WM-2006-Prozess:Kurzer Auftakt

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Die Verhandlung in der Sommermärchen-Affäre vor dem Schweizer Bundesgerichts wird wegen Absenz der drei deutschen Beschuldigten vertagt. Das Gericht muss sich nun auch mit der Rolle der Bundesanwaltschaft in dem Fall auseinandersetzen.

Von Johannes Aumüller, Bellinzona/Frankfurt

Nach knapp 20 Minuten war der erste Tag im Prozess um die Sommermärchen-Affäre am Schweizer Bundesstrafgericht in Bellinzona schon wieder vorbei. Weil die drei deutschen Beschuldigten Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach - wie angekündigt - aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend waren, vertagte die Vorsitzende Richterin Sylvia Frei den Prozess auf Mittwoch. Dann wird dieser auf jeden Fall beginnen, auch wenn das Trio erneut nicht erscheinen und der frühere Generalsekretär des Fußball-Weltverbandes, Urs Linsi, der einzige anwesende Beschuldigte sein wird. Von diesem Szenario ist zurzeit auszugehen, auch wenn die Richterin die vorgelegten Atteste der drei deutschen Beschuldigten nicht akzeptierte. Sie wertete deren Fehlen als "unentschuldigt" und schlug stattdessen vor, diese sollten sich doch nach Bellinzona bringen und dort im Kantonsspital untersuchen lassen. Zwanziger und Schmidts Anwalt reagierten empört auf diesen Vortrag.

Allerdings dürfte die Vertagung des Prozesses auch dem Bundesstrafgericht entgegengekommen sein. Denn bevor es sich am Mittwoch mit dem konkreten Sachverhalt befasst, muss es sich noch mit einer heiklen Frage zum Verhältnis der Bundesanwaltschaft (BA) zum Fußball-Weltverband (Fifa), der im sogenannten Fußball-Komplex Privatkläger ist, auseinandersetzen. Im Laufe der Ermittlungen kam es zu verschiedenen nicht protokollierten Geheimtreffen zwischen den beiden Seiten, und von besonderem Belang ist das aus dem Juni 2017. Schon bekannt war, dass sich damals BA-Chef Michael Lauber, sein Sprecher, der Fifa-Boss Gianni Infantino und dessen juristischer Privatberater trafen, wobei sich keiner aus diesem Quartett an das Date erinnern kann. Nicht bekannt war allerdings, dass im Umfeld des Treffens noch eine fünfte Person auftauchte. Dies ergab sich erst in der Vorwoche aus einer Publikation der BA-Aufsichtsbehörde, die den Namen der Person allerdings schwärzte. Laut der Richterin soll der Name nun den Beteiligten in dem Verfahren mitgeteilt werden.

Nach Informationen des Tages-Anzeiger handelte es sich dabei um Olivier Thormann, den damaligen Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität in der BA. Sollte sich das bewahrheiten, müsste das gravierende Konsequenzen für den Prozess haben. Denn Thormann war als Leiter der Wirtschaftskriminalität nicht nur hierarchisch verantwortlich für den Sommermärchen-Fall, sondern auch an mindestens zwei Einvernahmen konkret beteiligt.

In dem Prozess geht es um eine Zahlung der deutschen WM-Organisatoren in Höhe von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2005, mit der ein Privatkredit von Franz Beckenbauer getilgt wurde. Nach Ansicht der Ermittler schädigten die Verantwortlichen damit den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Diese weisen das zurück.

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