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WM 2010: Der deutsche Angriff:Das Pfeifen im Strafraum

Trotz der Stürmertore von Podolski, Gomez und Cacau im jüngsten Testspiel gegen Ungarn bedarf das Angriffsspiel der deutschen WM-Mannschaft dringend einer Zuspitzung.

Wenn man die Welt von dieser Seite aus betrachtet, ist sie schwer in Ordnung. "Stürmer-Trio trifft beim 3:0 in Ungarn" meldet die verbandseigene Homepage des Deutschen Fußball-Bundes, und für alle, die diese Erfolgsgeschichte gerne ein bisschen ausführlicher genießen würden, empfiehlt sich ein Mausklick.

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Dort finden sich alle Daten zum Fest: Lukas Podolski (5., Elfmeter), Mario Gomez (69.), Cacau (72.). Wenn die Deutschen schlau sind, kopieren sie diese Statistik 31-mal und verschicken sie großformatig und rot unterstrichen an die restlichen 31 WM-Teilnehmerländer, denen dann bestimmt der bewährte Schreck in die Glieder schießt: Hilfe, die Turniermannschaft schießt sich warm für die WM!

Wenn die anderen Länder schlau sind, werden sie die Welt aber von der anderen Seite aus betrachten. Dann würden sie die einschüchternde Statistik kühl entsorgen und sich stattdessen eine DVD des deutschen Spiels in Ungarn organisieren.

Kloses surreale Laufwege

Auf dieser DVD wäre zu erkennen, wie Podolski sein Elfmetertor zum Anlass nahm, den Rest des Spiels zu ignorieren. Es wäre zu erkennen, wie Mario Gomez vor dem 2:0 der Ball davonhüpft und wie das Tor nur fällt, weil Ungarns Torwart Kiraly sicherheitshalber auf eine torwartähnliche Bewegung verzichtet. Und es wäre zu erkennen, dass der aktuell beste deutsche Angreifer einer ist, der für die Startelf eher nicht in Frage kommt: Cacau, der Schütze des 3:0, dessen quirliger Spielstil ihn nicht unbedingt zur Solospitze qualifiziert. Und natürlich wäre auf der DVD zu erkennen, dass Miroslav Klose nicht zu erkennen ist.

Es sei "kein leichtes Unterfangen, Miroslav Klose wieder in Form zu bringen", sagte Joachim Löw unter dem Eindruck des Tests in Budapest. Dort hatte Klose den künstlerischen Wert seines Auftritts noch mal erhöht; seine Laufwege sind inzwischen so surrealistisch, dass ein Sportlehrer langsam daran verzweifeln muss. Klose grätschte links hinten, er wurde rechts am Flügel gesichtet, manchmal rutschte er hinter die offensive Mittelfeld-Dreierreihe zurück.

Es sind die rührende Versuche eines verunsicherten Spielers, sich über ganz banale Ballkontakte Sicherheit und Spielgefühl zurückzuerobern; wer aber die verletzliche Stürmerseele kennt, weiß, dass sie für ein vernünftiges Geborgenheitsgefühl etwas ganz anderes braucht: einen ganz banalen Torerfolg.

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