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WM 2010: Deutschland - Argentinien:Ein Katalog im Stutzen

Vor dem Viertelfinale erinnert sich die DFB-Elf genussvoll an den siegbringenden Kniff des Jahres 2006, relativiert Bundestrainer Löw die Attacken von Schweinsteiger - und gibt es neue Personalsorgen.

Manuel Neuer wird einen dehnbaren Stutzen benötigen, wenn es soweit kommt. Ein ganzer Katalog muss da Platz haben, sagte Bundestrainer Joachim Löw, um seine Nummer eins für ein Elfmeterschießen gegen Argentinien mit ausreichend Informationen zu versorgen. "Ich habe vor zwei, drei Tagen mal einen Blick auf mögliche Schützen geworfen", erzählte Löw, "da war es 2006 sehr viel leichter."

WM 2010: Spitznamen

Hexer, Helmut, weißer Hai

Damals reichte bekanntlich ein Zettel mit den Tipps von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, um Jens Lehmann zu helfen. Der damalige DFB-Torwart holte das Papier vor jedem Schuss der Argentinier aus seinem Stutzen und hielt die Versuche von Roberto Ayala und Esteban Cambiasso - Deutschland stand im Halbfinale. Der Zettel hat es inzwischen bis ins Haus der Geschichte nach Bonn geschafft.

Ayala und Cambiasso sind nun nicht mehr dabei. Löw erblickte stattdessen im aktuellen Kader der Argentinier viele Profis, die bei ihren Vereinen Strafstöße schießen. Und so darf das Green Point Stadium in Kapstadt am Samstag (Beginn: 16 Uhr) hoffnungsvoll warten, ob es im Falle eines Elfmeterschießens als erste Arena in Erinnerung bleibt, wo ein Torwart einen mehrseitigen Block aus dem Stutzen herausholt. Der Bundestrainer kündigte immerhin an: "Wir werden Manuel gezielte Informationen geben."

Die Keilerei hallt nach

Kein Bundestrainer wird wohl jemals mehr eine offizielle Fragerunde vor einem K.-o.-Spiel hinter sich bringen, ohne zu deutschen Geheimnissen bei Elfmeterschießen Auskunft geben zu müssen. Dabei erscheint kein Spiel bei dieser WM weniger anfällig dafür zu sein, nach 120 Minuten ohne Sieger dazustehen, wie das Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien. Den beiden Mannschaften des Turniers mit der offensivsten Spielanlage.

Diego Maradona drohte fast: "Wir werden voll auf Angriff spielen." Der Trainer der Argentinier versprach, dass "meine Jungs Revanche nehmen wollen" für das Viertelfinal-Aus vor vier Jahren in Berlin. Das führte bei einigen Spielern in der aufgeheizten Stimmung des Olympiastadions zu Aggressionen, die in eine ausgewachsene Keilerei mündeten. Und diese hallt bis heute nach.

Bastian Schweinsteiger, damals mitten im Pulk, hatte sich ja zuletzt etwas unflätig über Mentalität und Charakter des Argentiniers an sich geäußert. Bundestrainer Löw kam nun nicht umhin, sich dazu zu äußern. Dabei schwankte er zwischen Treue zu seinem Spieler und dem Widerwillen, die diese Worte offensichtlich in ihm auslösten. Einerseits sprach der 50-Jährige davon, dies sei eine "persönliche Meinung" Schweinsteigers "und bei uns herrscht Meinungsfreiheit". Andererseits stellte er klar, dass er Südamerikaner als "freundliche, herzliche Menschen" mit großer Gastfreundschaft erlebe. "Uns mangelt es nicht an Respekt vor den Argentiniern."

Podolskis Einsatz in Gefahr

Auch im Hinblick auf die argentinische Mannschaft versuchte Löw, mäßigend einzuwirken. Er habe das Spiel 2006 "in keiner Phase als unfair oder brutal gesehen". Die Argentinier spielten zwar "leidenschaftlich, körperbetont, einsatzfreudig, sind körperlich enorm stark und bestreiten die Zweikämpfe am Rande der Legalität". Aber das sei eben auch ihre Stärke. Linksverteidiger Jérôme Boateng kommentierte: "Wir werden dagegenhalten und auch hart spielen."

Und so erwartet man allenthalben "einen Fight auf Biegen und Brechen" (Löw). Einen Fight, der sehr wahrscheinlich ohne den verletzten Stuttgarter Stürmer Cacau (Bauchmuskelzerrung) auskommen muss. Und auch der Einsatz von Lukas Podolski ist fraglich. Der Kölner musste am Donnerstag das Training abbrechen und leidet unter einer Muskelverhärtung. Ob er am Samstag mitspielen kann, entscheidet sich wohl im Abschlusstraining am Freitagabend im Green Point Stadium. Sollte Podolski ausfallen, darf sich Marcell Jansen Hoffnungen auf einen Einsatz im linken offensiven Mittelfeld machen. Weitere Kandidaten sind Marko Marin oder Toni Kroos.

© sueddeutsche.de/aum

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