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WM 2010: Dänemark - Kamerun:Zähmung der Löwen

Kamerun scheidet nach einem 1:2 gegen Dänemark vorzeitig aus dem Turnier aus. Nach teaminternen Querelen zeigen sich die "unzähmbaren Löwen" zwar verbessert, doch gegen eiskalte Dänen vergeben die Afrikaner zu viele Chancen.

Wenn vor einer entscheidenden Partie bei einer Mannschaft die Rede von "Selbstzerfleischung" ist, bedeutet das in der Regel nichts Gutes. Im Vorfeld des zweiten Gruppenspiels gegen Dänemark hatte es bei den "unzähmbaren Löwen", so der Kampfname der Auswahl Kameruns, so ausgesehen, als würde sich das Löwenrudel wieder einmal in Eigenregie die Butter vom Brot nehmen. Stürmer Samuel Eto'o, der stolzeste aller Kameruner, und Mittelfeldmann Achille Emana moserten gegen Coach Paul Le Guen. Eto'o beschwerte sich, weil er als Nationalheld beim 0:1 gegen Japan auf dem Flügel ran musste - Emana, weil nach seinem Geschmack zu viele Junglöwen der Sorte Eric-Maxim Choupo-Moting (1. FC Nürnberg) und Joel Matip (FC Schalke 04) gespielt hatten - während er selbst zum Banklöwen degradiert worden war.

WM 2010 - Kamerun - Dänemark

Dänischer Jubel: Nach dem hart erkämpften 2:1 gegen Kamerun hat Morten Olsens Team wieder alle Chancen auf das Achtelfinale.

(Foto: dpa)

Das bittere 1:2 der Westafrikaner gegen nicht unbedingt umzähmbare Dänen dürfte die Diskussionen bei Eto'o & Co. zu einem mittleren Erdbeben ausbauen, denn vom anvisierten Achtelfinale ist Kamerun jetzt genauso weit entfernt wie eine Löwenherde von einer Kiwidiät - die Löwen sind nach zwei Niederlagen bei dieser WM bereits ausgeschieden. Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass nach den teaminternen Debatten ausgerechnet Eto'o der Schütze des einzigen Tores war, während Dänemark mit Trainer Morten Olsen nach den Treffern von Nicklas Bendtner und Dennis Rommedahl nun wieder vom Achtelfinale träumen darf.

Eto'o trifft zum 1:0

Olsen hatte tief in die Trickkiste gegriffen. "Ich werde den Kamerunern doch nichts verraten", erklärte der frühere Kölner auf die Frage, ob Kapitän Jon Dahl Tomasson nach seiner Verletzung erstmals bei dieser WM stürmen würde. Beim letzten Training von "Danish Dynamite" ließ Olsen dann sogar Sturmhoffnung Bendtner im Hotel - um gegen Kamerun doch beide von Beginn an als stürmende Sprengmeister ins Spiel zu schicken. Kameruns Trainer Le Guen schien dagegen auf Versöhnungskurs: Im Mittelfeld setzte er neben Jugendstil-Kritiker Emana anstatt des 19-jährigen Matip auf den immerhin 22-jährigen Alexandre Song von Arsenal London, während Kapitän Eto'o als Mittelstürmer auflaufen durfte.

Mit einem ersten, zaghaften Torschuss in der fünften Minute verdeutlichte Eto'o dann auch gleich seine Ambitionen, sein Team durch einen engagierten Auftritt wieder zu vereinen. Dass auch die Dänen Lust auf Wiedergutmachung für ihre 0:2-Auftaktpleite gegen Holland hatten, zeigte ein gefährlicher Schuss von Dennis Rommedahl nach Pass von Tomasson nur wenige Minuten später. Just als sich eine ausgeglichene Anfangsphase anzudeuten schien, spielte der dänische Mittelfeldhaudegen Christian Poulsen einen wohl kaum ernstgemeinten Pass in Richtung Kollege Lars Jacobson, den Pierre Achille Webo vom RCD Mallorca locker abfing und direkt zu Eto'o querschob. Der Inter-Stürmer zog dermaßen unbedrängt von der Strafraumkante ab, dass man meinen konnte, die Dänen wollten gegen Kameruns Streithähne den spendablen Schlichter spielen.

WM 2010: Der neunte Tag in Bildern

Kamerun trauert