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WM 2006:Des Kaisers Ehrenamt

In der Affäre um die Millionenzahlung an Franz Beckenbauer attackieren sich der DFB und die Vertreter des WM-Chefs gegenseitig. Warum aber wurde die Abmachung jahrelang verschwiegen?

Immer wilder schwirren in der Affäre um die Fußball-WM 2006 die Millionenbeträge umher, jetzt geht es um eine weitere siebenstellige Summe. Dienstagabend wurde publik, dass Franz Beckenbauer in seiner Zeit als Chef des Organisationskomitees (OK) vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) 5,5 Millionen Euro erhielt - obwohl stets beteuert worden war, dass er dieses Amt ehrenamtlich ausübe. Auch dies ist wieder eine verschlungene Affäre, die auf verschiedenen Ebenen spielt. Es geht jetzt einmal um den Komplex, wie der Deal genau lief und warum er so lange verschwiegen worden ist. Und zum anderen um die Frage, wie mit den Erkenntnissen über das Beckenbauer-Honorar in den vergangenen Monaten umgegangen wurde.

Zum Ablauf gibt der DFB detailliert Auskunft. Zwischen Februar 2005 und Oktober 2006 erhielt Beckenbauer demnach in fünf Raten 5,5 Millionen Euro, gemäß Verträgen aus Oktober 2004 und September 2006. Dieser Deal war Teil eines Sponsorengeschäfts mit der Firma Oddset. Beschlossen worden sei die Angelegenheit aber bereits im Präsidialausschuss des OK-Aufsichtsrats im Juli 2003.

Das Glücksspielunternehmen Oddset zählte bei der WM 2006 zu den sechs nationalen Förderern; die meisten von ihnen zahlten rund zwölf Millionen Euro. Im Kontext des Oddset-Vertrages gab es die Abmachung, dass ein Teil des Geldes an Beckenbauer weiterfließt. Der warb im Gegenzug für die Firma. Oddset habe aktiv auf die Einbindung des Funktionärs gedrungen, hieß es. Versteuert wurden die Millionen laut DFB erst Ende 2010 nach einer Betriebsprüfung des Finanzamts. Der DFB zahlte 1,16 Millionen Euro Abzugssteuer - die wird fällig bei Zahlungen an einen "Steuerausländer" wie den Wahl-Österreicher Beckenbauer. Dieser erstattete Anfang 2011 die Summe dem Verband.

"Ein neuerlicher Beleg, dass das WM-OK auf Abschottung gesetzt hat", klagt der DFB-Chef

Über welche Zahlungen hat Franz Beckenbauer den Überblick verloren? Welche hat er bewusst verschwiegen? In jedem Fall muss jetzt niemand mehr glauben, dass es beim "Kaiser" etwas gratis gibt.

(Foto: Michael Tinnefeld/Agency People Image)

Über Deutung und Darstellung dieses Ablaufes beginnt nun eine Schlammschlacht mit diversen Widersprüchen. Beckenbauers Anwälte erklärten, die Behauptung, dass ihr Mandant das Geld für die WM 2006 oder ein Ehrenamt erhalten habe, sei falsch. Beckenbauer habe diese Einnahmen aus seinen Werbeaktivitäten auch "unverzüglich an seinem Wohnsitz in Österreich ordnungsgemäß versteuert".

Ähnlich äußerten sich damalige OK-Spitzen wie Horst R. Schmidt oder Theo Zwanziger: Die 5,5 Millionen seien kein Honorar fürs Ehrenamt gewesen, die verspätete Steuerzahlung nur ein administrativer Irrtum. Der frühere Innenminister Otto Schily, damals OK-Mitglied, sagte, nach seiner Erinnerung habe das Kontrollgremium keine Beschlüsse über Zahlungen an Beckenbauer gefasst. Und Oddset erklärte, es habe "keine vertragliche Beziehungen (...) zu Beckenbauer" gegeben und dementsprechend auch "keine Honorarzahlung". Inhalt des Vertrages als Nationaler Förderer sei das übliche Sponsorenpaket gewesen. Beckenbauers Werbetätigkeit hingegen bringt die Firma mit dem Staatsvertrag von 2002 in Zusammenhang, mit dem der DFB Mittel erhalten sollte.

DFB-Chef Reinhard Grindel indes kritisiert Beckenbauer und die anderen damals Handelnden. "Für mich ist dieser ärgerliche Vorgang ein neuerlicher Beleg, dass das WM-OK auf Abschottung gesetzt hat, dass dort keine Transparenz geherrscht und die Öffentlichkeit in Teilen auch getäuscht worden ist", sagte er. Das wiederum weisen Beckenbauers Anwälte zurück. Die Öffentlichkeit sei nicht getäuscht worden. Auch sei dem DFB "der gesamte Komplex von Beginn an" bekannt gewesen.