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WM 2010: Deutschland - England:Berauscht vom eigenen Zauber

"Eine grandiose Leistung": Nach dem beeindruckenden 4:1 gegen England scheint für die deutsche Mannschaft alles möglich zu sein - und sie selbst tönt schon selbstbewusst in Richtung Argentinien.

Es dauerte nicht lange, da trugen Helfer zwei Kästen Bier Richtung deutsche Kabine. Durch Einlassungen einiger Spieler ist verbürgt, dass die Mannschaft die Flaschen geleert hat, in der Stunde nach dem wahrlich berauschenden 4:1 gegen England. "Wir haben geduscht, was getrunken, uns angezogen. Die Musik war ein bisschen am Laufen, die Stimmung war gut", fasste Lukas Podolski bündig zusammen. Und vermutlich hat der eine oder andere auf die Herren Jorge Larrionda und Mauricio Espinosa angestoßen.

WM 2010: Einzelkritik Deutschland

Standuhr und Quartalsspieler

Larrionda und Espinosa aus Uruguay waren als Schieds- und Linienrichter in Bloemfontein eingeteilt und entsprechend dafür zuständig, dass das Achtelfinale dieser WM nach den Regeln des Fußballs verläuft. Doch nach 38 Minuten verursachten die beiden einen irrwitzigen Fehler, den sie noch in 50 Jahren im Fernsehen begutachten können.

Beim Stand von 2:1 für das DFB-Team fiel der Schuss des Engländers Frank Lampard von der Unterkante der Latte geschätzte zwei Meter hinter die Linie, ehe er wegen des Dralles wieder gegen die Latte prallte und Torwart Manuel Neuer in die Arme. Doch Larrionda und Espinosa hatten es nicht gesehen, und weil sie laut Regeln des Weltverbands Fifa nicht das tun dürfen, was Millionen Menschen auf der Welt in diesem Moment taten, nämlich die Wiederholung auf einem Bildschirm anschauen, ging das Spiel einfach weiter.

Capello bleibt stur

Deutsche Spieler sahen in dieser Szene eine späte Rache für ihre Ahnen, die 1966 im Wembley-Stadion gegen England ein Tor hinnehmen mussten, das keines war. "Jetzt steht's 1:1", feixte Miroslav Klose, Per Mertesacker sagte mit leicht mafiösem Unterton: "Man sieht sich immer zweimal im Leben." Andere hatten mehr Mitleid mit dem Gegner. "Wir sind heute froh, dass es keinen Videobeweis gibt", erklärte Kapitän Philipp Lahm. Bundestrainer Joachim Löw analysierte die Szene in der ihm eigenen Sprache: "Dieser Ball war schon auch hinter der Linie. Da hätte man können, äh, hätte man müssen Tor pfeifen."

Doch während die einen Deutschen feixten und die anderen analysierten, waren die meisten Engländer schon weiter. Ja, ja, da war dieses nicht gegebene Tor, das vielleicht eine Wendung gebracht hätte. Doch wie kommt es, dass außer in der kurzen Phase nach dem 1:2 durch Matt Upson (37.)

Deutschland so viel besser war? Mehrfach sah sich Trainer Fabio Capello mit dieser Frage konfrontiert und wollte sie doch nicht beantworten. Der Italiener blieb stur bei Lampards Schuss. "Das 2:2 wäre sehr wichtig gewesen", antwortete er während der Pressekonferenz etwa 17 Mal.

WM 2010: Pressestimmen

"Zerrieben und zerfleischt"