösung: Drei Tage vor dem Eröffnungsspiel am 11. Juni in Johannesburg treffen Frankreich und Irland in Port Elizabeth bei einem Prolog aufeinander. Dort wird die Mannschaft ermittelt, die letztlich die WM bestreiten darf. Mit diesem Entscheidungsspiel umgeht Blatter die Notwendigkeit des Wiederholungsspiels - und generiert zusätzliche Einnahmen für die Fifa, weil vor dem Spiel eine Vor-Eröffnungsfeier abgehalten wird und die Fan-Meile in Port Elizabeth drei Tage länger geöffnet ist und dort natürlich nur Fifa-Bier ausgeschenkt wird. Diesem Spiel stimmen die Iren nur zu, wenn Henry nicht ins Stadion darf.

3.) Game-Sharing

Die salomonische Lösung: Die französische Nationalelf spielt die erste Begegnung, die irische die zweite. Danach tritt wieder Frankreich an, im Achtelfinale Irland und so weiter. Welche Mannschaft dann das Finale bestreiten darf, ermitteln Frankreich und Irland dann zwei Tage vor dem Endspiel in einem Ausscheidungsmatch. Thierry Henry freilich dürfte nicht mitspielen.

4.) Eine irisch-französische Nationalelf

Die kuriose Lösung: Sie wurde quasi bereits bei der Weltmeisterschaft 1938 angewendet, damals nach der Einverleibung Österreichs durch die NS-Diktatur. In der deutschen Nationalelf spielten auf Anordnung der Reichsführung jeweils fünf oder sechs österreichische Akteure, um das "vereinte Deutschland" zu repräsentieren. Die Mannschaft schied in Frankreich nach einem 1:1 und einem 2:4 gegen die Schweiz aus - es war das schlechteste Ergebnis einer deutschen Elf bei einer WM. Die irisch-französische Elf freilich wäre nicht politisch motiviert, sondern würde aus Fairness-Gründen zusammenspielen. Eine mögliche Elf: Shay Given, John O'Shea, William Gallas, Alou Diarra, Kevin Kilbane, Franck Ribéry, Damien Duff, Florent Malouda, Robbie Keane, Yoann Gourcuff, Nicolas Anelka. Schlawiner Thierry Henry freilich dürfte nicht nominiert werden.

Wie aber wird sich die Fifa entscheiden? Millionen Fans schauen auf Joseph Blatter, den Fußball-Muezzin aus der Schweiz.

© sueddeutsche.de/aum

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