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WM 2010: Aus für Adler:Logische Wahl: Butt?

Eine Nummer drei Jens Lehmann ist bei dessen äußerst ehrgeiziger Grundhaltung fast unvorstellbar. Der 40-Jährige glaubt, dass er immer noch der beste deutsche Torhüter ist, nach der Rückrunde beim VfB Stuttgart geben ihm auch viele Experten in dieser Einschätzung recht. Und dass er einen Bewusstseinswandel durchmacht wie Oliver Kahn vor der WM 2006, als dieser die Reservistenrolle annahm, gilt als unwahrscheinlich.

WM-Torwart

Von Stuhlfauth bis Neuer

Lehmann würde es sich bestimmt ohne Einschränkung zutrauen, noch eine WM zu spielen. Am Dienstag wurde er in Stuttgart zwischen zwei Trainingseinheiten zu Adlers Ausfall befragt und sagte: "Dazu möchte ich nichts sagen." Nach Absage klang das nicht. Sein VfB-Trainer Christian Gross hatte aber schon vor zwei Wochen erklärt: "Jens Lehmann hat das Thema Nationalmannschaft nie ganz abgeschlossen."

Ob Löw und sein Torwarttrainer Andreas Köpke tatsächlich mit dem Gedanken spielen, Lehmann vor seinem Karriereende noch einmal zur Nummer eins zu machen? Jedenfalls öffnete sich mit der Nachricht aus Leverkusen eine neue Baustelle, nachdem am Morgen schon wie erwartet Simon Rolfes nach mehreren Operationen am Knie abgesagt hatte für die WM, und damit Löw im defensiven Mittelfeld ein Loch stopfen muss.

Sollte Lehmann keine Einladung bekommen, steht im ersten Gruppenspiel gegen Australien vermutlich der Torhüter mit der geringsten Länderspiel-Erfahrung der deutschen WM-Geschichte seit Wolfgang Fahrian 1962 in Chile zwischen den Pfosten. Fahrian bestritt damals an seinem 21. Geburtstag sein erst zweites Länderspiel, die bisherigen Adler-Ersatzleute Manuel Neuer (Schalke) und Tim Wiese (Bremen) kamen bislang immerhin schon auf je zwei. Indes hat Löw bisher nie die Unerfahrenheit seiner Torhüter beklagt, auch Adler bestritt erst neun Länderspiele.

Sucht der Bundestrainer nach einem dritten Torwart hinter Neuer und Wiese, wäre der stille 35-jährige Hans-Jörg Butt von Bayern München eine logische Löw-Wahl. Unkompliziert im Umgang, würde Butt sicher nicht gegen die herrschende Hierarchie aufbegehren. Der Dortmunder Roman Weidenfeller hat den Ruf, ein Unruhefaktor sein zu können, und ein weiterer völlig unerfahrener Torwart wie der U21-Keeper Tobias Sippel aus Kaiserslautern wäre wohl doch der Unerfahrenheit zu viel.