WM 2010: Argentinien:Paella mit Paul

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Die unnötige Niederlage nach Elfmeterschießen und die folgende Keilerei vor vier Jahren sind unvergessen, damals endeten die berechtigten Hoffnungen auf den Titel mit einem weiteren Trauma. Man weiß noch, dass der deutsche Torwart Lehmann einen Zettel mit den Namen der Schützen dabei hatte, auf solche Ideen kommen bloß Deutsche. Diego Maradona irrte in jenem Sommer als übergewichtiger Promi-Fan im weißblauen Trikot durch Deutschland, ähnlich schwer zu fassen wie der braune Problembär Bruno. Und seine Wiedergeburt Lionel Messi saß in jenem Viertelfinale bloß auf der Ersatzbank, Trainer José Pekerman wollte ihn nicht einwechseln. Ein Desaster, fast so schlimm wie 1990, als Maradona nach der Finalniederlage heulte. Da denkt man lieber an den 3:2-Finalsieg 1986 und an den 1:0-Erfolg vor ein paar Wochen im Münchner Freundschaftsmatch.

Dort kannte Maradona noch nicht mal den Bayern Thomas Müller und begann die Pressekonferenz erst, als dieser ihm unbekannte Jüngling an seiner Seite als deutscher Nationalstürmer identifiziert worden war. Argentiniens Trainer will ähnlich spielen lassen wie in der Münchner Arena, wo er erstmals als Stratege auffiel. Vielleicht rückt der Mailänder Walter Samuel in die Abwehr und vielleicht muss der wacklige Münchner Martín Demichelis weichen. Viele Argentinier sind überzeugt, dass Demichelis von seiner Lebensgefährtin abgelenkt wird, einem ehemaligen Bikinimodel.

Vielleicht dürfen sich im Mittelfeld Juàn Sebastiàn Verón und Javier Pastore oder Jonàs Gutierrez versuchen. Ansonsten trinkt Argentiniens Auswahl Mate, isst Grillfleisch, hört von Tévez ausgewählte Musik, und Maradona schickte den Satz in die Heimat: "Wir werden unser taktisches System nicht ändern." Die Republik hofft, dass Wiedergänger Messi die Deutschen schwindlig spielt und endlich ins Tor trifft.

Und Eswejnstejger? Ein väterliches Lächeln zog sich über Diegos bärtiges Gesicht. "Was ist los mit dir, Schweinsteiger, bist du nervös?", sprach Maradona. Das kennt man in diesem Tonfall sonst vom ehemaligen Staatschef Néstor Kirchner, der gerne die ihm gegenüber kritische Zeitung Clarín verspottet: "Was ist los mit dir, Clarín, bist du nervös?" Das Präsidentenpaar Cristina und Néstor soll den Argentiniern übrigens mehr Glück bringen als einst Carlos Menem, in dessen Gegenwart meistens verloren wurde.

Was weitere Glücksbringer betrifft, so gibt Diego Armando Maradona gerne selbst das Orakel, sollen die Deutschen doch an ihren Pulpo Paul glauben, den Tintenfisch. "Paul endet am Samstag in einer Paella", warnt La Gaceta. Armer Paul. Außerdem haben die Argentinier unterdessen Pepe und Macky entdeckt. Das eine ist ein Papagei und das andere eine Seelöwin im Zoo von Buenos Aires, und beide tippen auf Argentinien.

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