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Wintersport:Zauber am Königsee

Koenigssee, Deutschland 03. Januar 2021: Eberspaecher Rennrodel-Weltcup - Koenigssee - Sonntag - 03.01.2021 - Damen Jul; Wintersport - Rodeln - WM - Julia Taubitz

Die Schnellste im Eiskanal vom Königsee: Julia Taubitz gewann beim WM-Auftakt Gold.

(Foto: Wassmuth /imago)

Die deutschen Rodlerinnen feiern zum Auftakt der Weltmeisterschaft einen Vierfach-Erfolg.

Von Thomas Gröbner

Eigentlich ist so eine Medaille nicht sehr nützlich. Sie baumelt meist schwer um den Hals, immerhin hübsch anzuschauen ist sie, gerade die Exemplare, die am Freitag nach dem WM-Auftakt am Königssee an die drei deutschen Rodlerinnen verteilt wurden. Julia Taubitz bekam nach dem Sprint der Frauen ihre in Gold, Dajana Eitberger in Bronze, und Anna Berreiter in Silber, so sah es auf dem Siegerfoto aus. Und für Berreiter ist diese Medaille nicht nur schön, sondern sie hilft auch, die Vergangenheit zu verarbeiten.

Die Geschichte von Anna Berreiter, 21, ist die Geschichte einer erstaunlichen Rückkehr: Nach einem bösen Sturz in Sigulda hatte sie Gesichtsverletzungen erlitten und fiel lange aus, sie verlor ihren Platz im Weltcup-Team und musste zusehen, wie ihre Kolleginnen gewannen. "Ich habe mir nach meinem Sturz auch Hilfe geholt", erzählte Berreiter, "so ein Trauma" sei nicht leicht zu verarbeiten. Erst Anfang Januar durfte sie wieder im Weltcup starten, am Königsee. Auf ihrer Heimbahn meldete sich eindrucksvoll zurück mit Platz vier.

Berreiter wundert sich selbst über ihre gute Leistung

Noch vor einer Woche konnte die Bischofswieserin kaum hoffen auf ihre Nominierung für den Kader, bekam aber vom Bundestrainer das Vertrauen, das sie nun zurückzahlte. Mit einem Lauf, der auch sie selbst überraschte: "Ich hab' mit vielem gerechnet im Sprint, aber nicht mit einer Medaille". Sie wunderte sich selbst, "dass ich so einen Lauf runterzaubere". Dabei waren einige Wackler in ihrem Lauf, und der Sprintwettbewerb vergibt davon nur wenige: Gerodelt wird auf einer verkürzten Distanz, aber unter verschärften Bedingungen. Nach einem fliegenden Start gibt es nur einen Durchgang, eine zweite Chance gibt es nicht, die besten Techniker werden belohnt nach 1100 Meter und zehn Kurven.

Julia Taubitz hatte sich als Vierzehnte gerade noch qualifiziert, im Rennen war sie dann aber in ganz anderer Form unterwegs und erzielte einen Bahnrekord. An ihr kam niemand mehr vorbei, auch nicht die Italienerin Andrea Voetter, gefürchtet für ihre Raketenstarts, taumelte sie nach einem Fehler durch den Eiskanal. Auch für die Olympiasiegerin Natalie Geisenberger blieb nur Platz vier. Die Miesbacherin hatte vor der Geburt ihres Sohnes bei den Frauen dominiert, und hatte sich wieder viel vorgenommen. "Natürlich bin ich nicht hier, um unter die Top 25 fahren", hatte sie angekündigt.

Dajana Eitberger, ebenfalls zurück aus der Baby-Pause, hatte es vorher "satt", immer die Nummer drei im Rodel-Team zu sein, erzählte sie, immer im Schatten von Olympiasiegerin Geisenberger und Julia Taubitz zu fahren. Aber: "Heute freue ich mich darüber.

© SZ/and
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