WM: Deutschland im Achtelfinale Das Glück hat einen Namen - Mesut Özil

Das 1:0 der Deutschen gegen Ghana bringt beide Mannschaften ins Achtelfinale der Fußball-WM. Die DFB-Elf triumphiert dank eines Traumtores von Mesut Özil gegen starke Ghanaer, die nun auf die USA treffen. Deutschland tritt zum Klassiker an - gegen England.

Von Christian Zaschke

Arne Friedrich sank auf die Knie, als sei er nun bereit, zum Ritter geschlagen zu werden. Per Mertesacker, der Hüne, sank ebenfalls auf den Rasen von Johannesburgs Soccer City, um Friedrich in die Arme zu schließen. Es war das Schlussbild der Partie Deutschland gegen Ghana. 1:0 (0:0) hatten die Deutschen gewonnen und sich damit fürs Achtelfinale der WM qualifiziert. Eine gute Minute später gab es ein zweites Schlussbild des Abends, als Andre Ayew mit der ghanaischen Fahne über den Platz rannte wie ein Sieger, glücklich winkend, jubelnd und froh.

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Feine Füße, schwere Last

Da die Australier Serbien besiegt haben, sind die Ghanaer mit der knappen Niederlage ebenfalls fürs Achtelfinale qualifiziert, so dass dieser Fußballabend etwas vorherbrachte, was im Wettkampfsport selten ist: zwei Sieger. "Es war ein unheimlich intensives Spiel", sagte ein mitgenommener, ein erschöpfter Bundestrainer Joachim Löw nach dem Schlusspfiff.

Da es zuvor um nicht weniger als die nähere Zukunft des deutschen Fußballs gegangen war, hatte Löw seine Elf ein wenig umgebaut - obwohl, ehrlich gesagt, nicht nur deshalb. Die Hereinnahme von Cacau als Mittelstürmer war der Sperre Miroslav Kloses geschuldet, und die Aufstellung Jérôme Boatengs als Linksverteidiger ergab einen doppelten Sinn.

Feinstes Öl ins Feuer

Zum einen hatte Holger Badstuber auf dieser Position gegen Serbien nicht immer gut ausgesehen, zum anderen standen so beide Boatengs auf dem Platz, einer für Ghana, einer für Deutschland; Löw mag sich gedacht haben: Wenn das Spiel schon derart brisant ist, gieße ich noch ein großes Fass feinsten Öls ins Feuer. Dann weiß auch der Letzte, worum es geht.

Es entwickelte sich allerdings keineswegs eine durchweg hitzige Partie, sondern eine phasenweise so erstaunlich langsam geführte, dass die Zuschauer im Stadion von dem Verdacht beschlichen wurden, die Super-Zeitlupe habe sich der Realität bemächtigt. Dieser Eindruck verstärkte sich, weil manche Szenen sehr wohl in normalem Tempo gespielt wurden.

Da wäre als erste jene zu nennen, in der Bastian Schweinsteiger im Strafraum der Ghanaer seinen Mitspieler Sami Khedira mit einem angedeuteten Fallrückzieher umtrat (8. Minute). Und als zweite schon die erste Torchance der deutschen Elf. Lukas Podolski schlug eine scharfe Flanke in den Strafraum, wo der Ghanaer Jonathan Mensah den Ball so unglücklich abfälschte, dass Torhüter Richard Kingson zu einer ersten guten Parade gezwungen wurde.

Die Mannschaft Ghanas hatte nicht vor, sich zu verstecken, das zeigte sich bald. Immer wieder entwickelte sie schnelle Spielzüge, bereits nach knapp einer Viertelstunde musste Bastian Schweinsteiger in höchster Not vor Asamoah Gyan klären, der bereits zwei Treffer im Turnier erzielt hatte; allerdings beide per Elfmeter. Die Deutschen antworteten, indem sie ihrerseits einmal schnell nach vorne kombinierten. Thomas Müllers weite Flanke fand Lukas Podolski, der allerdings wohl noch die Schuhe aus der Partie gegen Serbien an den Füßen trug: Er schoss sofort, traf jedoch den Ball nicht voll.

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