bedeckt München 29°

WM 2010: Bastian Schweinsteiger:Kroos, die Kurzzeit-Aushilfe

Vor allem seit dem Ausfall von Michael Ballack konzentriert sich sehr viel auf den 25-Jährigen vom FC Bayern. Schweinsteiger sollte die Chefrolle im Mittelfeld übernehmen. Mit seinen nun 77 Länderspielen ist er einer von wenigen Erfahrenen im DFB-Team, seine hervorragende Saison in München gab Anlass zur Hoffnung, er könne das deutsche Spiel prägen.

Und Schweinsteiger erfüllte diese Hoffnungen bislang, auch wenn andere mehr im Fokus standen. Gerade im schwierigen Spiel gegen Ghana, als einigen jungen Spielern die Nervosität arg anzumerken war, stemmte er sich gegen die bulligen Afrikaner, verteidigte mit Händen und Füßen die Bälle, eilte bei Gyans Großchance schnell genug in den Strafraum zurück, gab dem deutschen Auftritt zumindest phasenweise Struktur. Er setzte das um, was er vorher versprochen htte: "Ich versuche das Tempo zu steuern, die Richtung vorzugeben. Ich muss auch viel defensiv arbeiten und viel reden auf dem Platz." Sein Job sei es, die Mannschaft mit klugen Pässen voranzubringen.

Bereits Mitte der zweiten Halbzeit schleppte sich Schweinsteiger allerdings merklich angeschlagen über den Platz. Die Kraft schien am Ende, und offenbar wurde einem Muskel das Geackere zu viel. Er verließ nach 81 Minuten den Platz, am Ende klatschte er noch einmal brav ins Publikum.

Lahm als Notlösung?

Für ihn kam Toni Kroos. Auch im Testspiel gegen Bosnien-Herzegowina hatte der 20-Jährige schon einmal in der Zentrale gespielt, allerdings nur für drei Minuten. Diesmal waren es also schon neun, und es könnte durchaus sein, dass am Sonntag ziemlich viele dazukommen. Er scheint derzeit der erste Ersatzmann auf dieser Position zu sein - obwohl er sie im Verein noch nie gespielt hat und in Soccer City erst sein fünftes Länderspiel bestritt.

Vor allem nach den vielen Verletzungen kurz vor der WM flammte immer wieder die Diskussion auf, welchen Plan B denn Löw in der Tasche hat, wenn Schweinsteiger oder Khedira einmal ausfallen sollten. Beide haben inzwischen eine gelbe Karte gesehen, womit sich die Frage nach einem eventuellen Achtelfinalsieg gegen England neu stellen könnte. Antworten gab der Bundestrainer darauf nicht; er wechselte Kroos ein, im Testspiel gegen Ungarn schickte er Dennis Aogo nach der Pause in die Zentrale.

Die Frage, ob vielleicht Philipp Lahm der Notnagel sein könnte, beschieden Löw und auch der Kapitän bislang mit einer klaren Absage. Doch nun könnte diese Möglichkeit wieder in den Mittelpunkt rücken. Philipp Lahm hat bislang eines seiner 68 Länderspiele im defensiven Mittelfeld bestritten. Am 22. August 2007 im Wembley-Stadion, Deutschland gewann gegen England 2:1.

© sueddeutsche.de/aum
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema