FußballFlorian Wirtz verpasst ersten Titel in England und ist Fußballer des Jahres

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Hoch das Bein funktioniert auch in England: Florian Wirtz (am Ball).
Hoch das Bein funktioniert auch in England: Florian Wirtz (am Ball). Glyn Kirk/AFP

Der Nationalspieler unterliegt mit Liverpool im englischen Supercup mit 2:3 im Elfmeterschießen gegen den englischen Cupsieger Crystal Palace. Dafür erhält er eine Auszeichnung des Fach-Magazins Kicker.

Florian Wirtz muss auf seinen ersten Titel mit dem englischen Fußball-Meister FC Liverpool noch warten. Die Reds hatten im englischen Supercup mit 2:3 im Elfmeterschießen gegen den englischen Cupsieger Crystal Palace und Trainer Oliver Glasner das Nachsehen. Nach der regulären Spielzeit hatte es im sogenannten Community Shield 2:2 (2:1) gestanden. Im Elfmeterschießen im Londoner Wembley-Stadion zeigten die Liverpool-Profis Mohamed Salah, Alexis Mac Allister und Harvey Elliott Nerven. Wirtz war bei der Elfmeter-Entscheidung nicht mehr auf dem Platz.

Dabei hatte der Tag so gut begonnen. Am Morgen war Wirtz (am Ball, als Deutschlands Fußballer des Jahres ausgezeichnet worden. Der Nationalspieler, der für bis zu 150 Millionen Euro nach England wechselte, setzte sich bei der Wahl des Magazins Kicker vor Michael Olise vom FC Bayern und Nick Woltemade vom VfB Stuttgart durch.

Und auch bei seiner Pflichtspiel-Premiere für Liverpool setzte sich Wirtz gleich in Szene. Nach einem doppelten Doppelpass mit Hugo Ekitiké traf der Franzose, dessen Wechsel aus Frankfurt nach England immerhin 95 Millionen Euro wert war, bereits nach vier Minuten zur LFC-Führung. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich des Ex-Mainzers Jean-Philippe Mateta per Foulelfmeter (17.) war Jeremie Frimpong zur Stelle. Eine etwas verunglückte Flanke des ebenfalls aus Leverkusen gekommenen Außenbahnspielers landete im Palace-Tor (21.). Doch die Glasner-Elf kam durch ein Tor von Ismaila Sarr (77.) noch einmal zurück. Wirtz deutete in einigen Szenen sein Können an, der Unterschied-Spieler war er bei seiner Pflichtspiel-Premiere noch nicht. In der 84. Minute wurde der 22-Jährige ausgewechselt. Im Elfmeterschießen avancierte Crystal-Keeper Dean Henderson wie im FA-Cup-Finale gegen Manchester City zum Helden. Bevor der Ball rollte, wurde der in der Sommerpause mit dem Auto tödlich verunglückte Liverpool-Stürmer Diogo Jota mit einer Schweigeminute gewürdigt. Der Tod des Portugiesen hatte in Liverpool große Bestürzung ausgelöst.

Ein Novum gab es bei der Wahl des Magazins Kicker zur Fußballerin des Jahres: Mit DFB-Kapitänin Giulia Gwinn und Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger landeten zum ersten Mal überhaupt zwei Spielerinnen mit der identischen Zahl von 145 Stimmen ganz vorn.

Als Trainer des Jahres wurde Julian Schuster ausgezeichnet. Er trat beim SC Freiburg die Nachfolge von Christian Streich an und schaffte bereits in seiner ersten Saison die Qualifikation für die Europa League. Schuster setzte sich mit 97 Stimmen vor Horst Steffen (76) durch, der mit der SV Elversberg erst in der Relegation den Bundesliga-Aufstieg verpasste und anschließend zu Werder Bremen wechselte. Hansi Flick vom spanischen Triple-Sieger FC Barcelona landete mit 60 Stimmen auf dem dritten Platz.

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Wirtz kam für Leverkusen in der abgelaufenen Runde als notenbester Spieler wettbewerbsübergreifend auf 16 Tore und 15 Vorlagen. Aus der Nationalmannschaft ist der 22-Jährige kaum wegzudenken. Über Monate bemühte sich der deutsche Rekordmeister aus München um den technisch versierten Offensivkünstler. Doch letztendlich entschied er sich für einen Wechsel in die Premier League. „Die persönliche Ehrung einzelner Akteure ist im Fußball immer und vor allem auch eine Auszeichnung des Kollektivs“, sagte Wirtz. „Mir ist bewusst, dass noch sehr viel Arbeit vor mir liegt, um all den Erwartungen gerecht zu werden, die unter anderem auch mit einer Wahl wie der zum Fußballer des Jahres verbunden sind.“

Gwinn gewann mit dem FC Bayern Meisterschaft und Pokal

Für Ann-Katrin Berger ist es nach 2024, als sie bei Olympia mit starken Leistungen entscheidend zur Bronzemedaille der DFB-Frauen beitrug, bereits die zweite Ehrung zur Fußballerin des Jahres. Gwinn darf sich nach der für sie persönlich mehr als unglücklich verlaufenen Europameisterschaft über die Auszeichnung zum ersten Mal freuen. Das sei eine „Bestätigung für die Arbeit, die wir als Mannschaft geleistet haben“, sagte Gwinn in Anlehnung an das Turnier in der Schweiz, das für das deutsche Nationalteam erst im Halbfinale gegen Spanien beendet war.

Die neue Kapitänin hatte sich im Auftaktspiel gegen Polen in der ersten Halbzeit schwer am Knie verletzt und unterstützte das Team danach von der Bank aus. „Dass auch Giulia gewonnen hat, finde ich super. Sie zeichnet sich nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben aus. Andere wären nach so einer schweren Verletzung von der EM abgereist“, sagte Berger über ihre Mitspielerin. „Sie aber hat uns sehr geholfen, uns sehr unterstützt und ihre Gefühle beiseitegeschoben. Das zeigt wahre Größe.“ Gwinn gewann mit dem FC Bayern die Meisterschaft und den Pokal und ist nach dem DFB-Rücktritt von Alexandra Popp die mittlerweile wohl populärste deutsche Fußballerin.

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